Die Idee der Ausleitung bei Paracelsus

von Olaf Rippe

mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis


Die ersten systematischen Betrachtungen zum Thema Ausleitung sind uns aus antiker Zeit überliefert. Auf Hippokrates gehen die fünf Kardinalmethoden der Entgiftung zurück: Schwitzen, Aderlass, Erbrechen und Abführen (Purgation nach oben oder unten) sowie die Kautherisation (künstliche Wunden). Man war damals der Ansicht, dass die Gesundheit (Eukrasie) von der Harmonie der vier Säfte (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) abhängig ist. Man glaubte, dass das dauerhafte Überwiegen eines der Säfte unweigerlich zu einer Disharmonie und damit zur Krankheit, der Dyskrasie, führen würde. Nur durch die Ausleitung der schuldigen Materie war die Wiederherstellung der harmonischen Säftemischung möglich. Über 2000 Jahre war die Säftelehre die unumstrittene Grundlage medizinischen Denkens. Erst mit Aufkommen der reduktionistischen Weltvorstellung in der Medizin vor ca. 200 Jahren, mit ihrer Trias Wirkstoffe, Erregerlehre und Zellularpathologie, verlor die Säftelehre nicht nur in Deutschland an Bedeutung. Zwischen den zwei Weltkriegen waren die Ausleitungsverfahren in der Naturheilpraxis jedenfalls so gut wie unbekannt, bis auf einige Volksmediziner, die noch nach alter Tradition arbeiteten. Dies war sicher ein Rückschritt und kein Fortschritt, denn altes Wissen ist nicht veraltet, sondern die Grundlage für zukünftiges Denken und Handeln. Der Arzt Bernhard Aschner schrieb hierzu im Jahre 1928: "Man kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass die interne Medizin vor 100 Jahren der heutigen trotz aller neueren diagnostischen und technischen Errungenschaften hinsichtlich der Heilerfolge oft weit überlegen war. Und das nur, weil sie auf dem viel universelleren Standpunkt der Humoralpathologie beruhte und auch über das ganze dazugehörige empirisch-historische Heilwissen verfügte."
Ende der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts kam es aber auch zu einer Neubesinnung. Besagter Bernhard Aschner übertrug zu dieser Zeit die Husersche Gesamtausgabe des Paracelsus in ein zeitgemäßes Deutsch, um die Werke dieses bedeutendsten abendländischen Arztes seit Hippokrates einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Diese mühevolle Arbeit und seine eigenen Schriften, machten Bernhard Aschner zu einem der wichtigsten Ärzte des letzten Jahrhunderts. Seine Bücher zur Konstitutionstherapie sind unbedingt lesenswert und die Grundlage einer Entgiftungstherapie nach antikem Vorbild, die durch ihn in der Nachkriegszeit eine regelrechte Renaissance erlebte (siehe Literatur).
Ohne die Übersetzung des Paracelsus wäre dies aber vielleicht nie geschehen, denn erst durch die Beschäftigung mit den Vorstellungen des "Monarchen der Medizin", bekam Bernhard Aschner die Inspiration zu seinen eigenen Werken. Obwohl Paracelsus aus praktischen, aber auch aus philosophischen Motiven, ein (zu) vehementer Gegner der Humoralpathologie war, verwendete er sämtliche damals bekannten Techniken zur Entgiftung, z.B. Aderlass, Schröpfen, Fontanellen, Cantharidenpflaster, Blutegel sowie die arzneilichen Entgiftungsverfahren durch Anregung körpereigener Ausscheidungsprozesse, z.B. durch Diuretika, Diaphoretika, Emmenagoga, Cholagoga, Niesmittel, Resolvenzien, Brech- und Abführmittel. Allerdings sprach Paracelsus nicht von auszuleitenden Säften, sondern, viel moderner, von endogenen und exogenen Giften, die er Tartarus nannte; der volksmedizinische Begriff "Schlacken" besagt ähnliches. In etwa entspricht der Tartarus der gichtisch-rheumatischen und dyskratischen Konstitution. Nachfolgend sollen Zitate aus der vierbändigen Aschnerausgabe des Paracelsus die Aktualität der alten Verfahren verdeutlichen (Zitatstellen in Klammer). Nur wo es unbedingt notwendig erschien sind einige Anmerkungen vorgenommen worden, denn den Worten des Paracelsus gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.
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Über die innere Alchimie

Paracelsus beschreibt fünf mögliche Ursachen jeder Krankheit, die fünf Entien. Eine dieser Ursache nannte er "Ens veneni" (venenum = Gift). Nach dieser Vorstellung ist jede Nahrung potenziell toxisch, wenn nicht durch die Verdauungsorgane, inklusive Niere, die Spreu vom Weizen getrennt wird. Eine erhebliche Toxinbelastung entsteht auch durch den Organstoffwechsel und durch Abwehrprozesse (Immuntoxine). Die innere Alchimie schützt jedoch vor einer "Vergiftung" durch endogene und exogene Toxine, gemäß dem alchimistischen Lehrsatz: "Scheide das Reine vom Unreinen und verwandele das Reine in eine Arznei." Probleme entstehen eigentlich nur durch einseitige Ernährung, auch durch eine Mangelernährung, durch Krankheit und/oder Ermüdung des inneren Alchimisten, oder wenn die Ausscheidung der Stoffwechselschlacken nicht genügend funktioniert und es zu einer retoxischen Programmierung kommt.

"Doch für das Unvollkommene, das wir zu unserem Schaden gebrauchen müssen, hat er (Gott) uns einen Alchimisten gegeben, damit wir das Gift, das wir mit dem Guten einnehmen, nicht als Gift verzehren, sondern von dem Guten scheiden können. (...) Dieser ist ein so großer Künstler, dass er die beiden voneinander scheidet. Das Gift steckt er in einen Sack und das Gute gibt er dem Leib. (I/25) Er scheidet das Gute vom Bösen, er verwandelt das Gute in eine Tinktur, die er dem Leibe eingibt, auf dass er lebe (...). Dieser Alchimist hat im Magen seinen Sitz, der sein Instrument ist, worin er kocht und arbeitet." (I/28)
Amara zur Anregung der Verdauungsleistung gehören daher in jedes Entgiftungskonzept; Paracelsus bevorzugte hierfür das Tausendgüldenkraut.

"Wenn der Alchimist krank ist, dass er das Gift nicht mit vollkommener Kunst vom Guten zu scheiden vermag, dann geht Giftiges und Gutes gemeinsam in Verwesung über und dann entsteht eine Digestio (= Dyskrasie); das ist es, was uns die Krankheit des Menschen anzeigt. Denn alle Krankheit, die dem Menschen aus dem Ens Veneni erwächst, stammt von dem verfaulten Digest. Denn das Digest muss sich in seiner Temperierung befinden, damit sich der Alchimist bei seiner Tätigkeit nicht nach der einen oder anderen Richtung irre. (...) Dann folgt daher die Corruptio (Verderbnis). Das ist dann die Mutter aller Krankheiten." (I/29)

"Jedes Gift wird vom Alchimisten durch die Ausscheidungsorgane ausgetrieben, und so werden alle Ausscheidungsorgane davon erfüllt. (...) Wenn nun von diesen Giften eines daran gehindert wird, sei es infolge der Schwäche der Natur, von sich selbst, oder aus anderen Gründen, dann ist auch das eine Quelle der Krankheiten" (I/30)
Schon Paracelsus kannte das Phänomen einer Unterdrückungstherapie - Wenn man z.B. heiße Erkrankungen mit Kälte mildern will: "Das Kühlen ist sein Gift, es treibt die Krankheit zurück und lässt andere Übel daraus entstehen" (I/79). Er war strikter Gegner einer allopathischen Therapie und ein leidenschaftlicher Anhänger des homöopathischen Denkens.

"Jedes Organ entnimmt der Nahrung, was ihm frommt, und was ihm nicht dienlich ist, stößt es ab. Diese Exkremente haben vielerlei Ausgänge: Die Lunge z.B. wirft sie aus, das Hirn scheidet sie durch die Nase aus, die Milz durch die Adern, die Galle in den Magen, die Niere in die Blase, das Herz gasförmig." (I/153)
Als weitere Organe der Ausscheidung nannte er die Schweißporen, die Ohren (Ohrenschmalz), die Augen (Weinen entgiftet die Seele!), den Mund (Speichelfluss) und den Kot (Verdauungsdrüsen); die Gebärmutter (Menses) führt er an anderer Stelle ebenfalls als Entgiftungsorgan auf.

"Jede Ausscheidungsweg ist auch ein Weg, durch den man die Gesundheit herbeiführen kann." (I/162)

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Der Tartarus bei Paracelsus

Am Boden alter Weinfässer findet man einen Bodensatz, den man Weinstein oder Tartarus nennt. Dies Bild nutze Paracelsus, um darzustellen, wie Substanzen im Körper aus dem Wässrigen koagulieren, entweder als Schleim, Sand oder Stein. Unter den tartarischen Krankheiten verstand er in erster Linie Gallen-, Nieren- und Blasensteine, Gicht und Rheuma, aber auch chronische Hautleiden, z.B. Flechten, Gelenksleiden wie Arthrose, Magenleiden wie Geschwüre und Sodbrennen, Verhärtungen in Geweben wie Myalgien, Knotenbildungen oder Struma, Lungenleiden wie Asthma, Nervenleiden wie Parkinson und schließlich die Sklerose.
Er nannte diese Krankheiten auch deshalb tartarisch, weil der Kranke sich fühlt wie im Fegefeuer.

"Tartarus kann auf zwei Arten entstehen. Diese beiden Entstehungsursachen des Tartarus sind Speise und Trank. Der durch die Speise entstehende Tartarus geht durch die Eingeweide und den Bauch ab (Kot), der andere geht durch die Leber und Blase ab."(I/144)

"Der Archeus (Alchimist), der im Magen ist, ist der erste Anfänger. Wenn wir essen und trinken, soll der Archeus im Magen scheiden, damit das Reine vom Unreinen komme. Was nicht rein ist , was nicht Fleisch und Blut ist (Schlacken), hat zwei Ausgänge, durch den Stuhl und durch den Harn. Es kommt also zuerst auf die Kräfte des Magens an. Diese sollen den Tartarus und die Nahrung voneinander scheiden und den Tartarus austreiben, durch den Stuhl, das ist durch den Kot, der nichts als nur Schlacke und Tartarus sein soll. (...) Wenn dies nicht geschieht, kann sich ein Teil an den Gedärmen ansetzen, das ist die Schlacke. Der Tartarus selbst scheidet sich von der Schlacke und tritt durch die Harnwege aus." (I/557f)

"Wenn Dinge im Menschen zunehmen und im Überfluss sind, gehen sie zu ihren Elementen und sie werden durch die Kraft der Elemente verzehrt. (...)
Wisset nun, wenn das, was bei solchen Entstehungen des Tartarus und der Schlacke einverleibt ist, nicht durch sein Element verzehrt wird (Verstoffwechselung) und der Tartarus und die Schlacke bleiben (mangelnde Ausscheidung mit nachfolgender Ablagerung in Depots), bringt sie der Spiritus der Koagulation in steinige tartarische Materie und formt einen Stein."
(I/559-560)

"Wisset nun, was die Fässer im Körper sind. (...) Der Magen ist das erste. (...) zweitens sind die Gedärme auch Gefäße des Tartarus wegen der Schlacken. (...) ferner ist auch das ein Gefäß, was vom Magen bis zum Hals der Blase geht. Jedes Gefäß, in welchem der Harn sich halten kann, oder durch welches er geht, das gehört zu diesen Gefäßen. (...) dann in dem Gebiet der Leber, und von der Leber bis zur Niere. In allen Höhlen des ganzen Körpers kann sich der Tartarus ansetzen. (...) Dabei wisset, dass jede Ader im ganzen Körper, sie sei wo immer, ein Gefäß des Tartarus ist, aber nicht des fremden Tartarus, sondern des Blutes (Sklerose). Nicht nur die Adern, sondern auch die Knochen und alle Gelenke, in denen Gliedwasser liegt (Gicht, Rheuma, Arthrose)." (I/571)

"Wenn die Kräfte der austreibenden Scheidung und Zerstörung gut sind, kann keine tartarische Krankheit entstehen. Wenn die Scheidung und die austreibende Kraft nicht wirken, muss eine Krankheit entstehen, die tartarisch genannt wird." (I/573)

"Alle Gelenks- und Hüftkrankheiten (...) sind nichts als tartarische Flüssigkeiten, welche in den Gliedern, in Hüftnerven und Bändern als fetter Saft liegt und Steinanfälle und ähnliche Anfälle hervorruft." (I/168)

"Denket daran, dass ihr den Tartarus lösen, austreiben, verzehren und scheiden sollt, denn ist dem Podagra (Gicht) etc. bald geholfen, der Colica und ihre Arten (Schmerzen). Ferner wisset auch, dass Schwindsucht der Glieder (Atrophie) von solchem Tartarus entsteht, wenn sich der Tartarus in den Nerven ansetzt, das ist in ihren Wurzeln. (...) Manchmal fängt auch bei solchen Verstopfungen eine Paralysis (Lähmung) im Gliede an, das Glied schläft ein und wird unempfindlich." (I/586)

"Jede Arznei gegen den Tartarus soll in der Kraft sein, dass sie den Tartarus löse, auflöse und zerstöre, dass er eine Flüssigkeit, eine Gallerte, ein Schleim werde und nicht wieder koaguliert werde. Wenn diese Zerstörung geschehen ist, treibt ihn die Natur aus. (...) Diese Dinge haben die Kraft, im Menschen den Tartarus zu lösen, wie eine Säure das Eisen." (I/608f)

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Über Aderlass und andere Ausleitungsverfahren

Zur Entfernung des Tartarus bediente sich Paracelsus ganz unterschiedlicher Verfahren. An erster Stelle standen sicher resolvierende (auflösende) alchimistische Arzneien aus Mineralien, getreu dem homöopathischen Gedanken, dass man Mineralisches durch Mineralien ansprechen muss; er war der Meinung, "dass die metallischen Dinge eine gar große Übereinstimmung mit dem menschlichen Körper haben. (...) Denn Sulfur, Mercurius und Sal, die in den Metallen und metallischen Dingen zum Teil ruhen (verborgen sind), sind auch im Menschen vorhanden. Wenn Gleiches zu Gleichem kommt, und mit Verstand gebraucht und angewendet wird, wird der Natur geholfen." (III/368)
Viel verwendete er Edelsteine (Smaragd, Diamant etc.), Vitriol (Kupfersulfat), den Tartarus selbst, also speziell zubereiteten Weinstein, Antimon (auch Verbindungen), Gold (Aurum potabile), Schwefel, Zubereitungen aus Kalk, z.B. Perle, Koralle und den Krebsstein (Lapis cancri; die Firma Weleda liefert mit Renodoron® eine steinwidrige Arznei aus Flint- und Krebsstein). Als Ergänzung verwendete er vor allem Pflanzen, die durch ihre Signaturen eine besondere Beziehung zum Mineralischen aufweisen, z.B. Nieswurz, Schöllkraut, Berberitze und Steinbrech: "Die Tugenden des Saxifragus (Pflanze, aber auch der Stein Citrin) beheben den Sand, den schwammartigen Stein, den Reif, den Hagel und alle übrigen Arten des Steines." (III/191) Ferner verwendete er die Ausscheidung anregende Pflanzen und schließlich die Ableitungsmethoden nach Hippokrates, vor allem den Aderlass.

"Findest du einen Schmerz irgendwo an einem Ort, so wisse, dass die Natur an diesem Ort eine Austrittsstelle haben will. Ist sie nicht von Natur da, dann mache sie, denn die Natur muss sie hier haben und die Natur eilt nur der Austrittsstelle zu. Nun sind keine offenen Austrittsstellen hier, weil du aber siehst, dass sie sich dahin lenkt und sich sammelt und einen Ausgang an diesem Ort begehrt, so tue es fröhlich auf und gewähre der Natur an diesem Ort einen Austritt, da sie es haben will." (II/713f)

"Wenn man die Verstopfung des Lebensgeistes beheben will, muss man den Lebensgeist warm erhalten, damit er in der Hitze stark sei. Er soll diaphoretisch (flüchtig) gemacht werden, in seinem Wesen immer brennen und in der Hitze lebe" (Lebensprozesse zeichnen sich durch Wärme aus = Sulphur, chronische Erkrankungen durch Kälteprozesse = Sal). (I/628)

"Die Behandlung (der Pest, Pestilenz) ist, das man resolvieren muss, damit jene Luft einen Austritt habe. Diaphoretica (er erwähnt hier Braunelle und Wiesenbocksbart als Schutzmittel) müssen gegeben werden und diese verzehren die Luft." (I/892)

"Durch die Diaphoretica werden alle kalten Krankheiten hitzig gemacht und erwärmt und in solcher Hitze und Wärme werden sie geheilt." (III/66) Er nutzte hierzu Ingwer, Langen Pfeffer, Schwarzen Pfeffer, Kardamom, Kampfer und verwendete vor allem auch spez. Quecksilberzubereitungen.

"Nach der Purgation (Abführen oder Erbrechen) ist eine Stärkung zu geben. Bei den Fiebern des Magens wird keiner vollkommen geheilt, wenn es nicht durch Erbrechen geschieht." (I/867)
"Alle Laxativa sind auch ein Resolvens." (III/417)
"Jedes Laxativum hat zwei Übel in sich, erstens weil es schwächt, zweitens, weil es gewöhnlich mehr entleert, als notwendig ist." (III/455)
"Jedes Laxativum muss etwas in sich haben, damit es laxiere, dann etwas, damit es stärke und besänftige. Wen es dies nicht hat, schwächt es entweder zu sehr oder es purgiert zu viel. Dann tritt Blut aus oder es erzeugt eine andere Krankheit." (III/470)

Als Purgativa erwähnte er z.B. III/398 / 409: Engelsüß, Holunder, Attich, Senna, Wegwarte, Gamander, Alpenveilchen, Haselwurz, Rharbarbar, Nieswurz, Coloquinten, Wolfsmilch, Rizinus. Als Stärkungs- und Besänftigungsmittel verwendete er z.B. allg. Aromata, Zimt, Nelken, Kalmus, Ingwer, Johanniskraut, Muskatnuss, Tausendgüldenkraut, Wacholder; ein bewährtes Präparat mit ähnlichen Eigenschaften ist Stomachik I® von Soluna).

"Wo die Frauen Schmerzen empfinden, da ist eine Verstopfung, wie im Herzen, in der Galle und in allen übrigen wichtigen Gliedern. Dann soll man die Menstruation im ganzen Körper hervorrufen" (I/1006) Als Emmenagogum verwendete er vor allem Beifuss.

"Beim Wahnsinn (Manie) hilft nichts als Aderlass (an den Schläfenvenen). Der führt die Genesung herbei" (I/80)

"Wenn eine Verstopfung in einer Vene entsteht (Thrombose), dann ist auch eine Fäulnis da und sie bewirkt auch Zittern. Zusammengefasst kommen die Fieber durch Verstopfung und das Zittern ist so wie bei den Fiebern von den Nieren. Jene Fieber werden durch einen Aderlass geheilt. Der Aderlass ist zu machen, wenn in den Venen eine Verstopfung oder Fieber ist. (...) Zeichen der Fieber in den Venen sind, dass die Adern stechen. (...) Die Ader, die gestochen hat, öffne und der Kranke wird sich besser fühlen. (...) Oft sind auch Fieber in der Wirbelsäule und Schröpfen längs der Wirbelsäule behebt sie (er erwähnt Quartana)." (I/927f)

"Oft kommt Gelbsucht des Blutes (...). Dies bessert am bequemsten ein Aderlass und Blutegel" (...). Die Gelbsucht wird durch folgende Zeichen erkannt: "Wenn das Blut ungestüm austritt, die Farbe sich der gelben nähert, das ganze Blut schwammartig und schaumig ist, wenn es Blasen auf der Oberfläche vor sich trägt und ein gelbes Wasser hat. Der Kranke wird am Orte des Ursprungs durch Stechen gequält, durch Schwere und alle übrigen Zeichen dieser Art." (I/942)

"Die destillierten Körpersäfte, die durch die Hitze der unteren Organe entstehen und aufsteigen, sind so fein und scharf, dass sie, sobald sie die Zellen des Gehirns berühren, Tollheit (agitierten Wahnsinn) hervorrufen. Wenn das allein im Blute vorkommt und an diesen Adern ein richtiger Aderlass gemacht wird, so kommt der Spiritus, der da destilliert ist, heraus. (...) Es kommt auch vor, dass wenn man in der Manie die Finger und Zehen öffnet, die Manie schwindet." (II/36f) Vergleiche hierzu die psychotropen Neupunkte in der Akupunktur im Bereich zwischen Zehen und Fingern.

"So halten manche das Aderlassen für eine Heilung vollkommener Krankheiten. Manche halten sie für eine Milderung und teilweise Hilfe der Krankheiten. Manche halten sie für eine einzuhaltende Gewohnheit, die als nützlich erkannt wurde. Manche für ein nützliches Ding, das zu bestimmten Zeiten im Jahre zu geschehen habe. Manche glauben, dadurch ein gesundes Alter erlangen zu können. Und solche Ratschläge über die Aderlässe sind viele, die aber doch gewöhnlich ohne allen gründlichen Verstand geschehen und geraten werden." (II/729)

"Die Güte der Aderlässe hängt doch vom Arzte ab und nicht vom Himmel (...) Ich will dabei erklärt haben, dass nach der Notwendigkeit des Leibes die Zeiten der Aderlässe gesucht werden sollen und das nicht die Gelegenheit äußerlicher Art beachtet werde. (...) Es ist ein gemeiner Brauch, dass die zwölf Zeichen (Sternzeichen) den Leib in zwölf Teile teilen. Das ist aber nicht ein Schutz für das betreffende Glied, und es sind auch nicht die Aspekte des Neu- oder Vollmondes zu scheuen. (...) Wenn bei einem widerwärtigen Zeichen in bösen Aspekten, bei Neu- oder Vollmond ein Aderlass gemacht wird, und etwas Schlechtes daraus entsteht, weil der Arzt fälschlich und unverständig zum Aderlass geraten hat, so hat nicht der Himmel (...) das Schlechte gemacht, sondern es ist entstanden, weil die Krankheit nicht richtig angegriffen worden ist." (II/730)

Die Kritik bezieht sich jedoch nur auf die Astrologie als dogmatische Lehrmeinung, wie folgendes Zitat belegt: "Ferner merket euch, dass der weise Mann das Gestirn überwindet. Der weise Arzt überwindet also die Vergiftung, die der Himmel dem Blute zufügt. Wenn nun der Arzt den Himmel überwinden soll, muss er ihn erkennen. Aus dieser Erkenntnis folgt die Stunde, wann es gut ist, einen Aderlass zu machen. Denn etliche Krankheiten sind in das Blut durch den Himmel eingedrungen.
Wisset nun, wenn eine solche Krankheit sich mit dem Monde auf- und ab bewegt, so gibt der Mond die Stunde des Aderlasses bei dieser Krankheit an. Jeder solche Blutkrankheit wird also behandelt, wie sie ihr Stern entzündet."
(II/742)

"Der Aderlass wird nach dem Verstand des Himmels vorgenommen, er betrifft und berührt die himmlischen Krankheiten" (II/768)

"Wenn du etwas durch einen Aderlass gemildert hast, so bewirke bei dem Blute, dass nicht wieder ein Rückfall eintrete. Wenn du die zwei Dinge nicht bei der Heilung und Milderung bewirkst, kannst du dich nicht deiner Aderlässe kunstreich rühmen, sondern du hast aufs Geratewohl gleich dreingeschlagen. Es gibt schlechte Aderlässe, bei welchen nur der Stich die Kunst ist. (...) Die Linderung, die durch den Aderlass zustande kommt, wenn das Blut weniger wird, folgt daraus, dass die Krankheit nicht mehr so gewaltig erscheinen kann. Aber das Zunehmen und Wiederwachsen ist dadurch noch nicht weggenommen." (II/735) Daher muss mit anderen Verfahren zusätzlich eine Therapie erfolgen, vor allem mit alchimistischen Arzneien.

"Nun wisset auch, wenn sie (die Unfähigen unter den Ärzten) eine Ader geschlagen haben und das Blut nicht gehen will, so wissen sie keine andere Ursache, als dass das Blut zu dick sei oder das Löchlein zu klein. Das kann aber in keiner Weise die Ursache sein, sondern das ist sie, dass das Blut nicht zu jeder Stunde austreten will. Die Ursache hierfür ist, dass es nicht windig ist, und wenn es nicht einen Wind in sich hat, ist es nicht zum Austreten bereit (Anlehnung an die antike Pneumalehre). (...)
Auch wenn sie die Adern geschlagen haben, haben sie nicht eine Kunst für das Aufhören, sondern ein Augenmaß, das so sicher ist, als schössen sie dem Vogel auf dem Baum eine Klaue ab (II/735) (...) Zuviel zur Ader zu lassen, ist nicht gut, das weiß ein jeder gut. (...) Bei allen Dingen ist zu viel nicht gut. Dadurch wird die richtige Übereinstimmung, in der der Körper leben und stehen soll, zerbrochen."
(II/747)

"Ihr könnt zwar bei den erwähnten Krankheiten mit der Ordnung, die ihr in euren Aderlasstafeln festgesetzt habet, Linderung und Verzögerung bewirken, doch ist damit, wie ich immer angezeigt habe, die richtige Heilung nicht inbegriffen, sondern ein Verderben der Krankheit und eine Anreizung ihrer Bosheit, so dass die Kranken desto schneller sterben, oder die Krankheiten desto heftiger kommen." (II/743) Daher muss gleichzeitig unbedingt mit der richtigen Arznei therapiert werden, um Rückfällen vorzubeugen.

"Ein besonderer Irrtum ist, wenn ihr vier Zeiten im Jahre zum Aderlass angebet. (...) Dadurch offenbaret ihr selbst, dass ihr liebkostet, die so gern faul sind, und dass ihr euch dem Willen der Leute unterwerfet, die solche Leute lieben. Ihr beachtet dabei nur, dass ihr jährlich zu raten habet, im Jahre viermal, damit ihr auch von diesen Aderlässen Nutzten ziehet. (...) Wenn das die Kunst gibt, wäre zu keiner anderen Zeit der Aderlass besser, als wenn die Kapaunen am feistesten sind, und wenn ihr gern ein gutes Mütlein hättet." (II/751)

"So verändert ihr den Ort mancher Krankheit und glaubet, dass ihr einen Ort gesund gemacht habt, ihr habet aber an einem anderen Ort ein neues Feuer angefacht. Die Adern, an denen man sich zu Tode lacht (Adern im Bereich erogener Zonen; Stellen, an denen man kitzelig ist), sind nicht bei allen gewiss, sondern bei vielen wird dies verhindert. Wenn ihr die Seele also lachend zum Himmel schicken wollet, müsset ihr sie besser erkennen, als es in eurem Schreiben gemerkt sind." (II/753); seine Kritik bezieht sich hier auf Schriften, die den Aderlass als Universalmethode anpreisen.

"Je gesünder das Blut ist, desto heftiger folgt hernach eine Ungesundheit (nach dem Aderlass). Seid vorsichtiger mit euren Aderlässen, denn sie sind ein besonderes Vorhaben, wodurch du das Blut anreizest." (II/754); er lehnt den Aderlass aus prophylaktischen Motiven ab.

"Die Natur hat eine Reinigung des Blutes durch Geschwüre." (II/770)

"Ist denn das nicht ein großes Übel, dass die Arcana vergessen werden, dass solche Hundeschinderratschläge und Henkerarzneien vorgezogen werden? Das Schröpfen soll abgetan werden und an seiner Stelle das Arcanum gesetzt." (II/773) Er kritisierte hier die Ausleitungsverfahren als alleinige Therapie und als Dogma.

"Wisse also vom Schröpfen, dass es nicht nur eine Schande des gemeinen Mannes, sondern auch der Kunst ist. (...) Immer wenn du Schröpfen rätst, wisse, dass du falsch rätest und vom Grunde der Arznei weg weisest." (II/775) Er verwendete zwar selbst das Schröpfen als Therapie, wollte aber unbedingt, dass die Behandlung mit alchemistischen Arzneien im Vordergrund steht.

"Es gibt zweierlei Arzneien(...), eine chirurgische und eine physische.(...) Unsere praktische chirurgische Ausführung ist so: zuerst mache eine öffnung an der Stelle, wo die Manie entsteht. Wenn du aber im Zweifel bist, wo sie entspringt, dann öffne alle Enden an den Zehen und an den Fingern und auch am Kopf in der Mitte gleichweit nach allen Seiten. Die öffnung ist zweierlei; entweder wird nur die Haut abgehoben und weggeben, so dass nacktes Fleisch sichtbar wird, oder es werden tiefere Löcher erzeugt, so dass ein Schorf herausfällt und danach ein Loch zurückbleibt. (...) Jedes Loch hat die Eigenschaft wie ein Emunctorium alles heraus zu befördern." (II/61f) Er verwendete hierfür ein Rezept aus Canthariden, gemischt mit Wurzeln und Blüten vom Hahnenfuß.
"Mische dies alles klein gestoßen zusammen zu einer Salbe, lege es dann auf ein Tuch und gib dieses dann über die Finger, soweit sie reichen. Wenn das Tuch trocken wird, benetze es wieder von außen mit Essig, damit es feucht bleibt. Lasse es fünf bis sechs Stunden liegen, dann nimm es ab und schneide die entstandenen Blasen auf, zieh die Haut ab und du hast bloßes Fleisch an dieser Stelle." (II/62)

"Bei der hinfallenden Krankheit (Epilepsie) hilft aber weder eine Skarifikation, noch ein Aderlass. Wenn die Krankheit einen Ausgang haben kann, lässt der Anfall nach. Sie sucht aber ihren Ausgang im Kopfe. Durch Schneiden muss in folgender Weise geholfen werden: Es soll bald nach dem Anfall Schlaf hervorgerufen werden, damit der Schädel leichter mit dem Instrument Cenigato durchbohrt werde. (...) In das Loch soll eine silberne Röhre gegeben werden, und dann soll die Wunde ringsum durch Opodeldoch (Wundsalbe) mit dem Fleisch vereinigt und befestigt werden. Weil die epileptischen Dämpfe durch die Röhre ausströmen können, wird der Kranke gar nicht oder nur wenig von der Krankheit belästigt." (I/976) Silber und Gehirn unterstehen beide dem Mond. Die Salbe Opodeldoch besteht unter anderem aus Opoponax, Myrrhe, Weihrauch und Lärchenharz.

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Literatur und Internet

  • Abele / Stiefvater: Aschnerfibel; Haug Verlag; 1964
  • Aschner, Bernhard: Lehrbuch der Konstitutionstherapie (mit Anhang Medikamente und Rezepte); Hippokrates Verlag, 1933
  • Aschner, Bernhard: Technik der Konstitutionstherapie; Haug Verlag, 1961
  • Aschner, Bernhard: Befreiung der Medizin vom Dogma; Haug Verlag; 1962
  • Aschner, Bernhard: Paracelsus Sämtliche Werke in 4 Bänden (1930); Anger Verlag, 1993
  • Honegger, Heinrich: Die antidyskratische Behandlung als Basistherapie chronischer Krankheiten; Haug Verlag; 1959
  • Rippe Olaf u.a.: Paracelsusmedizin; AT-Verlag; 2001
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Sämtliche vorgeschlagenen Therapiehinweise und Rezepte haben ausschließlich einen modellhaften Charakter. Die Artikel sind im Inhalt nicht zeitlich angeglichen, sondern im Original des Erscheinungsdatums dargestellt. Das der Arzneimarkt starken Umwälzungen ausgesetzt ist, kann es sein, dass genannte Präparate nicht mehr im Handel sind oder eine andere Bezeichnung erhalten haben - bitte fragen Sie diesbezüglich bei Ihrem Apotheker nach. Sollten Sie weder Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker sein, bedenken Sie bitte bei einer Selbstmedikation, dass hierfür ausreichende Kenntnisse der Heilkunst erforderlich sind.
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