Kombinationspräparate in der Tradition des Paracelsus

am Beispiel spagirischer Arzneien der Firma Soluna

von Olaf Rippe

mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis


"Wer Natur in ihrem Innern
Zu ergründen sich vermisst,
Muss sich erst daran erinnern,
Was des Menschen Ursprung ist."

Alexander von Bernus

Die Kunst der Mischung

Theriakherstellung
Bild 1 :Theriakhändler - noch zu Zeiten des Paracelsus musste die Herstellung des Wundermittels öffentlich erfolgen, um dem häufigen Betrug vorzubeugen.
Altkolorierter Holzschnitt aus dem Destillierbuch des Hieronymus Brunschwyck, 1531.
Die Verwendung von Arzneisubstanzen in Mischungen ist eine jahrtausendealte Tradition. Nur sehr selten findet man in der Medizingeschichte Beispiele, bei denen die Verwendung von Einzelstoffen propagiert wurde. Diese Idee hat sich jedoch heute allgemein durchgesetzt und findet ihre Anhänger einerseits unter den Vertretern einer rein pharmakologisch orientierten Medizin und andererseits bei den Adepten der "klassischen Homöopathie". Letztere bilden unter den Verwendern homöopathischer Arzneien eine Minderheit von ca. 5%, die Mehrheit verwendet wie in der Tradition üblich, weiterhin Kombinationspräparate.
Die ältesten uns bekannten Rezeptbücher sind einige tausend Jahre alt, z.B. der Papyrus Ebers. Nicht wenige der dort erwähnten Rezepte könnte man ohne weiteres noch heute mit Erfolg verwenden. Wesentlich bedeutender zum Verständnis moderner Kombinationspräparate sind jedoch die Schriften der hippokratischen Schule sowie der antiken Autoren Theophrast, Dioskurides und Galen, sowie die darauf aufbauenden Lehren der persischen Heilkunde, z.B. von Avicenna oder Geber. Sie setzten Maßstäbe für die Rezeptierkunst bis in die Neuzeit.
Grundlage der Rezepte waren die Vorstellungen der antiken Humoralmedizin. Die verwendeten Substanzen waren zur Hauptsache Pflanzen, meistens Wurzeldrogen und wenige tierische oder mineralische Bestandteile. Typisch waren Mischungen aus 3 bis 10 und manchmal auch wesentlich mehr Ingredienzien - Monopräparate waren unbekannt.
Betrachtet man die Lieferlisten diverser phytotherapeutischer oder homöopathischer Firmen von heute, so kann man feststellen, dass viele Kombinationspräparate noch immer auf den alten Vorstellungen der Humoralmedizin beruhen. Sie sollen einerseits die Ausscheidung verstärken, andererseits aber auch auf organotroper Ebene regenerieren und auf funktiotroper Ebene die Logistik von Stoffwechselprozessen verbessern. Krankheiten lassen sich aus Sicht der Humoralmedizin zu Konstitutionen und Diathesen mit typischen Dispositionen zusammenfassen. Konsequent angewendet, kann eine humoral ausgerichtet Therapie eine Umstimmung der Konstitution erzeugen (siehe hierzu die Schriften von Bernhard Aschner und Heinrich Honegger).
Auch wenn sie den humoralpathologischen Ansatz nicht kennt, versucht die Einzelmittel-Homöopathie etwas ähnliches, wenn sie zeitversetzt mit unterschiedlichen Potenzstufen oder mit dem Wechsel der Arznei arbeitet, um dadurch das Krankheitsgeschehen von innen nach außen zu lenken. Es ist jedoch die Frage, ob man von einem Einzelstoff erwarten kann, dass er alle notwendigen Körperfunktionen gleichermaßen anspricht und alle wesentlichen Wirkprofile entfaltet.
In der modernen Phytotherapie ist die Therapie mit Monosubstanzen ebenfalls üblich geworden. Dies liegt vor allem an den heutigen wissenschaftlichen Standards, die randomisierte Doppelblindstudien und eine exakte Struktur-Wirkungsanalyse verlangen, was bei Mischrezepten eine praktisch unlösbare Aufgabe darstellt (3-Körperproblem). Schon eine Einzelpflanze hat oft dutzende von Wirkstoffkomplexen, die pharmakologisch oft sogar entgegengesetzt wirken. Mischt man nun auch noch diverse Substanzen, ist das Chaos im Reagenzglas perfekt.
Nun einfach alle bekannten Mittel, die für einen Fall in Frage kommen, zu mischen, wäre das andere Extrem. Tatsächlich gibt es hierfür durchaus historische Vorbilder wie die berühmten Wundertränke Theriak oder Mithridat, die in alten Schriften wegen ihrer giftwidrigen Wirkung gerühmt und seit dem 13. Jahrhundert in jeder Apotheke geführt wurden. Nicht selten enthielten solche Rezepte einige Hundert Zutaten. Auch wenn man viele dieser Stoffe in Gruppen mit einer analogen Wirksamkeit zusammenfassen könnte, es also "theoretisch" nur einige aufeinander abgestimmte Wirkprofile sind, handelt es sich bei diesen ellenlangen Rezepten um einen "Wildwuchs", der schon in alter Zeit von vielen Therapeuten kritisch betrachtet wurde, u.a. von Paracelsus. Dieser Meister der Heilkunst hatte völlig andere Vorstellungen, nach denen er seine Rezepte zusammenstellte.

Seitenanfang

Geist wird durch Geist geheilt

Sehr zum Unmut der Apothekerzunft verordnete Paracelsus entgegen der damals üblichen Verschreibungsweise Rezepte mit wenigen Bestandteilen. Häufig waren es Kombinationen aus stoffbetonten Substanzen, vor allem aus der Pflanzenwelt, aber auch aus tierischen Substanzen, die auf bekannte Weise gewonnen wurden, z.B. durch die alkoholische Extraktion oder durch Auszüge in Öl. Würde man diese Substanzen heute im Labor untersuchen, könnte man die uns bekannten Wirkstoffkomplexe finden. Auch sind die Extrakte intensiv im Geschmack und unterschiedlich gefärbt (Tinktur von tingere = färben). Neu war bei Paracelsus die Kombination vor allem mit mineralischen Substanzen, die, um überhaupt als Heilmittel in Frage zu kommen, zuerst im Labor behandelt werden mussten. Sein Arzneischatz umfasste so ziemlich jedes damals bekannte Gift, darunter Antimon, Arsen, Quecksilber, sowie zahlreiche Giftpflanzen. Durch spagirische Kunstgriffe, bei denen das "Wesensgefüge" eines Stoff aufgelöst, gereinigt und erhöht und in einer neuen Art zusammengefasst wird, entstanden Substanzen, die so in der Natur völlig unbekannt waren. Ein Beispiel aus der Zeit bereits vor Paracelsus ist der Brechweinstein, eine Verbindung aus Antimon (Mineral) und Weinstein (Pflanze) - als Antimonium tartaricum oder Tartarus stibiatus ist das Mittel bis heute im Gebrauch.
alchimistische Kunstgriffe
Darstellung der Vergeistigung eines Stoffs durch alchimistische Kunstgriffe in Form von Dezimalschritten, wie sie auch Hahnemann bei seiner Art der Potenzierung bevorzugte.
Mutus liber, 1677.
Die Herstellung von neuartigen Laborprodukten aus Natursubstanzen bezeichnet man als Iatrochemie und bekanntlich war Paracelsus der bedeutendste Iatrochemiker seiner Zeit. Er selbst sah sich jedoch als Spagiriker, der im Labor Arkana herstellte. Diese besonderen Arzneien durften keinerlei Gift mehr enthalten, sondern nur noch, wie er es selber ausdrückte, ein geistiges Bild, das heilt. Heute würden wir sagen, dass sie frei von jedem Wirkstoff sind, denn Stoff bedeutet immer potentiell auch Gift; er schrieb über das Arkanum: "Es sind alle Arcana so beschaffen, dass sie ohne Materie und Corpus ihr Werk vollbringen. Und zwar aus dem Grunde, weil die Krankheiten nicht Corpora sind. Drum soll Geist gegen Geist gebraucht werden (...)" (I/451) und an anderer Stelle heißt es weiter: "Arcanum ist jede Tugend des Dinges tausendfach verbessert. (...) Sie erhalten den Körper in Gesundheit, sie vertreiben die Krankheiten, sie befreien das traurige Gemüt, sie bewahren vor jeder Ungesundheit und Krankheit" (III/38).
Auch wenn er die spezielle Herstellungsweise der Homöopathie noch nicht kennen konnte, führten seine Laborkünste doch zu verwandten Präparaten, die man als vergeistigt, potenziert, oder als spiritualisiert bezeichnen kann. Aber nicht nur hier findet man Parallelen zu Hahnemann. Von Paracelsus stammt der Leitgedanke, dass noch niemals eine Krankheit durch ihr Gegenteil geheilt wurde, wohl aber durch Arzneien, die in ihrer Wirkung dem Wesen der Krankheit gleichen. Studiert man die Medizingeschichte, entdeckt man, dass der homöopathische Heilweg uralt ist und selbst die Potenzierung keineswegs erst Hahnemann bekannt war. Im Mutus liber, einer alchimistischen Bilderschrift aus dem 17. Jahrhundert, findet sich z.B. ein Bild von Sonne und Mond mit den Zahlen 100, 1.000 und 10.000 als Hinweis auf den pharmazeutischen Prozess der Vergeistigung in Dezimalschritten wie sie auch Hahnemann bevorzugte (siehe Abbildung).
Es ist davon auszugehen, dass diese und andere Schriften zur Spagirik wesentlich das Werk Hahnemanns beeinflusst haben, auch wenn er sich selber nie als Schüler des Paracelsus oder als Alchimist bezeichnet hat.
Einer der die Werke des Paracelsus und seiner Schüler ebenfalls sehr genau studierte und auch Heilmittel im Sinne des Meisters herstellte, war der Dichter und Alchemist Alexander von Bernus (1880 - 1965). Er gründete 1921 die spagirische Heilmittelfirma Soluna. Bis heute stellt das Unternehmen die Arzneien auf traditionelle Weise her. Und auch die Rezepte sind ganz im Geist des Paracelsus zusammengesetzt.

Seitenanfang

Im Rhythmus von Sonne und Mond

Goldene Kette
Die "Goldene Kette" von Kosmos, Organ, Erzengel und Metall.
Aus "Microcosmos hypochondriacus sive de melancolia hypochondriaca" von Malachias Geiger, 1651.
Das Verfahren der Firma Soluna zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Sämtliche Bestandteile eines Präparats werden gemeinsam angesetzt (nicht mehr als 6 Liter pro Ansatz). Obwohl man diese Methode häufig in der Literatur findet, gibt es kaum eine Firma, die diesen wesentlichen Schritt macht. Ein gemeinsamer Ansatz bedeutet schlichtweg, dass die Bestandteile von Anfang an als synergistische Komposition gedacht sind - das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Bestandteile. Eine ähnliche Vorgehensweise findet man heute z.B. noch in der Hildegard-Medizin oder bei der traditionellen Herstellung eines Melissengeistes und anderer Lebenselixiere.
Der Ansatz besteht aus getrockneten Kräutern, vorwiegend aus eigenem Anbau, bei dem kosmologische Faktoren berücksichtigt werden und aus Mineralien, die man zuvor einem gesonderten alchimistischen Prozess unterworfen hat. Da die Kräuter zu unterschiedlichen Zeiten wachsen und die Produktion das ganze Jahr läuft, muss man auf Frischpflanzen leider verzichten. Der Trocknungsprozess ist allerdings so schonend, dass das "Geistartige" der Substanz nicht verloren geht. Der Ansatz erfolgt in einem Alkohol-Wassergemisch und in einem Destillat, das man aus den vorherigen Ansätzen gewonnen hat.
Das Digerieren erfolgt bei 37°C, also in Analogie zur Bluttemperatur - so wird die Arznei in Beziehung zum Menschen gebracht. Die Ansätze stehen in einem achteckigen Raum (Oktogon), der alten Taufhäusern nachempfunden ist. Dort soll die Tinktur nicht nur reifen, sondern es reichern sich hierdurch auch spirituelle Kräfte verstärkt an. Zum Sonnenaufgang rührt man den Ansatz 32 Mal im Uhrzeigersinn, zum Sonnenuntergang dagegen 28 Mal gegen den Uhrzeigersinn. Man will auf diese Weise die solaren und lunaren Kräfte anregen. Nach sieben Tagen erfolgt die Filtration - jeder Tag untersteht einem der sieben "alten" Planeten.
Das Filtrat ist das fertige Handelsprodukt; es ist stark gefärbt und auch intensiv im Geschmack, es gleicht somit zunächst einer Tinktur. Das fertige Präparat enthält alle wesentlichen Wirkstoffkomplexe in einer synergistischen Mischung. Sofern es sich bei Bestandteilen um toxische Stoffe handelt, werden diese entweder vor dem Ansetzen alchimistisch aufbereitet (z.B. Antimon) oder in einer Menge zugegeben, die im Mischungsverhältnis einer rezeptfreien Potenz entspricht (z.B. Helleborus niger).
Der Rückstand nach der Filtration wird mit Quellwasser versetzt und unter Luftkühlung schonend destilliert. Man hat also weder eine Gärung, noch eine Veraschung vorgenommen - in den Schriften des Paracelsus findet man hauptsächlich Hinweise, die eine solche Vorgehensweise bestätigen. Durch die Destillation wird das Flüchtige vom Festen gelöst und es kommt zur Energetisierung der Substanz aus der Schwere in die Leichte. Das Destillat dient wiederum als Grundlage für den nächsten Herstellungszyklus. Immer fließt also etwas vom alten Präparat in das neue ein, mit anderen Worten werden die Arzneien mit jedem Durchgang etwas mehr zum Arkanum.
Auf Grund der besonderen Herstellung wirken Solunate umfassend auf den ganzen Menschen. Der wirkstoffbetonte Anteil wirkt organspezifisch ausleitend und regenerierend, aber auch tonisierend oder sedierend, je nach Ausrichtung des Rezepts. Hierdurch werden besonders die "sichtbaren" Bereiche des Krankheitsgeschehens angesprochen. Durch das Destillat als vergeistigten Anteil und durch die spagirisch aufbereiteten mineralischen Bestandteile, wirken Solunate nicht nur konstitutiotrop, sondern auch auf das Seelisch-Geistige und "Unsichtbare" im Menschen.

Seitenanfang

Das synergistische Rezept

Um den Aufbau der Solunate zu verstehen, muss man sich noch einmal das Weltbild des Paracelsus vor Augen führen. Nach der hermetischen Lehre: "Wie oben so unten, wie unten so oben" sind Makro- und Mikrokosmos Spiegelbilder. Wichtig sind vor allem die Korrespondenzen von Planet - Organ - Metall (Pflanze), die man auch als "Goldene Kette" bezeichnet (siehe Bild und Tabelle).
Die Analogiekette muss man so verstehen, dass die sieben Planetenorgane Funktionskreise oder Sphären darstellen und keineswegs auf ihre uns bekannten Funktionen beschränkt sind - hier zeigen sich Parallelen zur chinesischen Medizin. Diese Sphären umfassen, neben dem Organ selbst, auch übergreifende Feed-Backsysteme, sowie seelische und geistige Funktionen und sogar "okkulte" Bezüge zur geistigen Welt höherer Mächte.
Oktogon
Im Oktogon ruhen die Ansätze 7 Tage und werden zum Sonnenaufgang und -untergang rhythmisch bewegt.
Foto: Olaf Rippe
Alexander von Bernus bezeichnete diese paracelsische Weltsicht, die auch die Grundlage seiner Arbeit war, als "Astrosophie", in Anspielung auf die damals einflussreiche Theosophie und die gerade neu gegründete Anthroposophie. Krankheit ist nach dieser Vorstellung nicht nur eine Disharmonie innerer Prozesse, sondern vor allem auch eine Disharmonie des Menschen als Mikrokosmos in der Beziehung zum Göttlichen.
Durch die Arbeit im Labor offenbaren sich dem Alchimisten die Wunder der Schöpfung. Indem er aus den Natursubstanzen das "Spirituelle" freisetzt oder aus der Verbindung zweier scheinbar gegensätzlicher Substanzen durch Kunstgriffe eine Neuschöpfung bewirkt, vollendet er das Werk des großen Baumeisters dieser Welt. Da die Wandlung im Außen ein Spiegelbild innerer geistiger Prozesse darstellt, vollzieht sich dieser Transmutationsprozess auch im Alchimisten selbst. Ziel des hermetischen Arbeitens sind Wissen und Liebe (Hermaphrodit). Konsequenterweise wird ein wahrer Alchimist seine Erfahrungen nicht für sich behalten wollen, sondern zum Wohle der Menschen einsetzen. Was liegt daher näher, als Arzneien herzustellen. In diesem Sinne ist die ganze Pharmazie alchimistisch geprägt, wesentlich ist jedoch, in wie weit dabei das Wissen der Eingeweihten beachtet wird - so ist Aspirin sicher nützlich, doch entbehrt es jeder Spiritualität.
Die Metalle in den Solunaten verkörpern die "astrosophische" Grundidee der Solunate, da diese das kosmische Licht, wenn auch zutiefst verborgen, besonders intensiv in sich tragen. Sollte kein Metall enthalten sein, was nur selten der Fall ist, übernimmt eine Pflanze eine ähnliche Funktion.
Nach den hermetischen Gesetzen wirken Metalle betont kontitutiotrop und auf das Geistige im Menschen. Ihre Umwandlung, bzw. Erhöhung zum Arzneimittel erfordert immer besondere Kunstgriffe. Schließlich legt man nicht einfach einen Klumpen in Alkohol und auch eine Milchzuckerverreibung genügt nicht. Immer wird der Feststoff in einen anderen Aggregatszustand gewandelt, also z.B. vom festen in eine flüssige Form gebracht. Bei Gold geschieht dies beispielsweise mit Hilfe von Königswasser, einer Mischung aus Salpeter- und Salzsäure, wobei flüssiges Goldchlorid entsteht, das man nun z.B. zusammen mit Kräutern weiter verarbeiten kann. Oder es werden kolloidale Lösungen hergestellt. Andere Metalle erfordern dagegen Hitze und Schmelzprozesse.
Die pflanzlichen Zutaten intensivieren und steuern die Metallwirkung. Ferner sollen sie im Sinne der Humoralmedizin die Organe entlasten und regenerieren, oder aber sie wirken je nach Bestandteil roborierend oder ausgleichend, bzw. sedierend. Manche Rezepte bestehen nur aus Mineralien, wobei hier die jeweiligen Modifikationen der Metalle den unterschiedlichen Funktionen entsprechen.
Ihrem Anspruch nach sollen spagirische Arzneien nicht nur die körperliche Seite eines Leidens lindern. Sie wollen vielmehr im Sinne der Astrosophie eine Balance der inneren kosmischen Kräfte der Organe mit dem Makrokosmos bewirken und dabei gleichzeitig eine Harmonie von Körper, Seele und Geist erzeugen.
Die Beschäftigung mit der Alchimie, verbunden mit der Einnahme von spagirischen Arzneien, bewirkt letztendlich eine Vergeistigung des Menschen selbst. Die Vergeistigung ist die Basis für das Bewusstsein eines freien Selbst. Es ist die geistige Loslösung von der Gebundenheit an ein Krankheitsgeschehen, um frei zu sein für die Suche nach dem Wunderbaren. Die Krise des modernen Menschen zeigt die Notwendigkeit dieser Weltsicht, denn "Das Wesentliche und Entscheidende für den vor einem geistig-seelischen Nihilismus stehenden heutigen abendländischen Menschen (...) ist die Ablösung des Denkens von allen (...) rein verstandesmäßigen Gebundenheiten (...), (um) das Innere Licht von neuem wieder in sich aufleuchten zu lassen, in dessen Schein der künftige Erkenntnisweg gegangen werden muss, wenn anders eine Geist-entfremdete, Gott-ferne Menschheit dem Dämon der Technik und Materie nicht vollends ganz verfallen soll" (Alexander von Bernus, S. 175, Alchymie und Heilkunst).

Destillation bei der Firma Soluna Antimondestillation im Sandbad
Bild 4: Destillation in der Firma Soluna.
Foto: Olaf Rippe
Bild 5: Destillation von Antimon im Sandbad.
Foto: Olaf Rippe
Seitenanfang

Epilog

Herstellungsprozess der Solunate
Zyklischer Herstellungsprozess der Firma Soluna
Im Jahre 1993 wurde der 500. Geburtstag des Paracelsus gefeiert und die Zeit war reif für eine neue Art von Ausbildung, bei der das Wissen dieses alten Meisters im Vordergrund stehen sollte. Mein Kollege Dr. Max Amann und ich nannten sie "Ausbildung in traditioneller abendländischer Medizin" (kurz T.A.M.); die Basis dieser Ausbildung in Naturheilkunde bilden Philosophie, Alchimie und Astrologie. Seitdem haben wir diese mehrjährige Ausbildung mehrmals im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft "Natura Naturans" in München durchgeführt - zurzeit läuft wieder ein Zyklus und auch in Zukunft ist eine Wiederholung geplant.
Da die Theorie ohne Praxis hohl und leer bleiben würde, wollten wir schon damals spagirisch arbeitende Firmen besuchen und so kamen wir auch in das Labor der Firma Soluna in Tapfheim-Donaumünster bei Donauwörth.
Hier wehte der Wind der Tradition, hier war Alchimie keine historische Kuriosität, sondern etwas Lebendiges. Es roch köstlich und überall standen blubbernde Destillen, hingen alte Bilder - es sah eben so aus, wie man sich ein alchimistisches Labor vorstellt, nur der Holzofen fehlte. Seitdem besuchen wir die Firma jährlich mit unseren Ausbildungsgruppen und veranstalten auch regelmäßig Seminare im Garten der Firma in Norditalien.
Seit diesem ersten Besuch habe ich selber häufig Solunate gekostet und ich verordne sie täglich in der Praxis. Sie dienen mir vor allem zur Stabilisierung übergreifender Organfunktionen, deren Schwächen sich nicht nur aus dem Symptomenbild ergeben, sondern auch aus der Horoskopbetrachtung heraus zeigen. Meistens kombiniere ich zwei bis maximal drei Solunate und ergänze diese gegebenenfalls mit anderen Firmenmitteln, immer aber mit höheren Potenzen typischer Homöopathika, die mir als konstitutionelles Leitmittel dienen. Das heißt natürlich nicht, dass bei gleicher Indikation nicht immer wieder auch ganz andere Firmenmittel in Frage kommen würden. Sehr häufig hat man tatsächlich die Qual der Wahl. Außerdem ist kein Firmenkonzept komplett, so dass es sträflich wäre, nicht auch andere Firmen zu beachten.
Für den Anfänger ist der Umgang mit Kombinationspräparaten daher nicht leicht. Es ist verständlich, dass man sich gerne von Firmenbroschüren verführen lässt, bei einer Bronchitis eben dieses und bei einer Gastritis eben jenes Mittel zu nehmen und schnell greift man aus Gewohnheit immer wieder zu derselben Idee. So wird man in dem einen Fall Erfolg und in dem anderen Fall bestenfalls keine Wirkung haben. Kombinationspräparate für gleiche oder ähnliche Indikationen sind schließlich selten gleichartig zusammengesetzt und selbst wenn, zeigt sich immer wieder, dass die gleiche Rezeptur je nach Firma etwas anders wirkt. Die wirkliche Kunst besteht darin, nicht nur die Indikation zu kennen, sondern ebenso die Einzelstoffe, um den Synergismus der Mischung zu verstehen und daraus die Wirkung abzuleiten - dies wird noch einmal komplexer, wenn es sich um völlig neue und oft einzigartige Substanzen handelt, die auf spagirischem Wege hergestellt wurden. Daher ist es nicht falsch, wenn ich behaupte, dass die Heilkunst mit Komplexpräparaten besonders viel Erfahrung erfordert. Dies soll den Anfänger aber nicht entmutigen, sondern es soll ein Ansporn sein. Die Mühe lohnt sich auf jeden Fall, besonders für den Patienten.

Solunate im Überblick

Kosmisches Prinzip Organ (Funktionskreise) Metall Solunat Ergänzung
Mond Gehirn Silber Solunat Nr. 4 (Cerebretik) Solunat Nr. 14 (Polypathik N)
Merkur Lunge (Feedback-Systeme) Quecksilber (nicht in Solunaten enthalten) Solunat Nr. 9 (Lymphatik N)
Solunat Nr. 15 (Pulmonik N)
Solunat Nr. 22 (Strumatik 1)
Solunat Nr. 3 (Azinat N),
Mercurius vivus naturalis
Venus Niere (Uterus) Kupfer Solunat Nr. 16 (Renalin) Solunat Nr. 10 (Matrigen 1, aktivierend)
Solunat Nr 11 (Matrigen 2, retardierend
Sonne Herz-Kreislauf (seelisches Gleichgewicht, Sehkraft, Lebensgeist) Gold Solunat Nr. 2 (Aquavit),
Solunat Nr. 5 (Cordiak),
Solunat Nr. 12 (Ophthalmik),
Solunat Nr. 17 (Sanguisol),
 
Mars Galle, Abwehr, Blutbildung Eisen Solunat Nr. 7 (Epidemik),
Solunat Nr. 21 (Styptik N)
Solunat Nr. 3 (Azinat),
Ferrum phosphoricum
Jupiter Leber (Gelenke) Zinn (nicht in Solunaten enthalten) Solunat Nr. 8 (Hepatik) Solunat Nr. 19 (Stomachik)
Stannum metallicum
Saturn / Erde Milz (Knochen), Blut Antimon,
Blei (nicht mehr in Solunaten enthalten)
Solunat Nr. 6 (Dyscrasin A),
Solunat Nr. 18 (Splenetik),
Solunat Nr. 20 (Stomachik 2N),
Solunat Nr. 13 (Osteitik, seit einigen Jahren außer Handels)
Solunat Nr. 1 (Alcangrol),
Plumbum metallicum

Seitenanfang

Literatur

Bernus, Alexander von: "Alchymie und Heilkunst". Nachdruck 1. Aufl. 1936, Verlag am Goetheanum, 1994.

Casagrande, Christina: "Praxis Spagyrik nach Alexander von Bernus". Sonntag Verlag 2009.

Paracelsus: "Sämtliche Werke" (Hrsg. Aschner, Bernhard), 1926 - 1932. Anger: Anger - Verlag Eick, Nachdruck 1993.

Proeller, Christoph: "Eine geistige Reise durch den Kosmos". Verlag in sole, 2007.

Proeller, Hannes: "Das Therapiehandbuch der Solunate". Verlag in sole, 2008.

Rippe, Olaf, Christian Rätsch, Patricia Ochsner, Margret Madejsky, Max Amann: "Paracelsusmedizin"; AT-Verlag, 2001.

Rippe, Olaf / Madejsky, Margret: "Die Kräuterkunde des Paracelsus"; AT-Verlag, 2006.

Wichtiger Hinweis für den Leser:
Trotz sorgfältiger Überprüfung sind die in den Artikeln aufgeführten Hinweise, Rezepte, Dosierungsangaben und Applikationsformen ohne Gewähr; Die Autoren übernehmen daher keine Garantie, bzw. Haftung. Jeder Benutzer ist angehalten, durch Prüfung der Beipackzettel verwendeter Handelspräparate und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker festzustellen, ob die Empfehlungen für Dosierungen oder die angeführten Kontraindikationen gegenüber den Angaben in den Artikeln abweichen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr und muss in jedem Fall individuell abgewägt werden. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) sind nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
Sämtliche vorgeschlagenen Therapiehinweise und Rezepte haben ausschließlich einen modellhaften Charakter. Die Artikel sind im Inhalt nicht zeitlich angeglichen, sondern im Original des Erscheinungsdatums dargestellt. Das der Arzneimarkt starken Umwälzungen ausgesetzt ist, kann es sein, dass genannte Präparate nicht mehr im Handel sind oder eine andere Bezeichnung erhalten haben - bitte fragen Sie diesbezüglich bei Ihrem Apotheker nach. Sollten Sie weder Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker sein, bedenken Sie bitte bei einer Selbstmedikation, dass hierfür ausreichende Kenntnisse der Heilkunst erforderlich sind.
Seitenanfang
  ZurückZurück