Die Laus auf der Lebervon Olaf Rippemit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis Das Temperament (Duden: "die gehörige Mischung") ist eine der wesentlichen Eigenschaften des Menschen. Es zeigt im wahrsten Sinne des Wortes die "Temperatur" eines Menschen an und kann als eine Art Barometer seiner Seele gesehen werden. Die traditionelle abendländische Vier-Elementen-Lehre
mit ihrer Einteilung der Natur in die Kräfte von Feuer (warm-trocken),
Luft (warm-feucht), Wasser (kalt-feucht) und Erde (kalt-trocken) bildet
die Grundlage der Temperamentenlehre. Das Organsystem Leber-Galle spielt bei der Entstehung der
verschiedenen Gemütsnaturen eine wichtige Rolle; dieses Organsystem
ist der Hauptregulator unseres emotionellen Befindens. Störungen
dieses Systems bringen uns seelisch aus dem Gleichgewicht. Nachfolgend soll dargestellt werden, wie es zur unterschiedlichen Entwicklung der Temperamente kommt, welche wechselseitigen Abhängigkeiten sie untereinander haben und welche Behandlungsmöglichkeiten die Traditionelle Abendländische Medizin bietet, um ein Gleichgewicht der Elementenkräfte wieder herzustellen.
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Die Polarität von Leber und GalleDas Organsystem
Leber - Galle hat neben Stoffwechselfunktionen (Aufbau lebenswichtiger
Stoffe, Abbau von Schadstoffen) und der Regulierung des Flüssigkeitsorganismus,
als weitere wichtige Aufgabe die Steuerung unseres Energiehaushaltes;
es regelt das Wechselspiel zwischen Entspannung (Funktion der Leber) und
Anspannung (Funktion der Galle). Diese Gegensätzlichkeit zeigt sich auch in der unterschiedlichen Zuordnung von Leber und Galle nach der abendländischen Vier-Elementen-Lehre. Die "kühle"
Leber wird dem Element Wasser (kalt-feucht) zugeordnet, die "warme"
Galle, in der Leber gebildet, dagegen dem Element Feuer (warm-trocken).
Somit findet in der Leber ein physiologischer und energetischer Umwandlungsprozeß
statt, von dem schon Paracelsus wußte, als er schrieb: "Die
Leber ist der Alchimist im Bauche". Bei einem Überwiegen
der Elementeneigenschaften von Wasser entwickelt sich eine zu große
Feuchtigkeit und Kälte im Organismus. Körperliche sowie geistige
Erschlaffung ist die Folge; der Mensch wird hypoton. Anders zeigt sich
die Situation bei einem Überwiegen der Eigenschaften des Feuerelements. Bleibt nur noch
das Element Luft mit seinem warm-feuchten Aggregatszustand übrig.
Es hat am wenigsten mit unserem Thema zu tun, dennoch soll es kurz charakterisiert
werden. Zusammenfassend
läßt sich sagen, daß das Ziel einer Behandlung darin
besteht, ein extremes Ungleichgewicht zwischen Wärme und Kälte
sowie Trockenheit und Feuchtigkeit in den Bereich der physiologischen
Breite zurückzuführen.
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Leber - Galle, das Organsystem der EmotionenEin Ungleichgewicht zwischen Wasser/Leber und Feuer/Galle führt zu typischen emotionalen Fehlentwicklungen.Überwiegt das Wasserelement, entwickelt der Mensch ein phlegmatisches und depressives Temperament - er erschlafft. Dagegen entwickelt sich bei Überwiegen des Feuerelements ein cholerisches Temperament - der Mensch verkrampft sich. Die CholerikJeder kennt den
typischen Choleriker, dem ständig eine Laus über die Leber läuft.
Gallsüchtig, mit Haaren auf den Zähnen, treibt unseren Patienten
sein luesinisches Temperament von einem Wutanfall zum nächsten. Es
bedarf nur eines kleinen Tropfens, um seine Galle zum Überlaufen
zu bringen. Nicht selten endet so ein Temperamentsausbruch in der Zerstörung,
wenn nicht von sich selbst, dann von anderen; bestenfalls geht nur das
Mobiliar zu Bruch. Das Phlegma - Die MelancholieDer Phlegmatiker
dagegen zeigt in allen Lebensfunktionen Trägheit und Langsamkeit.
Sein psorisches Temperament neigt besonders zu Depressionen, die auch
als "Leberdepression" bezeichnet werden. Sein Leitsatz heißt
- "ich kann nicht, ich will nicht, laßt mir meine Ruhe".
Ständige Sorgen, Erschöpfung und Lethargie sind seine Hauptprobleme. Das Wechselspiel von Cholerik und PhlegmaScheinbar bilden
Cholerik und Phlegma/Melancholie unüberbrückbare Gegensätze. Es zeigt sich also, daß es in der Therapie wichtig ist, den Choleriker auf sanfte Weise zu mehr Ruhe und Gelassenheit zu bewegen, dagegen beim Phlegmatiker/Melancholiker Aktivität und mehr "Biß" zu erzeugen. |
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Zinn - Metall der LeberfunktionenEines der wichtigsten
Heilmittel der Leber ist Stannum metallicum (Zinn). "Zinn gleicht der Leber, sein Wesen ist ganz wie sie" (Paracelsus). Zinn ist relativ
untoxisch; es ist wahrscheinlich ein lebensnotwendiges Spurenelement. Zinn in Hochpotenzen D15 bis D30Dem Menschen, der Zinn in Hochpotenzen braucht, ist Verantwortungsgefühl und Tatkraft abhanden gekommen. Seine Stimmung ist ängstlich, mutlos und traurig. "Es besteht eine zunehmende Abneigung gegen jede Art von Beschäftigung, sei es im Beruf, sei es zu Hause" (Kent). "Zinn beeinflußt mentale und psychische Störungen, deren Ursachen in Funktionsstörungen der Leber oder des Gehirns beruhen" (Selawry). Dieser Patient
ist gerne übergewichtig, denkschwach und leidet unter Konzentrationsmangel,
Tagträumerei, Leeregefühl im Kopf, hepatogener Depression, Willenshemmung,
seelischer Verletzlichkeit und Hypochondrie. Neben dem Metall Zinn hat sich als Alternative in der Psychotherapie der hepatogenen Depression Arandisit D 30 von der Firma Weleda bewährt, ein natürlich vorkommendes Zinnsilikat. Siliziumverbindungen verstärken den Bezug zum Nervensystem. Zinn in Tiefpotenzen D6 bis D12 Physische Schwäche
ist charakteristisch für die Anwendung von Stannum metallicum in
Tiefpotenzen. Neben Tiefpotenzen von Sulfur, Hepar sulfuris oder Arsenicum album wird Zinn auch zur Entgiftung von Schwermetallen, besonders Amalgam, verwendet. Diese sind häufig verantwortlich für eine konstitutionelle Entwicklung in Richtung Phlegma oder Melancholie. Zinn in mittleren Potenzen D12 bis D15 Diese wirken allgemein regulierend auf die Leberpsyche und werden besonders bei chronischen Lungen- und Gelenkserkrankungen verwendet. Besonders Stannum jodatum D12 hat sich bei Emphysem und Bronchiektasie bewährt. Begleitmittel zur Zinntherapie Zur Einleitung einer Metalltherapie mit Zinn, beziehungsweise zu deren Begleitung als Drainagemittel, sollten "vegetabilisierte Metalle" (Pflanzendüngung mit metallischen Lösungen) der Firma Weleda verwendet werden. Taraxacum Stanno cultum (Löwenzahn/Zinn) wirkt besonders bei willensgehemmten Menschen und bei Leberdepression, Cichorium Stanno cultum (Wegwarte/Zinn) dagegen bei Zuständen durch Ärger, die sich negativ auf das seelische Befinden auswirken, z.B. Depression als Status nach Ärger. Zur Organregeneration und, um die Mittel leberspezifisch wirksam werden zu lassen (Kanalisation nach Dr. Nebel), empfiehlt es sich, Hepar bovis D4 (potenzierte Leber vom Rind) als Organmittel zusammen mit Zinnpräparaten zu verschreiben (z.B. als Arandisit D15 / Hepar bovis D4 Amp. oder Hepar - Stannum Amp., Dil., von Weleda). Als Begleitmittel zur Zinntherapie mit Hochpotenzen hat sich Metahepat N (als Dil. und Amp. von meta-Fackler) oder Hepar 202 N (als Amp. von Staufen Pharma) bewährt. Neben Stannum metallicum in tiefen Potenzen zur organotropen Therapie sind hier die wichtigsten Hilfsmittel wie Carduus marianus (Mariendistel) oder Phosphorus zur Leberregeneration und -energetisierung eingemischt. Grundsätzlich sollte zu einer innerlichen Verabreichung auch eine Injektionstherapie mit oben genannten Präparaten in Erwägung gezogen werden, z.B. i.c. Injektionen im Bereich der Leber, unterhalb des rechten Schulterblatts sowie an den Zustimmungspunkten der Leber auf dem Blasenmeridian B18. Die "verdunkelte"
Seele, die sich häufig als Folge des Phlegmas einstellt, läßt
sich erfahrungsgemäß auch begleitend mit Mitteln behandeln,
die durch ihre Eigenschaften erwärmend und antidepressiv wirken.
Typische Kennzeichen dieser Mittel sind z.B. ihre gelbe Farbe und ihr
häufig bitterer Geschmack. Bei besonders therapieresistenten Fällen kann zur Anregung der Leberfunktionen die Hepatitis Nosode D30 in seltenen Gaben als Zwischenmittel, also z.B. einmal pro Woche und seltener, verwendet werden. Auf Empfehlung von Dr. Reckeweg war mir diese Nosode als Reaktionsmittel bei hartnäckigen Ermüdungs- und Erschöpfungszuständen eine große Hilfe, auch wenn sämtliche Leberwerte normal waren. Das Gesamtbild
des chronisch Leberkranken spiegelt auch eine Nierenschwäche wieder;
die Niere ist der Sitz der "Lebensessenz". Deshalb sollte neben
einer Lebertherapie bei einem Erschöpfungssyndrom immer auch die
Niere energetisch gestärkt werden. Dies geschieht am besten mit Cuprum
metallicum D6 (Kupfer), dem Metall der Niere, bzw. mit Kupferverbindungen
wie Olivenit D6 (natürliches Kupferarsenat von Weleda). Eine Reihe weiterer wichtiger Mittel gegen das Phlegma und gegen die Melancholie finden sich unter den psorischen Homöopathika. Je nach Arzneimittelbild kommen z.B. in Frage: Ambra, Calcium carbonicum, Conium, Graphites, Ignatia, Naja, Natrium muriaticum, Pulsatilla oder Staphisagria, letzteres besonders bei Status nach Ärger und Beleidigungen. |
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Eisen - Metall der GallenfunktionEines der wichtigsten
Heilmittel der Galle ist Ferrum metallicum (Eisen). Diese Charaktereigenschaften
des Feuers finden sich in den Mythen über Kriegsgötter (Mars)
und Helden (Siegfried); ihre Attribute sind die Rüstung und das Schwert.
Mit aller Entschlossenheit bezwingen sie jegliche Widerstände. Eisen in Hochpotenzen D15 bis D30Nimmt das Feuer und damit das Eisen im Menschen überhand, entwickelt sich das cholerische Temperament mit all seinen zerstörerischen Tendenzen wie sie zuvor beschrieben wurden. "Paracelsus spricht von einem Sieden der Galle, die gleich dem Wein alle Säfte beherrscht und den Zorn gebiert" (Selawry). "Eisentypen sind Tatmenschen, die von klein an nach Beschäftigung verlangen. Sie brauchen körperliche Anstrengung, um ihre geballte Energie zu entladen, treiben gern Sport, vor allem Wettkampf, und suchen, sich selbst immer wieder zu überbieten" (Selawry). Man könnte
sagen, sie wären "Eisenbesessene". Eisen in Tiefpotenzen D6 bis D12 Der "Eisenverlassene" dagegen ist anämisch, verbittert, gehemmt und deprimiert. Dies entspricht in etwa dem Phlegma, wie vorher beschrieben. Bei Hypotonie, Selbstunsicherheit, Angst und Entschlußunfähigkeit hat sich neben Ferrum metallicum D6 auch Skorodit D6 (Eisenarsenat von Weleda) bewährt. Das Auftragen einer Eisensalbe auf der Gallengegend (Ferrum metallicum Salbe 5% von Weleda) ist hierbei eine wirkungsvolle Unterstützungstherapie. Bei Anämie empfiehlt sich die Anwendung von Hämatit D6 (Eisenoxyd von Weleda). Hämatit wird auch als Blutstein bezeichnet. Er galt den Rittern früher als Amulett für die Hieb- und Stichfestigkeit. Die Verbindung von Hämatit mit der Schlehe (Prunus spinosa), einer Dornenpflanze, unter anderem mit Blausäurederivaten als Wirkstoff, hat sich bei Rekonvaleszenzschwäche bewährt (Prunuseisen von Wala). Eisen in mittleren Potenzen D12 bis D15 Diese Potenzstufen
werden für eine allgemein ausgleichende Eisentherapie verwendet. Begleitmittel zur Eisentherapie Aurum metallicum
(Gold), das Metall des Herzens, entspricht dem Erscheinungsbild der Cholerik. Eine Reihe weiterer Nervina wirken auf den Choleriker beruhigend. Sie sollten vor allem dann verordnet werden, wenn ein geistiger Zustand der Verwirrung, kombiniert mit Schlafstörungen und Herz-Kreislaufproblemen wie Bluthochdruck vorliegt. Beispiele wären: Ballota nigra Ø (Schwarznessel), Citrus aurantium Ø (Bitterorange), Convallaria majalis Ø bis D4 (Maiglöckchen), Filipendula ulmaria Ø (Mädesüß), Melilotus officinalis Ø (Honigklee), Origanum majorana Ø (Majoran), Peumus boldus Ø (Boldo), Valeriana officinalis Ø (Baldrian), Viscum album Ø (Mistel) und Vitis vinifera Ø (Wein). Hat der Choleriker dauernde Schmerzen unter dem unteren Winkel des rechten Schulerblatts (Reflexzone von Leber/Galle), Migränesymptome über dem rechten Auge, und neigt er noch dazu zu Spasmen der ableitenden Gallenwege, sollte Chelidonium majus (Schöllkraut) verschrieben werden. Wie andere Mohngewächse enthält es entkrampfend wirkende Stoffe. Allerdings schmeckt die Pflanze ausgesprochen scharf und sollte von daher als D4 verwendet werden, da ansonsten der Reiz zu stark werden kann. Dies gilt besonders bei Gallensteinen. Außerdem sei der bitter schmeckende Wermut (Artemisia absinthium) empfohlen. Er fördert die Ausscheidung der Galle (Vorsicht bei Gallensteinen) und soll, laut alten Kräuterbüchern, besonders hilfreich bei "gallsüchtigen Weibern" sein; dies allerdings nur tropfenweise als Urtinktur oder als D6. Eine Silbersalbe
(Argentum metallicum praeparatum Salbe 5% von Weleda) eignet sich
besonders gut, um die entzündete Galle zu beruhigen, die typisch
für unseren Choleriker ist. Dagegen
wirkt Raphanus sativus (Rettich) trotz seiner Schärfe kühlend.
Er sollte wegen dieser Eigenschaften viel verwendet werden; dies gilt
auch für den Phlegmatiker. Eine besondere
Stellung unter den Mitteln der Cholerik nimmt Arsenicum album ein. Arsen
ist das Spezifikum für geistige Aggressionen, ohne sie körperlich
ausleben zu können. Der Arsentyp wird besonders dann aggressiv, wenn
etwas nicht in sein Denkschema paßt. Er hat einen Groll gegen seine
Mitmenschen, den er hinunterschluckt. Das Ergebnis ist die Selbstzerstörung. Bei einem cholerischen Temperament sollte man je nach Arzneimittelbild auch an Ignatia, Lilium tigrinum, Lycopodium, Nux vomica oder Veratrum album sowie an die Nachtschattengewächse Belladonna, Dulcamara, Hyoscyamus und Stramonium (alle Mittel D12 bis D30) denken. |
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Literatur: Alla
Selawry: "Metall-Funktionstypen
in Psychologie und Medizin" (Haug Verlag)
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