Die Heilkraft von Ginseng / von Olaf Rippe

Die Heilkraft von Ginseng / von Olaf Rippe

Von |2018-10-11T10:56:31+00:0027. September. 2018|Kategorien: Naturheilkonzepte - Therapietipps, Pflanzenportrait, Phytotherapie|Schlüsselworte: , , , , , |

Zeitgeist Stress

Stress ist die Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts und laut WHO inzwischen eine der größten Gefahren für die Gesundheit. Man schätzt, dass Stress in den Industrienationen ursächlich an bis zu 70% aller Krankheiten beteiligt ist, in vielen Fällen bildet er die Hauptursache. Stress ist eigentlich ein alltägliches Phänomen, da er nur ein anderer Ausdruck für einen notwendigen biologischen Anpassungsdruck ist. In der richtigen Dosierung kann Stress durchaus die eigene Leistungsfähigkeit und Kreativität motivieren. Ein Übermaß von Stress führt jedoch unweigerlich zur Überlastung biologischer Systeme (Stresskrankheit) und endet nicht selten mit dem Zusammenbruch der Fähigkeit zur Selbstregulation (Burnout Syndrom). Neben einer Neuorientierung der Lebensplanung und einer psychotherapeutischen Betreuung, sind es vor allem Adaptogene, die sich als pflanzliche Heilmittel in solchen Fällen bewährt haben. Berühmtester Vertreter dieser Gruppe ist sicher Ginseng.

Adaptogene als Stressbuster

Unter Adaptogenen versteht man pflanzliche Substanzen, durch die man sich körperlichen und emotionalen Grenzsutiationen besser anpassen kann (adept = anpassen). Sie stärken die Fähigkeit zur Resilienz und erhöhen die Resistenz gegenüber Stressfaktoren und lindern dadurch die Begleitsymptome von Stresskrankheiten. Besonders bei Erschöpfungszuständen haben sie sich bewährt. Wesentlich ist dabei, dass selbst bei höherer Dosierung  und längerer Einnahme keine Nebenwirkungen zu erwarten sind; die Wirkung erfolgt subtil und eigentlich erst, wenn die Belastung zunimmt – am besten wirken sie prophylaktisch. Daher trifft die Bezeichnung Adaptogen keineswegs auf alle Tonika zu; wobei auch hier gilt, dass eine extreme Überdosierung nicht zu empfehlen ist, um vegetative Belastungsstörungen  zu vermeiden, z.B. Störungen von Schlaf oder Kreislauf. Es geht bei der Wirkung auch keineswergs nur um eine Aktivierung, sondern um eine Regulation von Körperfunktionen, so dass Adaptogene den einen Patienten beruhigen, den anderen jedoch anregen. Adaptogene sind also Mittel um die goldene Mitte zu finden, aus der heraus ein erfülltes Leben entsteht, denn Krankheit bedeutet immer Vereinseitigung und/oder Dekompensation rhythmischer Körperfunktionen, besonders der  Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse.

Der Begriff Adaptogen wurde 1947 von dem russischen Pharmakologen Lazarev eingeführt – er forschte damals an Alternativen zu Ginseng und an Möglichkeiten, Kosmonauten und andere Menschen in Extremsituationen, mit geeigneten Mitteln belastbarer zu machen – mit Eleutherokokkus fand man schließlich eine ideale Pflanze und bekanntlich stiegen russische Kosmonauten fit aus ihrer Kapsel, während amerikanische Kollegen erst einmal längere Zeit bettlägerig waren. Auch im Sport erkannte man schnell die leistungssteigernde, anabole Wirkung.

Wertvolle große Ginsengwurzel mit zahlreichen Nebenwurzeln

Ginseng – einer der größten Schätze unter den Heilpflanzen

Seit Jahrtausenden kennt und schätzt man in Asien Ginseng als Lebenselixier. Nach Europa kam die “Menschenwurzel” erst im 17. Jahrhundert, wo sie umgehend in den Arzneischatz integriert wurde. Ihren Beinamen erhielt sie, weil die Wurzel oft an eine menschenähnliche Gestalt erinnert. Solche Pflanzen galten immer schon als besonders zauberkräftig und Unheil abwehrend. Krankheiten wurden schließlich in alter Zeit nicht funktionell begriffen, sondern immer auf eine Wrkung von Geistern und Dämonen zurückgeführt.

Die schönsten Wurzeln waren daher dem Adel vorbehalten und manche sogar nur dem Kaiser Chinas, wo sie in nordöstlichen Gebirgsregionen, bis hinunter nach Korea wächst. Auf Grund der hohen Wertschätzung, war auch der Preis schon immer sehr hoch – dies gilt bis heute: eine Tagesdosis kommt auf ca. € 1,50 bis € 2,- und wenn man bedankt, dass man ihn über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte einnimmt, kommt schon eine stolze Summe zusammen.

Wilder Ginseng, der als besonders magisch galt, ist heute  so gut wie ausgestorben und war schon in alter Zeit sehr selten, so dass man Ginseng bereits in der Antike anbauen musste, um die hohe Nachfrage zu befriedigen.  Südkorea ist heute der Hauptlieferant von asiatischem Ginseng, der als Panax ginseng im Handel ist.

Heute kennt und verwendet man durchaus noch andere Arten, besonders die amerikanische Variante Panax quinquefolius, der man eine eher beruhigende Wirkung nachsagt. Auch die Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus, entstammt der gleichen Familie und hat vor allem eine immunmodulierende Wirkung. Da er erheblich billiger ist, wird er von vielen bevorzugt. Praxiserfahrungen zeigen, dass Ginseng sich eher für ältere Menschen und daher auch zur Behandlung von Alterungserscheinungen eignet, während die Taigawurzel mehr Menschen hilft, die sich dem modernen Zeitgeist unterworfen haben und nun darunter leiden – auch wirkt er schneller, dafür aber nicht so nachhaltig. In der Krebstherapie gilt er als wichtiges Begleitmittel beim Fatigue-Syndrom und zur Metastasenprophylaxe.

Noch billiger, weil überall in unseren Breiten vorhanden, wären Präparate aus Efeu, der ebenfalls zu den Araliaceen gehört. Seine Wirkstoffe sind dem asiatischen Ginseng sehr ähnlich und schon immer galt er in der Volksheilkunde als Mittel für mehr Lebenskraft und als Lungenmittel bei schwächender Bronchitis. Durch seinen Jodgehalt regt er beispielsweise die Schilddrüse und den Grundumsatz an, daher auch seine Spitzname “Pflanzliches Thyroxin”.

Ginseng, Eleutherokokkus und Efeu enthalten jeweils Saponine unterschiedlichen Typs. Die in der Ginsengwurzel enthaltenen Ginsenoide sind sehr empfindlich und daher ist die richtige Verarbeitung hier besonders wichtig. Weitere Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, Peptidoglykane sowie Phytosterole und zahlreiche Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Besonders hoch ist Gehalt in den feinen und kleinen Nebenwurzeln älterer Exemplare.

Im Handel ist “Weißer und roter Ginseng”. Unter weißem Ginseng versteht man geschälten und gebleichten Ginseng, wobei es besser ist, dies zu unterlassen, um einen höheren Wirkstoffgehalt zu erzielen. Roter Ginseng wird dagegen nach der Ernte mit Wasserdampf behandelt und anschließend getrocknet, hierbei verändert sich die Farbe, daher der Name. Auf diese Weise ist Ginseng länger haltbar, was früher für einen Transport mit Segelschiffen sicher die Methode der Wahl war. Da aber wesentliche Wirkstoffe verloren gehen, sollte man heute lieber weißen Ginseng verwenden, der möglichst weder gebleicht, noch geschält wurde.

Das Wirkungsspektrum von Adaptogenen wie Ginseng ist natürlich sehr breit, dazu gehören: Erhöhung der Abwehrkraft, Stimulation der Lebenskraft; Anregung der Gedächtnisleistung, Verbesserung der Konzentration, Regulation hormoneller Funktionen, Verbesserung aller vegetativen Funktionen, z.B. Schlaf und Sexualität, Verbesserung der Rekonvaleszenz, Linderung von Beschwerden in den Wechseljahren, Regulation von Stoffwechseleistungen, z.B. bei Diabetes, Hepatose, Karzinomerkrankungen – kurzum: man fühlt sich verjüngt.

Ginseng aus Deutschland

Asien ist bis heute Hauptanbieter von Ginseng, besonders Korea. Lange Zeit galt der Anbau in anderen Klimazonen als unmöglich, zumindestens als extrem aufwändig und daher als unlukrativ. Dies sollte nicht so bleiben. Inzwischen ist die Kultivierung einigen gelungen und dies sogar in Deutschland.

Weißen Ginseng bester Qualität liefert die Florafarm in Walsrode, im Herzen der Lüneburger Heide, zwischen Hannover und Bremen – der sandige Boden und das Klima scheinen dort besonders günstig zu sein. Seit 1982 baut man dort unter kontrolliert biologischen Bedingungen den koreanischen Panax ginseng an – doch was den Aufwand angeht, so könnte er nicht höher sein.

Die Aussaat von Ginseng erfolgt im Herbst, da die Pflanze die Kälte zum Keimen braucht. Der Anbau erfolgt in Schattentunnel in  Hügelbeeten, ähnlich dem Spargelanbau. Die Pflanze benötigt 2 Jahre zum Keinem. Im dritten Jahr blüht sie schließlich. Nun erst hat sie ein Stadium ereicht, in dem manche Anbauer sie bereits ernten, anders jedoch in Walsrode. Hier hat man die Geduld, noch ein paar Jahre abzuwarten, denn erst im sechsten Jahr ist der Wirkstoffgehalt optimal und im Herbst erfolgt dann endlich die Ernte, wobei man hier besonders schonend vorgeht, um die feinen Nebenwurzeln nicht zu beschädigen. Entsprechend den Entwicklungsstufen gibt es zahlreiche Tunnel nebeneinander. Nun möchte man meinen, dass man doch gleich wieder aus Gründen der Profitmaximierung nach der Ernte dort erneut anbauen könnte – doch weit gefehlt. Über 30 Jahre muss nun ein Acker brach liegen, damit sich dort wieder ein Ginseng guter Qualität entwickeln kann. Dies ist wirklich eine Pflanze die Geduld verlangt und einen langen Atem – so ist Florafarm im wahrten Sinne des Wortes ein Generationenbetrieb.

Ginsengfarm Walsrode

4-jähriger Ginseng im Fruchtstadium Ende August im Folientunnel; Florafarm Walsrode

Dosis und Einnahme

Adaptogene wie Ginseng nimmt man am besten morgens, bzw. nach dem Schlaf (man denke nur an Schichtarbeiter mit ihrem geänderten Tagesrhythmus, für die Ginseng übrigens geradezu ideal ist). Durch die Beeinflussung der Cortisolkurve ist man nun nicht nur tagsüber fitter, sondern abends auch entspannter und somit wird der Schlaf und mit ihm die nächtliche Regeneration besser. Eine Einahme später am Tag wäre daher kontraproduktiv.

Die Tagesdosis beträgt ca. 1 bis 2 Gramm Wurzelpulver guter Qualität. Die Florafarm bietet hier Ginseng SL Kapseln an, die Kapsel zu 0,5 Gramm, somit ist die Tagesdosis 2 bis 3 Kapseln (Trockenextrakt aus Ginsengwurzel (2,1-3,9 : 1), Auszugsmittel Ethanol 40%). SL steht als Kürzel für “Sapientia lenta”, das Wissen um den langsamen, stetigen Weg.

Da die Wirkung erst nach längerer Einnahme spürbar wird, sollte die Anwendung kurmäßig über 3 bis 6 Monate erfolgen, je nach Belastungsphasen auch länger. Da es in seltenen Fällen zu Wechselwirkungen mit Hormonpräparaten, Blutdrucksenkern oder Antidepressiva kommen kann, sollte man sich mit seinem Behandler absprechen, ob es hier Probleme geben könnte, sofern man solche Mittel einnimmt.

Vita brevis, ars longa (Hippokrates) – deshalb Ginseng
(Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang)

 

4-jähriger Ginseng im Fruchtstadium

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