Königskerze – Himmelsbrand schützt vor Ozon

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Königskerze – Himmelsbrand schützt vor Ozon

Von |2018-10-11T10:58:34+00:0020. Juni. 2018|Kategorien: Pflanzenportrait|Schlüsselworte: , , , , , , , |

Erst in der größten Hitze des Hochsommers erblühen die Königskerzen (Verbascum densiflorum). Nur an den sonnigsten Plätzen, auf trockenen und steinigen Böden finden wir die stattlichen Pflanzen mit der Kerzengestalt. Schon im Vorjahr kündigt eine Blattrosette, die einem Sonnenmandala gleicht, ihren glamourösen Auftritt an.

Aus dem wollig behaarten Blattkranz erhebt sich im Mittsommer der mannshohe Stängel, der schließlich eine weithin sichtbare Blumenkrone mit leuchtend gelben Blüten zur Schau trägt. Der Volksmund nennt das Gewächs »Himmelsbrand« – auch deswegen, weil die Stängel einst in Pech getaucht als Fackel dienten. Der Volksspruch »Die hohe Frau zieht übers Land, in der Hand hält sie den Himmelsbrand« bezieht sich darauf, dass eine Königskerze den strahlenden Mittelpunkt der Weihbüschel zu Mariä Himmelfahrt (15. August) bildet. Vor allem in katholischen Gegenden gehört die Kräuterweihe heute noch zu den großen Jahresfesten. Jung und Alt strömen mit prachtvoll gebundenen Kräuterbuschen in die Kirche. Durch die Weihe erhielten die Himmelfahrtkräuter dem Volksglauben zufolge allerlei Heil- und Zauberkräfte. Heute schmücken sie meist den Herrgottswinkel in der Stube.

Hildegard von Bingen erkannte in dem sonnigen Gewächs ein Mittel gegen Melancholie. Dass die Königskerze aufrichtet und die Stimmung aufhellt, zeigen ihre Gestalt wie auch die gelben Blüten mit dem honigartigen Sommerduft. Will man diese sonnigen Heileigenschaften für den Winter bewahren, dann bereitet man aus den noch ungeöffneten Blütenknospen am besten eine Tinktur von Blüten, die im Mondlicht gesammelt wurden. Denn die zarten Blüten enthalten einen saphirblauen Farbstoff, der im Sonnenlicht zerstört würde. Setzt man den Blütenauszug nur dem sanften Mondlicht aus, dann kann man eine bläuliche Tinktur erhalten.

Volksmediziner schwören bei Ohrenschmerzen und Neuralgien auf den Ölauszug aus den Blüten. Dazu stellen sie das Blütenöl jedoch in die Sonne.
Die großlappigen Blätter der Königskerze zeigen aber auch die Lungenheilpflanze an. Neben den edlen Farbstoffen enthalten die Blüten auch Schleimstoffe und Saponine sowie einen antibiotischen Wirkstoff (Aucubin). Während sich die Pflanzenschleime wie ein Schutzfilm über die Atemwege legen, verflüssigen die Saponine das Sekret und erleichtern daher das Abhusten. Aucubin hemmt schließlich das Wachstum von Bakterien. Daher eignen sich die Blüten unter anderem zur Behandlung von Erkältungen und lindern die Atemwegsreizungen durch Heizungsluft oder Ozon.

 

Quelle: Heilmittel der Sonne (AT Verlag) von Margret Madejsky und Olaf Rippe

 

Königskerzen im Vinschgau am Ganglegg, einer prähistorischen Siedlungsstätte