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Weißdorn, Schwarzdorn und Rose – stachelige Pflanzen zur Herzstärkung

Zu den herzstärkenden Arzneien zählen einige stachelige Pflanzen. Nach den Vorstellungen der Sympathiemagie überträgt sich die wehrhafte Signatur beim Gebrauch auf den Menschen. Auch wenn man die jeweiligen Heilpflanzen unterschiedlichen Planetenprinzipien unterstellt, zeigt sich hier immer die Signatur des Mars. Die Attribute des Kriegsgottes sind seine Rüstung, sein Schild und sein Schwert, mit dem er sich und andere vor Angriffen schützt und, wenn es sein muss, selbst angreift. Manchmal geht sein Temperament allerdings mit ihm durch – so gibt es auch Marspflanzen, die giftig, ätzend oder beißend sein können. Wenn eine Pflanze jedoch Stacheln oder Dornen ausgebildet hat, ist sie als Arznei meistens relativ ungiftig. Die Pflanze schützt sich ja auf diese Weise bereits effektiv vor Fraßfeinden, weshalb sie auf stärkere Gifte weitgehend verzichten kann. Pflanzen mit Marssignaturen nutzt man generell zur Entgiftung und Energetisierung bei Kraftlosigkeit, egal aus welcher Ursache. Ferner sind dies die Heilmittel der Wahl zur Steigerung der Abwehrleistung. Eine weitere wichtige Indikation sind Angstzustände und Willensschwäche – Mars bringt nicht nur verbrauchte Energie sofort zurück, er verleiht auch den Mut zur Initiative.

Die wichtigste Herzpflanze mit den entsprechenden Signaturen ist der Weißdorn (Crataegus oxyacantha). Für unsere heidnischen Vorfahren war das Rosengewächs eine besonders heilige Pflanze, war es doch von dem mächtigen Zauberpriester Merlin beseelt. Der Weißdorn galt als Baum der Weisheit und Wohnort der Feen, daher brachte man ihm Opfer und Weihegaben dar – ein Brauch, der sich heute noch in Irland findet. Als Verkörperung lichter Wesenheiten krönte man mit den Blüten zu Beltane die Maikönigin (W.-D. Storl, 2000). Neben den Marssignaturen zeigt Weißdorn im Blüten- und Blattbereich seine feminine Seite; diese Teile ordnet man der Venus zu. Wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht, stellt man immer wieder fest, dass eindrucksvolle Exemplare gern an Orten wachsen, die häufig verwunschen wirken – oft sind dies energetische Zentren, an denen sich der Genius Loci besonders stark manifestiert.

Opfergaben an die Fee des Weißdorns auf der Königsstätte Tara in Irland
Foto Olaf Rippe

Ein überlieferter Name aus dem Germanischen ist Hagedorn. Man pflanzte Weißdorn damals gern als Begrenzung um Siedlungen – exoterisch, damit seine Dornen wilde Tiere abhielten, esoterisch, weil er einen magischen Schutzwall bewirkte und daher der Sippe inneren Frieden schenkte. »Auch Dämonen, Krankheitsgeister und andere Unholde würden – so war man überzeugt – an den spitzen Dornen hängen bleiben, versuchten sie in den heiligen Kreis einzudringen, in dessen Mitte als Herz der Gemeinschaft ein Feuer brennt« (W.-D. Storl, 2000). Noch heute verwenden wir das Wort »umhegen «, wenn man sich besonders liebevoll um jemanden kümmert. Ganz ähnlich lässt sich auch die Wirkung als Herzarznei verstehen. Weißdorn zentriert und aktiviert die Lebenskräfte im Herzbereich, er verbessert die Koronardurchblutung und den Stoffwechsel des Herzmuskels. Die Indikationen umfassen leichte Formen einer beginnenden Herzinsuffizienz, Altersherz, Herzschwäche, Druck- und Beklemmungsgefühle in der Herzgegend, Hypertonie, Sklerose, Herzrhythmusstörungen, müden und schleppenden Herzschlag.

Weißdorn eignet sich auch zur Behandlung von Schlafstörungen und seelischen Problemen, besonders wenn gleichzeitig die oben genannten Herzsymptome vorliegen (der Volksmund nennt ihn auch »Schlafdorn«). Weißdorn wird jedoch nur selten in alten Kräuterbüchern erwähnt, obwohl er schon von den Druiden verehrt wurde.

Die kardiotonischen Qualitäten des Weißdorns entdeckte man erst im 19. Jahrhundert in Irland (W.-D. Storl, 2000). Vorher brauchte man ihn für diese Zwecke einfach nicht, da die Lebensweise eine andere war als unsere moderne und damit auch die Art der Herzkrankheiten. Heute ist dagegen eine Herztherapie ohne Weißdorn undenkbar. Man verwendet ihn häufig auch als Dauermedikation über Jahre, z.B. beim Altersherz, da er sehr gut verträglich und nebenwirkungsfrei ist.

Präparate für die Praxis gibt es viele, beispielsweise Crataegus comp. von Weleda mit Weißdorn und Gold, dem Metall der Sonne und ein Kardinalmittel bei Herzleiden; auch das Mittel Solunat Nr. 5 enthält Gold und Weißdorn. Dies kann man sehr gut mit den Weißdorn-Präparaten von der Firmas Klein kombinieren, z.B. Oxacant Tropfen.

Die Triebspitzen der Schlehe (Prunus spinosa, Summitates) wirken besonders anregend auf den Kreislauf. Wir verwenden
sie als Tonikum,wenn man sich psychisch ausgelaugt fühlt oder wenn man sich nach einer Krankheit nicht mehr richtig erholen kann. Foto: Olaf Rippe.

Ein naher Verwandter ist der Schwarzdorn oder die Schlehe (Prunus spinosa). Manchmal findet man beide Pflanzen eng beieinander, obwohl die Schlehe Reizstreifen bevorzugt, die der Weißdorn nicht unbedingt schätzt. Störzonen haben wir bereits als für Menschen ungünstige energetische Orte kennen gelernt. Wenn man in solchen Zonen lebt, fühlt man sich ausgebrannt, ständig hat man irgendeinen Infekt, oder man erholt sich nicht mehr richtig von einer Krankheit. Genau hier setzt nun die Schlehe an. Sie ist die ideale Arznei bei schlechter Rekonvaleszenz, mangelnder Spannkraft und Apathie. Typisch sind auch die Kreislaufschwäche und der niedrige Blutdruck, der durch Schlehe gesteigert werden kann; daher sollte man sie bei Hypertonie nur vorsichtig verwenden.

Während man vom Weißdorn Blätter, Blüten (Erntezeit Mai/Stier) und Früchte (Erntezeit Oktober/ Waage) gleichermaßen einsetzt, sind es bei der Schlehe vor allem die Triebspitzen, die man am besten im Widdermonat April (von Mars regiert) bei zunehmendem Mond im Löwen sammelt. Zu den empfehlenswerten Handelspräparaten zählt Prunuseisen (Globuli und Ampullen von Wala), das neben Schlehe das Marsmetall Hämatit (Eisenoxid) enthält und damit eine Arznei ist, die sich ganz an einem astrologischen Synergismus orientiert. Weleda liefert die Triebspitzen in unterschiedlicher Dosierung von der Urtinktur bis zu D6 (Prunus spinosa, Summitates).

Die Rose als Herzmittel findet man im Kräuterbuch des Adam Lonitzer (1557/1962) mit folgendem Hinweis: »Der Rosen Gebrauch ist überaus trefflich/und zu vielen Dingen nützlich (…)/Ist ein köstliche Kühlung in den hitzigen Fiebern/ und stärcket das Herz und Haupt. Die Rosen machen fröhlich Geblüt.« Hieronymus Bock empfiehlt die Rose ebenfalls zur Herzstärkung, Matthiolus erwähnt sie bei Herzklopfen. In einer seelisch orientierten Herztherapie sollte die Blume der Aphrodite nicht fehlen – jedoch weniger wegen ihrer pharmakologischen Wirksamkeit, sondern mehr aus magischen Gründen. Die Rose verkörpert das Prinzip der Harmonie und ist die vollkommene Vereinigung von Mars und Venus, Yang und Yin, Männlich und Weiblich. Aus diesem Grunde setzen wir sie häufig Rezepten zur Abrundung zu. Die Rose verbindet unterschiedliche Wirkspektren von Bestandteilen harmonisch miteinander.

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Diese Eigenschaft hat auch Lavendel, obgleich nicht ganz so stark. Diese Gemeinsamkeit kennt der Blumenfreund schon seit langem, wirkt doch nichts auf das Auge entspannender als der Blick auf einen blühenden Lavendelbusch, neben dem ein Rosenstock in voller Blüte steht. Daher pflanzt man beide gern zusammen. Entsprechend sollte man sie auch auf dem Rezeptblock kombinieren. Von Weleda gibt es die Herzsalbe Aurum/Lavandula comp., die auch Rosenöl enthält, zur Einreibung der Herzzonen.

Rosa damascena ist übrigens deutlich stacheliger als die Rosa centifolia; beide verwendet man als Edelrosen zu therapeutischen Zwecken. Man gebraucht sie als ätherisches Öl in Aromamischungen zur Massage, als Badeöl und Parfüm. Getrocknete Blütenblätter gibt man als »Schönungsdroge« Teemischungen zu. Der Handel liefert die Rose aber auch als Arznei zum inneren Gebrauch (Spagyra: R. canina und R. centifolia ab Urtinktur, R. damascena ab D5). Zu empfehlen sind auch Wildrosenarten, sofern ihr Geruch intensiv genug ist. Wer selbst Präparate herstellen will, sollte bei Rosen die gerbstoffhaltigen Blätter nicht verschmähen, die sich besonders gut zu kosmetischen Zwecken und zur Wundtherapie eignen. Zur Aromamassage eignet sich das »Wildrosenöl« von Weleda, dem man noch einige Tropfen ätherisches Lavendelöl zugeben kann, wenn man beruhigend einwirken will; soll es dagegen aphrodisierend wirken, eignen sich eher Zusätze von Jasmin oder Tuberose.

Rezept Herzbalsam

  • Weißdorn Blüten und Blätter 4 Teile
  • Herzgespann 2 Teil
  • Melisse 2 1/2 Teile
  • Rosenknospen 1 Teil
  • Lavendelblüten 1/2 Teil als Teekur, 2 bis 3 Tassen tgl.

Als Ergänzung Einreibung der Herzzonen mit Aurum/Lavendukla comp. Salbe von Weleda

Crataegus comp. Tropfen von Weleda, 3 x tgl. 15 bis 20 Tropfen

 

Die Rose ist ein Attribut der Liebesgöttin Aphrodite; in der Hermetik gilt sie
auch als Symbol für die Vereinigung von Männlich und Weiblich und für das
große Werk der Alchimie. Die Rosenkreuzer setzen die Rose mit dem Herzen gleich.

Insel Mainau; Foto Olaf Rippe

Zur Beachtung!

Der Leser ist aufgefordert, Dosierungen und Kontraindikationen aller verwendeten Arzneistoffe, Präparate und medizinischen Behandlungsverfahren anhand etwaiger Beipackzettel und Bedienungsanleitungen eigenverantwortlich zu prüfen, um eventuelle Abweichungen festzustellen.

Die in diesem Artikel aufgeführten Rezepte und Behandlungshinweise verstehen sich ausschließlich als Lehrbeispiele und können daher auch weder den Arztbesuch noch eine individuelle Beratung durch einen Heilpraktiker bzw. Arzt ersetzen. Sie sind nicht als Ratschläge zu einer Selbstbehandlung gedacht, sondern wollen lediglich einen Einblick in Therapiemöglichkeiten geben! Die Einnahme der genannten Heilmittel wie auch die Anwendung der Rezepturen oder das Befolgen der Therapieempfehlungen geschieht stets auf eigene Verantwortung. Sollten Sie nicht die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde haben und über eine entsprechende Erfahrung verfügen, ist es empfehlenswert, sich vor jeder Anwendung kompetenten Rat bei einem Arzt oder einer Ärztin, einem Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin einzuholen. Es ist in jedem Fall ratsam, sich vor der Anwendung eines Heilmittels über mögliche Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen zu informieren. Auch sollte die nur modellhaft angegebene Dosierung grundsätzlich überprüft und individuell angepasst werden. Bitte beachten Sie ebenso alle Warnhinweise und Anwendungsbeschränkungen der jeweiligen Beipackzettel.

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