Die Leber – Das Organ des Lebens / von Olaf Rippe

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Die Leber – Das Organ des Lebens / von Olaf Rippe

Die Eingeweideschau

Zum Titelbild: Etruskisches Modell einer Schafsleber zum Erlernen der Eingeweideschau. Zahlreiche Namen von Gottheiten sind auf der Oberfläche eingeritzt, wobei die Einteilung den Himmelsrichtungen entspricht. Ca. 1. Jh. v. u. Z.

In der Antike verstand man unter Glück und damit auch unter Gesundheit eine Harmonie zwischen den eigenen Willensvorstellungen und dem Willen der Götter. Krankheit war somit eine Folge von Streitigkeiten zwischen Menschen- und Götterwelt. Wer sich über die höchsten Mächte erhob, der mußte ihren Zorn fürchten.
Einem höheren Willen kann man sich aber nur fügen, wenn man ihn kennt. Also braucht es die Kunst der Divination (Wahrsagekunst), die in antiken Zeiten noch von Priesterärzten ausgeübt wurde. Nur Seher konnten feststellen, ob die eigenen Absichten dem Willen der Götter entgegenstanden oder nicht.
Da die ganze Natur vom göttlichen Willen gezeichnet war, gab es die verschiedensten Divinationstechniken. Manche Götter offenbarten sich durch Blitze oder im Vogelflug, manche im Rascheln von Bäumen, andere im Knistern von Räucherwerk oder durch die berauschte Ekstase medial veranlagter Menschen. In Mesopotamien, Griechenland und vor allem bei den Etruskern war die Eingeweideschau von Opfertieren allerdings die bevorzugte Methode, wobei die Betrachtung der Leber (Hepatoskopie) besonders beliebt war; erste Zeugnisse dieser Tradition werden auf das 3. Jahrtausend v. u. Z. datiert.
Aus dem Verhalten des Opfertiers und aus der Beschaffenheit der Leber konnte man darauf schließen, ob das Opfer angenommen wurde und ob die Götter einem gewogen waren. Durch Anrufungen und duftendes Räucherwerk aus Balsam und Harzen stellte man sicher, daß die Götter ihren Willen der Leber eingravierten.
Um zu wissen, welche Gottheit Antwort gab, teilte man die Leber in verschiedene Sektoren ein. Bei den Etruskern waren dies die vier Himmelsrichtungen, die den Elementenkräften Feuer, Luft, Wasser und Erde entsprachen. Diese unterteilte man wiederum in vier Abschnitte, so daß insgesamt 16 Bereiche entstanden, von denen allein der Donnergott Tinia/Zeus, der Mächtigste unter den Göttern, drei Bereiche beseelte.
Warum gerade die Leber in der Divination so beliebt war, erklärt sich aus der antiken Vorstellung, daß sie das Organ des Denkens und Fühlens war. Sie galt als Sitz der Seele und der Lebenskraft. Diese Idee findet sich auch in der antiken Weltsicht der Elementenlehre wieder, wie sie von Empedokles im 5. Jahrhundert v. u. Z. entwickelt wurde.

Jupiter; Gustave Moreau (Ausschnitt) – ihm ist die Leber zugeordnet

Die Leber und das Wirken des Elements Wasser

Auf Polybos, dem Schwiegersohn des Hippokrates, geht die Weiterentwicklung zur Säftelehre zurück. In dem Werk “De Natura Hominis”, das mit Sicherheit Polybos zuzuordnen ist (Daems, 2001), heißt es: “Der Körper des Menschen enthält in sich Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, und diese machen die Natur des Körpers aus, und wegen dieser (Säfte) ist er krank bzw. gesund.”
Nun waren es also nicht länger Götter, die über Gesundheit und Krankheit entschieden, sondern die richtige Mischung der Säfte (humores). Medizinphilosophen lösten die Vormacht der Priesterärzte langsam, aber stetig ab, doch die zentrale Stellung der Leber blieb, denn sie galt als das Zentralorgan der Säfte.
Auf den Vorstellungen des Galen beruht die auf den Elementen basierende Temperamentenlehre. Galen schrieb: “Überwiegen des galligen Saftes bewirkt Verstand und Scharfsinn (Feuer, Leber), Überwiegen des schwarzgalligen Beständigkeit und Gesetztheit (Erde, Milz), Überwiegen des Blutes Einfalt und Naivität (Luft, Herz); der Schleim hat keine Wirkung auf Charakter und Intelligenz (Wasser, Gehirn)” (zit. nach Daems, 2001). Die klassischen Begriffe der Temperamente wie Choleriker oder Melancholiker tauchten laut Daems aber erst im Mittelalter auf.

Krankheit, so stellte man sich damals vor, beruht also auf einer falschen Säftemischung, die zur Säfteentartung (Dyskrasie) führt. Diese entsteht durch das Überwiegen eines Saftes, den man folgerichtig entleeren muß (Evakuationstherapie). Diese Vorstellung hat sich bis heute in der Humoralmedizin erhalten können. Immer noch gelten schweißtreibende, galleableitende oder harntreibende Mittel als Kardinalmethoden des Heilens.
Jahrhundertelang war die Säftelehre unumstritten. Erst Paracelsus wagte eine grundlegende Kritik. Er propagierte auch andere Möglichkeiten der Entstehung von Krankheiten, wie psychische und soziale Einflüsse, das Wirken der Gestirne oder die Wirkung von Toxinen, die bei ihm aber nicht gleichbedeutend mit den vier Säften waren. Er sah im Wirken der Elemente etwas rein Übersinnliches, das die Entstehung des Lebens ermöglicht, eine Korrespondenz zwischen Element und Saft lehnte er dagegen mehr oder weniger ab. Auch die Temperamente führte er nicht auf das Wirken eines Saftes zurück, sondern auf die Gestirne. Er schrieb: “Nicht die Galle verursacht den Zorn, sondern der Mars. Dieser bringt die Galle zum Überlaufen. (…) Richtig kann man nur sagen, daß jemand ein saturnischer oder ein lunatischer Charakter ist. Denn unsere Charaktereigenschaften werden vom Gestirn hervorgerufen.”
Dennoch sprach er von den Elementen als den Müttern des Lebens. Seine Vorstellungen führten später zu völlig neuen Zuordnungen. Feuer und Wasser bilden die Grundpolarität der Elemente und damit der Existenz. Symbolisch haben sie das gleiche Gewicht. Die unsichtbare Luft bildet die Brücke zwischen den Polen. Sie ist die Trägerin der schöpferischen Urkräfte. Wie Paracelsus ausführte, ist sie in “allen körperlichen und wesentlichen Dingen, die auf der Erde wachsen und geboren werden, das Leben gibt. Sie ist nichts anderes als ein geistiges Wesen, ein unsichtbares und ungreifbares Ding, ein Geist und ein geistiges Ding. Wie es nichts Körperliches gibt, das nicht einen Geist in sich verborgen führt, so gibt es auch nichts, was nicht verborgen ein Leben in sich hat und lebt. Denn was ist auch das Leben anderes als ein geistiges Ding.”
Das Ergebnis des Zusammenwirkens von Feuer, Wasser und Luft ist die Stoffwerdung oder die Erde, die von ihnen befruchtet wird. Einmal befruchtet, erzeugt sie alles aus sich selbst, um das Leben zu erhalten. Die Elemente sind allerdings in ihrem Wesen unsichtbar und übersinnlich, sie bilden also die spirituelle Grundlage der Naturreiche. Aus dem dichtesten der Elemente, der Erde, stammen die chemischen Stoffe, aus denen sich die Materie aufbaut. Das Element Wasser verbindet diese Stoffe auf energetische Weise und bildet die Grundlage organischen Lebens. Als Naturreich ordnet man dem Wasser die Pflanzenwelt zu. Die Luft beseelt die Natur und bildet die Grundlage für das Tierreich. Das Feuer vergeistigt die Welt und ist dem Menschen zugeordnet.

Nach den Vorstellungen des Paracelsus sind alle Existenzformen wie Buchstaben, aus denen sich das Wort Mensch zusammensetzt. Er besteht also aus Mineral, Pflanze und Tier. Diese drei Reiche bilden die Basis für das Besondere, das der Mensch verkörpert.

In der anthroposophisch orientierten Medizin, die auf den Vorstellungen des Paracelsus beruht, entwickelte man diese Idee weiter. Das Element Erde bildet die physische Grundstruktur des Menschen; diesem Element ordnet man die Lunge zu. Den unsichtbaren Lebensimpuls, das Wachsen und Vergehen und damit den Chemismus sowie das Phänomen der Regeneration findet man im Element Wasser. Anthroposophen bezeichnen es als Ätherleib oder Bildekräfteleib. Das Hauptorgan des Elements Wasser ist die Leber. Damit schließt sich der Kreis, denn wieder ist es die Leber, in der sich die Lebenskraft am deutlichsten manifestiert. Will ich also das Leben erhalten oder mich von Krankheiten erholen, muß ich primär die Leber therapieren. Von den möglichen Heilmitteln eignen sich hierzu besonders pflanzliche Arzneien, da die Pflanzenwelt dem Element Wasser zugeordnet wird.

Prometheus; Gustave Moureau

Wie regenerationsfreudig die Leber ist, erfahren wir durch den Mythos des Titanen Prometheus. Dieser brachte dem Menschen so nützliche Künste wie Astronomie, Medizin und Alchimie bei, die er zuvor von Athene erlernt hatte. Gegen den Willen des Zeus lehrte er den Menschen auch heimlich die Kunst, das Feuer zu gebrauchen (Symbol für das geistige Erwachen). Zur Strafe kettete ihn Zeus an die Felsen des Kaukasus. Täglich fraß ein Geier von seiner Leber, doch jede Nacht wuchs sie wieder nach. Das Ganze hatte aber für die Menschheit noch ein übles Nachspiel. Für den Bruder des Prometheus, Epimetheus, hatte Zeus eine besonders böse Überraschung parat, weil dieser sich ebenfalls gegen ihn verschworen hatte. Er schuf ihm das wunderschöne, aber einfältige und boshafte Weib Pandora. Von seinem Bruder gewarnt, nahm Epimetheus das Geschenk zunächst aber nicht an. Erst als üble Gerüchte Prometheus in ein schlechtes Licht rückten, heiratete er Pandora. In ihrer Einfalt öffnete Pandora eine Büchse, die Prometheus seinem Bruder zur Aufbewahrung übergeben hatte und in die er das Böse gebannt hatte. Sämtliche Sterbliche werden seitdem von Krankheit und Leidenschaften geplagt. Doch aus weiser Voraussicht hatte Prometheus noch etwas in die Büchse getan – die Hoffnung auf Besserung. Unsere leidenschaftliche Gefühlswelt, wie sie in der Büchse der Pandora enthalten war, korrespondiert mit dem Element Luft. Dieses vergeistigte Element im Menschen steht in direkter Beziehung zur Welt der Gestirne und wird daher Astralkörper genannt (astrum = Stern). Es ist der  animalische Anteil in uns; Paracelsus nannte ihn den viehischen Leib. Hauptorgan ist die Niere. Bleibt als letztes noch das Element Feuer. Es bildet die Grundlage unseres IchBewusstseins und ist nur dem Menschen eigen. Es ist das Element, das uns am stärksten mit dem Göttlichen, dem Logos, verbindet. Das Hauptorgan ist das Herz. Dass diese Zuordnungen keineswegs eine Erfindung der Anthroposophen sind, zeigen z.B. die Schriften des Paracelsisten Johann Georg Gichtel, einem Schüler von Jakob Böhme.

Planeten und Elemente im Menschen; Johann Georg Gichtel

Der innere Alchimist

Wegen ihrer zentralen Stellung im Säftehaushalt ist die Leber an sämtlichen Stoffwechselgeschehen mehr oder weniger beteiligt, da sie alle direkt oder indirekt mit dem Bildekräfteleib zusammenhängen. Doch nicht immer hat ein Krankheitsgeschehen seine Ursache im Stoffwechsel. Paracelsus formulierte fünf mögliche Krankheitsursachen und entsprechend fünf Wege des Heilens, abgesehen von der Chirurgie, die er gesondert betrachtete (siehe hierzu “Die fünf Entien des Paracelsus”; NHP 5/98).
Die erste Ursache nannte er “Ens astrale”. Mögliche Ursachen sind z.B. Umweltfaktoren wie Klima, Störzonen oder Mondphasen. Die Therapie besteht in einer unspezifischen Reiztherapie, z.B. mit abwehrsteigernden Mitteln oder mit Lebenselixieren. Eine weitere Möglichkeit ist das “Ens naturale”. Hier liegt die Ursache in individuellen Dispositionen. Die Therapie besteht in einer Konstitutionstherapie mit alchimistischen Präparaten, besonders mit speziell zubereiteten Metallen. Die dritte Möglichkeit ist das “Ens spirituale”. Hier liegt die Ursache in der psychischen Struktur und der Lebensweise des Betroffenen und in psychosozialen Gegebenheiten. Magie, Psychologie und psychisch wirkende Arzneien bilden die Heilwege. Die vierte Möglichkeit bezeichnete Paracelsus als “Ens dei”. Dies sind die unheilbaren Krankheiten oder das Karma des Menschen, das vom Therapeuten nicht gelöst, sondern bestenfalls gelindert werden kann und das dem Wirken höherer Mächte unterliegt.
Die letzte Möglichkeit ist für unser Thema besonders interessant, das “Ens veneni”. Hier liegt die Ursache in der Wirkung von Nahrung, mangelnder Stoffwechselleistung und vor allem in einer mangelnden Entgiftung von Toxinen.

Da der Mensch das am höchsten entwickelte Naturreich darstellt, er seine Nahrung aber aus den niederen Naturreichen bezieht, muß er das “Fremde”, das immer potenziell toxisch wirkt, in etwas Menschenhaftes umwandeln. Verantwortlich für diese Verwandlungsprozesse ist der “innere Alchimist”, der die Spreu vom Weizen trennt. Darunter verstand Paracelsus sämtliche Stoffwechselprozesse, vor allem aber die Leistung von Magen, Leber und Niere. Er schrieb: “Wenn der Magen kräftig ist, dringt das Reine zu den Gliedern, um sie zu ernähren, das Unreine tritt mit dem Stuhl aus. Wenn der Magen schwach ist, schickt er auch das Unreine zu der Leber; hier geht auch eine Scheidung vor sich. Wenn die Leber kräftig ist, scheidet sie richtig und sie schickt zugleich das Schleimige mit dem Harn zu den Nieren. Wenn hier eine gute Scheidung ist, ist es richtig, wenn nicht, so bleibt hier jenes Schleimige und Steinige zurück und koaguliert sich zu Sand, was ich Tartarus nenne.”
Unter Tartarus verstand Paracelsus Ablagerungen von Toxinen, die zu chronischen Krankheiten führen wie Steinbildung, Sklerose, Gicht, Rheuma, aber auch alle dysplastischen Prozesse wie Arthrose. Neben der richtigen Scheidung ist die Funktion der Entgiftungsorgane besonders wichtig, vor allem von Leber, Pankreas, Galle und Darm sowie von Niere, Haut, Lunge, aber auch funktionelle Entgiftungsvorgänge wie die Menses spielen eine Rolle (siehe hierzu die Schriften von Bernhard Aschner und Heinrich Honegger). Ist der innere Alchimist zu schwach und funktionieren die Ausscheidungen nicht richtig, kommt es zum Tartarus, dem eine “Digestio” oder innere Fäulung vorausgeht, die Mutter aller chronischen Krankheiten.

Der Heilweg ist damit deutlich vorgegeben. Zunächst muß der innere Alchimist selbst gestärkt werden, zum Beispiel durch Amara (Bittermittel). Paracelsus schätzte vor allem Tausendgüldenkraut und Bitterorange, da sie nicht nur die Scheidekraft des Magens, sondern auch der Leber anregen. Als zweite Stufe sind Leber-GalleArzneien erforderlich, also Cholagoga und Choleretika. In der Regel haben sie eine gelbe Signatur und entsprechen damit der “gelben Galle” aus der Säftelehre, bspw. Berberitze, Schöllkraut und Gelbwurz. Sie öffnen vor allem die “verstopfte” Leber und wirken somit gallebildend und -treibend. Bei einem Übermaß an “gelber Galle” darf man sie nur sehr vorsichtig anwenden, oder man gebraucht sie gleich potenziert, bzw. als Destillat. Ihr Hauptanwendungsgebiet in höherer Dosierung ist vor allem das “Verbrennen” der “schwarzen Galle”. Weitere Signaturen von Antidyskratika mit Leberwirkung sind Klettfrüchte, Stacheln und Dornen; Beispiele wären Mariendistel, Benediktenkraut, Berberitze, Odermennig oder Nelkenwurz (siehe hierzu auch den Artikel: “Die Signaturen der Leberheilpflanzen am Beispiel Schöllkraut” von Margret Madejsky).
Als dritte Stufe benötigt man Diuretika, die ebenfalls nach Möglichkeit eine gelbe Signatur haben und den Leberstoffwechsel entlasten, z.B. Goldrute und Liebstöckel. Die vierte Stufe besteht in der Anregung von weiteren Entgiftungsmechanismen, z. B. durch Diaphoretika oder Emmenagoga.

Zinn; Foto Olaf Rippe

Das Jupiterorgan Leber und das Zinn

Nach hermetischer Vorstellung ist der Mensch ein Mikrokosmos, in dem sich Sonne und Mond sowie die fünf Wandelplaneten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn in sieben Hauptorganen verkörpern. Die Leber ordnet man dabei dem Jupiter zu. In der Astrologie bezeichnet man ihn auch als das “große Glück”, in der Antike nannte man ihn den Königsstern und Träger der Weltenweisheit.
Paracelsus schrieb hierzu: “Und der Jupiter gleicht dem Planet der Leber (…). Ihr sollt wissen, wenn die Leber nicht da wäre, da gäbe es nicht Gutes im ganzen Leibe. Gleich Jupiter wirkt sie und mildert wie er durch seine Güte alles Ungestüm.” Das Ungestüm ist die Dyskrasie aus einer mangelnden Stoffwechselleistung, bzw. Entgiftung wie zuvor besprochen.

Nach dem Gesetz der Korrespondenzen ordnet man den Planeten nicht nur Organe zu, sondern auch die Welt der Heilmittel. Eine besonders intensive Planetenwirkung finden wir in den Metallen, die man vor allem als Konstitutionsmittel verwendet. Pflanzliche oder tierische Arzneien verstärken nach dieser Vorstellung das Wirken der Metalle. Dem Jupiter ordnet man das Zinn zu. Das Jupitermetall wäre demnach die beste Leberarznei und bei allen sonstigen Prozessen angezeigt, bei denen das Wirken Jupiters eine Rolle spielt (siehe die Schriften von Alla Selawry). Wie sehr sich dieses alte Wissen bis heute erhalten konnte, zeigt sich in den Indikationen von Arzneimitteln mit Zinn als Bestandteil.

Allgemeine Wirkung von Zinn /  Stannum metallicum

  • Überheblicher Charakter, Herrschsucht mit Tendenz zu Manie und Jähzorn (D12 bis D30). Unbesonnenheit, Distanzlosigkeit, Depression (D6 bis D12). Denkblockaden; Gedächtnisschwäche (D6 bis D12).
  • Zum Ausgleich bei entzündlichen und degenerativen verhärtenden Erkrankungen (rheumatische Diathese; D 12);
  • zur Vermeidung von Ablagerungen; bei Ergußbildung in Körperhöhlen und Gelenken (D12; zus. mit Bryonia);
  • allg. bei Leberleiden (D12); Darmdysbiose; Varikosis (D6); Gewebeschwäche;
  • akute und chronische Gelenksleiden wie Tendovaginitis, Arthritis und Arthrose (D12); Schlottergelenke; Migräne, vor allem rechtsseitige (auch an Chelidonium denken); dumpfe Neuralgien, chronische Ekzeme wie Neurodermitis und Psoriasis; Erschöpfungssyndrom; Skoliose.

Tiefpotenzen 5% bis D8: wirken über den Leberstoffwechsel. Sie fördern Aufbau und Quellungsprozesse und wirken austrocknenden, dysplastischen oder degenerativen Prozessen entgegen.
Mittlere Potenzen D12: beeinflussen dystonische Zustände und wirken auf die Atmungsorgane.
Hochpotenzen D20 bis D30: wirken über das Nervensystem. Sie fördern Formprozesse, Austrocknung und Ausscheidung.

Zinnverbindungen und Zubereitungen

Arandisit (Zinnsilikat; Weleda): Bei psychischen Veränderungen mit Leberleiden; Leberdepression; D6/D 12.
Kassiterit (Zinnoxyd, Zinnstein; Weleda): Wirkung auf das Nervensystem; D2 bis D10.
Stannum mellitum (Zinnhonig; Weleda): Spez. Zubereitung von Zinn mit Honig und Rohrzucker zur Behandlung chronischer Zinnprozesse, z.B. Arthrose und chronischen Leberleiden.
Stannum metallicum praeparatum (Zinnspiegel; Weleda): Spez. Zubereitung als Destillat; allg. zur Behandlung von Zinnprozessen. Organotrop D6 bis D12; funktiotrop D12; als Konstitutionsmittel D30.
Stannum jodatum (Zinnjodid; DHU oder Spagyra): Bei chronischen Schleimhaut- und Lungenleiden mit Gewebeveränderungen, z.B. Emphysem (D12).

Zinnpräparate des Handels

  • Disci comp. cum Stanno Globuli, Ampullen (Wala): Schmerzhafte Deformationen der Wirbelsäule.
  • Metahepat Ampullen (Metafackler): Bewährt zur Eigenbluttherapie bei Leberleiden und chronischen Hautleiden sowie zur Entgiftung.
  • Metaheptachol N Tropfen (Metafackler): Leber- und Galleleiden; Dysbiose; Allergie; Hautleiden; Pruritus.
  • Metamarianum B 12 Tropfen (Metafackler): Darmdysbiose und Leberleiden; Erschöpfungssyndrom.
  • Metasilicea N Tropfen (Metafackler): Bindegewebe- und Bänderschwäche, Varikosis, allg. bei Dysplastik.
  • Metaosymphylen Tropfen (Metafackler): Allg. bei Rheuma und Gelenksleiden, spez. der großen Gelenke und als Begleitmittel bei Knochenleiden wie Osteoporose.
  • Stannum comp. Trit. (Weleda): Akute und chronische Gelenkserkrankungen; Rheuma.
  • Stannum metallicum Salbe (Weleda): Ergußbildung; Gelenksleiden (lokale Anwendung) und bei Leberdepression (nächtlicher Leberwickel).

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