Fichte und Tanne – Lichtsäulen zum Himmel

//Fichte und Tanne – Lichtsäulen zum Himmel

Fichte und Tanne – Lichtsäulen zum Himmel

Obwohl der Weihnachtsbaum in unserem Kulturkreis tief verwurzelt scheint, handelt es sich um einen recht neuzeitlichen Brauch, dass man zur Weihnachtszeit eine geschmückte Tanne oder Fichte in die Stube stellt. Unsere heidnischen Vorfahren, die Kelten und Germanen, verehrten Bäume zutiefst und umtanzten den »Wintermai« (»mai« steht für Blume oder Pflanze) einst an seinem natürlichen Standort. Sicher lich schmückten sie ihre Hütten und Stallungen in der gefährlichen Winterszeit ebenfalls mit immergrünen Zweigen. Dass jedoch Abertausende von Bäumen eigens für diesen Zweck in Monokulturen gezogen werden, um nach wenigen Tagen als Baumleichen aufgetürmt auf ihren Abtransport zur Müllverwertung zu warten, hätten unsere naturverehrenden Ahnen wohl nicht verstanden.

In der heidnischen Naturreligion spielten Bäume eine zentrale Rolle. Sie bildeten die Weltenachse und den Stammbaum der Menschheit, galten als Wohnorte der Götter, und besonders alte und beeindruckende Bäume dienten den Priestern als Kultplatz. Diese Verehrung der Bäume als Bindeglieder zwischen Erde und Himmel, Menschenwelt und Götterwelt, ist dem modernen Menschen leider völlig abhandengekommen. Dabei sind Mensch und Baum unzertrennlich miteinander verknüpft. Denn Bäume atmen unser mit der Atemluft ausgestoßenes Kohlendioxid ein und
scheiden ihrerseits Sauerstoff aus. Bäume sind also nicht nur Bindeglieder zu den kosmischen Kräften, sondern vielmehr die Lungen unserer Erde. Mehr als auf andere Bäume trifft dies auf Fichte (Picea abies) und Tanne (Abies alba) zu, die uns mit ihren immergrünen Zweigen im Winter erfreuen.

Der Weihnachtsbaum als Lebenssymbol

Der Wald war für unsere Vorfahren also ein heiliger Tempel. Für sie waren Bäume noch Tore zu den Göttern und ein Symbol für die lebenserneuernde mütterliche Kraft der Natur. Eindrucksvoll beschreibt Wilhelm Pelikan seine Empfindungen beim Anblick von Fichten und Tannen: »Der Gang durch den Nadelwald schenkt uns eine Urstimmung des Naturdaseins, aus der die Melodie lange vergangener Schöpfungstage aufsteigt. Die feierlichen ernsten Empfindungen, die beim Betreten eines Tannendoms die Seele ergreifen, so dass man sich dem Urgrund der Schöpfung verbunden fühlt, sind ein Erahnen der geistigen Beschaffenheit der Gestirns-Macht, die bei den Koniferen (Nadelbäumen) Pate steht.« Diese himmlische Macht ist die dunkle Sonne Saturn. Saturn, der zusammen mit der Sonne über die Immergrünen regiert, heißt auch »Hüter der Schwelle«, unter anderem weil ihm die letzten Lebensjahre vor dem Tod unterstehen. Die ernste Tanne, Verkörperung saturnaler Kräfte im Pflanzenreich, trifft man daher häufig als Friedhofsbaum an. Einst war sie auch im Totenkult vertreten. Martha Sills-Fuchs erzählt in ihrem Buch »Wiederkehr der Kelten« von einen Brauch, den unsere Urgroßmütter pflegten: Bevor der Sarg geschlossen wurde, legte man den Verstorbenen noch einen Tannensamen in den Mund, damit die Seele durch den daraus wachsenden Baum wie durch einen Tunnel wieder in die kosmischen Gefilde eingehen kann.

Nadelbäume als Lebenselixier

Das altgermanische Wort »Firaha« bedeutet Föhre (Fichte) und Mensch zugleich. Fichte und Tanne haben eine ähnliche Gestalt, verfügen über ähnliche Heilkraft und Symbolik. Beide liefern bewährte Naturarzneien, deren Kräfte von antibiotisch bis schmerzlindernd reichen. Vor allem für die Lungen sind Fichte und Tanne eine Wohltat. Heilkräftig sind sowohl die Harze und die ätherischen Öle, als auch die jungen Triebspitzen beider Nadelbäume. Wir erinnern uns, dass die Harze »stoffgewordenes Sonnenlicht« sind. Dem Baum dienen sie bei Verletzung als Wundkork, und als Heilmittel verfügen sie generell über antimikrobielle und wundheilende Kräfte. Daher verwundert es nicht, wenn Rudolf Steiner speziell das Tannenharz bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) empfohlen hat. Denn die ersten Anzeichen für einen
gestörten Zuckerstoffwechsel sind schlechte Wundheilung und chronische Entzündungen.
Eben dies sind die Hauptanwendungsgebiete für Harze, die innerlich beispielsweise als Milchzuckerverreibung zum Einsatz kommen und äußerlich in Form von Salben gebraucht werden könnten. Doch das Harz lässt sich noch anderweitig verwenden. Insbesondere älteres Fichtenharz, das bereits milchig und trocken ist, dient Förstern und Naturkennern als Kaugummiersatz. Die Harze beider Koniferen kann man auch in Weingeist ausziehen und bei Muskel- oder Gelenksrheuma zur schmerzlindernden Einreibung gebrauchen. Nicht zuletzt bereiten Kräuterkenner im Frühling aus den Triebspitzen den Fichten- oder Tannensirup, ein volksmedizinisches Hustenelixier.

Die anthroposophische Heilmittelfirma Wala stellt aus den Koniferen gleich zwei Lungenarzneien her: Petasites comp. Globuli enthalten Tannentriebspitzen und dienen der Lungenstärkung bei Bronchitis. Plantago Hustensaft enthält Fichtentriebspitzen und eignet sich als besonders milder und wohlschmeckender Hustensaft auch für Kleinkinder.

Zur Weihnachtszeit liefert die Tanne bis heute die Räucherkegel, die man in die Rauchmännchen aus dem Erzgebirge stellt. Allerdings kann man darüber streiten, ob der Rauch von Tannen- oder Fichtenharz nun gut riecht oder nicht. Wichtig ist die Wirkung: Die ernste Tanne reinigt die Atmosphäre, richtet auf und hilft, den Blick in der Zeit der Zwölften nach innen zu richten. Dabei sollte das Harz nur in kleinen Mengen in Räuchermischungen getan werden. Wesentlich erfrischender und entspannend wie ein Waldspaziergang riechen und wirken die frischen Tannennadeln oder auch Fichten- oder Kiefernsprossen als Beigabe zum »nordischen Weihrauch«.

Die wichtigsten Bestandteile eines »nordischen Weihrauchs« finden wir unter den immergrünen Pflanzen. In die Immergrünen ziehen sich die Vegetationsgeister im Winter zurück, in ihnen lebt der Lebensfunke der Sonne fort. Daher verkörpern Immergrüne wie Buchsbaum, Mistel oder  Tanne die unbesiegbare Kraft der Sonne. Dies macht sie nicht nur zu wertvollen Heilmitteln, sondern eben wegen ihrer Symbolik spielen sie im Ahnenkult eine Rolle. Seit Jahrtausenden ist es üblich, mit immergrünen Pflanzen Gräber zu schmücken. Sie sind eine Botschaft, dass das Leben nicht mit dem Tod endet, sondern ewig währt. Im ewigen Grün lebt die Sonnenseele des Menschen bis zu ihrer Wiedergeburt weiter. Immergrüne Pflanzen sind daher die eigentlichen Mysterienpflanzen der Wintersonnenwende.

Rezept: Gesund durch den Winter

Früher zählte man das Leben eines Menschen nicht nach seinen Geburtstagen, sondern nach den Wintern, die er überlebte. Mit immergrünen Pflanzen und der Eiche als Kraftbaum, kommt man aber auf jeden Fall gesund durch die kalte Jahreszeit.

• Buxus sempervirens D4 (Buchsbaum)
• Hedera helix D2 (Efeu)
• Pinus silvestris Urtinktur (Lungenkiefer)
• Quercus robur Urtinktur (Eiche)
• Usnea barbata Urtinktur = D1 (Bartflechte)
jeweils 20 ml

Über eine Apotheke von Spagyra bestellen und mischen lassen oder selber bestellen und mischen (www.spagyra.at); Dosis: vorbeugend 2-mal täglich 15 bis 20 Tropfen.
Wegen ihrer abwehrsteigernden Wirkung eignen sich vor allem Echinacea-Präparate als Ergänzung, z. B. Esberitox NTabletten von Schaper & Brümmer.

 

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