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Die Signaturen der Leberheilpflanzen von Margret Madejsky

“Was ein Glied präformiert, hat von Natur starken Trieb in dieses Glied zur Stärkung und Erhöhung seines Lebens, Lungenkraut: Lungen; Borragen: Augen; Orchis: Testikel; Nymphenblätter. Uterus; Zäpfleinkraut. das Zäpflein; Nabelkraut: den Nabel; Anacardium: das Herz; Wegerich: die Musculos; Hirschzunge: die Milz; Edelleberkraut: die Leber; Schöllkraut: die Gall, Bilsensamenschötlein: die Zähn; Hohlwurz: den Magen usw.”
(Johann Cudrio von Tours 1659; zitiert nach Schlegel)

Die Signaturenlehre

Die Signaturenlehre wird im allgemeinen als Arzneilehre definiert, bei der das Äußere einer Pflanze, beispielsweise Blütenfarbe oder Blattform, auf das Innere, also auf Wesen und Wirkung, schließen lässt. Gerade auf dem Gebiet der Leberheilpflanzen beweist die Signaturenlehre einmal mehr ihre Gültigkeit, denn alle gebräuchlichen Phytotherapeutika für Leber und Galle sind als solche “gezeichnet”. Nach der Signaturenlehre sind Pflanzen, die gelb blühen, gelbe Wurzeln oder gelb färbende Säfte haben, Heilmittel für die Gelbsucht. Paradebeispiel für eine gelbblühende Arzneipflanze ist das Schöllkraut. Schon Paracelsus bemerkte: “Warum ist Chelidonia eine Arznei bei Gelbsucht. Wegen seiner Anatomie …” (Bd. II, S. 279). Unter Anatomie verstand der Meister der Signaturenlehre zum einen die Blattform, auf die wir später noch eingehen werden, und zum anderen die Farbe. “Die Natur hat jedem Kraut eine besondere Farbe in den Blumen und Blättern gegeben und du willst sagen, dass es nur zufällig und ohne Grund in einem Kraut anders als in dem anderen ist” (Paracelsus Bd. I, S.658).

Das gelbe Prinzip der Leberheilpflanzen

Die gelbe Farbe der Schöllkrautblüten, der Wurzeln und des Milchsaftes zeigt Sympathie zur Gelbsucht. Interessant ist nun, dass eben diese Farbsignatur ihre Gültigkeit bis in die Chemie hinein beweist. Die für die orangegelbe Farbe des Milchsaftes verantwortlichen Alkaloide Berberin und Chelidonin sind nämlich das galletreibende Prinzip des Schöllkrauts. Analog wirken auch andere gelbe Pflanzenfarbstoffe auf Leber und Galle. Beispielsweise sind Schmuckdrogen wie Katzenpfötchen oder Ringelblumen nicht grundlos obligater Bestandteil volksmedizinischer Leber-Galle-Teemischungen, ihren Flavonoiden (von lat. flavus = gelb) wird eine galletreibende Wirkung zugesprochen (Wichtl 1989). Auch Gewürzpflanzen wie der Gelbwurz kommt aufgrund des gelben Farbstoffes Curcumin eine cholagoge und choleretische Wirkung zu (Weiß 1991). Dementsprechend wirken andere gelbfärbende Gewürze wie Curry-Mischungen oder Safran ebenfalls galletreibend, was Gallensteinpatienten bestätigen können.

Astromedizinisch ordnet man die gelbe Farbe der Sonne, aber auch dem Jupiter zu, der über die Leber regiert. Daher verwundert es nicht, dass auffällig viele bewährte Leberheilpflanzen gelb blühen: Benediktenkraut, Berberitze, Enzian, Goldrute, Johanniskraut, Katzenpfötchen, Löwenzahn, Odermennig, Ringelblume, Schöllkraut und Wermut. In letzter Konsequenz lässt dies vermuten, dass viele weitere Pflanzen, die das gelbe Prinzip in sich tragen, potentielle Heilpflanzen für Leber und Galle sind. Wichtig ist im Grunde nur, ob sich die gelbe Signatur an einer freundlichen Ringelblume oder an einer sogenannten Giftpflanze wie beispielsweise Gelsemium zeigt, denn dies hat Auswirkung auf Dosis und Art der Anwendung. Schließlich ist aber die Farbe nicht die einzige Signatur und sollte daher auch nur im Zusammenhang mit den übrigen “Zeichen” betrachtet werden.

Der gelbe und bittere Milchsaft und die gelben Blüten mit lappigen Blättern zeigen Signaturen mit Bezug zu Leber und Galle

Paracelsus erblickte im orangegelben Milchsaft des Schöllkrauts noch einen weiteren Fingerzeig seiner Lehrmeisterin Natur: “Wie eine Frau ihre Menstruation hat, so hat es auch diese Wurzel und das Kraut; das beweist die Anatomie. Wenn man es aufschneidet, fließt ein Saft, der dem Menstrualblut gleicht aus.” Dieser Signatur wegen sollte Schöllkraut in der Frauenheilkunde viel intensiver erprobt und genutzt werden. Manche Komplexmittel für Frauen enthalten Chelidonium, z.B. “Phyto-Hypophyson L” von Steierl. Bei Dysmenorrhoe, Myom, Zysten, (v.a. rechtsseitigem) Menstruationskopfschmerz oder beim Post-Pill-Syndrom ist es immer hilfreich, eine Leberstütze mit Chelidonium zu verordnen (z.B. Hepatik von Soluna), denn diese Frauenleiden gehen, vor allem nach jahrelanger Einnahme synthetischer Hormone, nicht selten mit Leberschwäche einher.

Es muss nicht unbedingt eine Gelbsucht sein, die uns zur Wahl einer gelben Heilpflanze führt. Wie die Arznei, so ist auch der Kranke auf vielfältige Weise “gezeichnet” – beispielsweise können nach künstlichen Hormonen vermehrt Leberpigmente im Auge auftreten, oder die Hand wird insgesamt trockener und faltiger, vor allem sind die Innenseiten der Finger mehr oder weniger stark längsgerillt, und im Extremfall, also bei Fettleber oder Zirrhose, können die Fingernägel milchig weiß werden. Für Paracelsus waren die sichtbaren Krankheitssymptome “Früchte der Krankheit”, und der Arzt sollte in der Natur nach ähnlichen “Früchten” suchen.

In der Gynäkologie könnte das Schöllkraut ebenfalls gute Dienste leisten, denn bei dem Beinamen “Warzenkraut” handelt es sich schließlich auch um eine Signatur, also ein Zeichen im weitesten Sinn. Daher könnte Chelidonium neben Thuja zu den Kardinalpflanzen bei Papillomen gehören. Ähnlich wie der Lebensbaum in den Früchten das Bild der Warze trägt, kann man auch in den jungen Blütenknospen des Schöllkraut die Warzenform wiedererkennen.

Was die Steine bricht

Doch damit sind die Signaturen dieser weitverbreiteten Ruderalpflanze keineswegs erschöpft. Wie so viele Mauerblümchen besitzt auch das Schöllkraut steinbrechende Kräfte, denn: “Du wirst dir merken, dass ein steinbrechendes Mittel einen Stein leicht bricht” (Paracelsus Bd. I, S. 930). Die steinerweichenden Kräfte kann man nämlich sehen: Um die Wurzeln von Löwenzahn oder Schöllkraut findet man manchmal haarfeine Risse im Mauerwerk. Die Wurzeln sondern nämlich Säuren ab und erweichen auf diese Weise im Lauf der Zeit sogar Betonplatten. Wenn sich eine Signatur derart augenfällig präsentiert, dann ist es naheliegend, bei Gallengrieß oder -steinen nicht einfach nur irgendeinen Gelbblüher zu verordnen, sondern den Bezug zum Mineralischen mitzubeachten, also bei der Wahl der Heilpflanze das Wachstum in Mauerritzen oder auf steinigem Boden (z.B. Katzenpfötchen) mitzubeachten.

Um Gallensteinen vorzubeugen, haben die Anthroposophen zwei Arzneikomplexe geschaffen, die das gelbe Prinzip in sich tragen: “Chelidonium comp., Kapseln” von Wala, die mehr bei hepatogener Verdauungsschwäche mit Meteorismus bewährt sind, und “Choleodoron” von Weleda, das neben Schöllkraut auch Gelbwurz enthält und sich zur Anregung der Cholerese eignet.

Blüten, Holz, Wurzel und Pflanzensaft der Berberitze sind gelb. Die Farbe des Jupiter, der im Menschen über die Leber regiert, zeichnet viele Leberpflanzen aus.

Dem Schöllkraut ähnlich, zeigt auch die Berberitze Sympathie zum Gallenstein, unter anderem wegen ihrer harten Wurzel. Mein Kollege Dr. Max Amann erzählt gerne, dass sich einmal eine Patientin, die ihm etwas schuldig geblieben war, anbot ihm eine selbstgegrabene Berberitzenwurzel zu zerkleinern. Der Ehemann machte sich mit der Kreissäge an der getrockneten Wurzel zu schaffen und verschliss dabei gleich mehrere Sägeblätter! Somit zeigen die Heilpflanzen für Leber und Galle durch ihre Signaturen unterschiedliche Wirkungsschwerpunkte. In den Dornen der Berberitze spiegeln sich beispielsweise auch stechende Beschwerden wieder, wie sie bei Cholelithiasis oder auch bei Hepatitiden vorkommen. Wenn also die Betroffenen über stechende Schmerzen klagen, dann verordnet man eben dornige oder stachelige Leberpflanzen wie Benediktenkraut, Berberitze oder Mariendistel, denn in den Stacheln und Dornen erblicken wir Spiegelbilder der Krankheit. Lange vor Hahnemann forderte Paracelsus: “In keiner Weise wird eine Krankheit durch entgegengesetzte Mittel geheilt, sondern nur durch ihr ähnliche” (Bd. III, S. 457).

Ferner wies Paracelsus darauf hin: “Was die Gelbsucht macht, heilt auch die Gelbsucht” (Bd. II, S. 389) – wobei es nach Paracelsus allein von der Dosis abhängt, ob eine Pflanze giftig oder heilkräftig ist. Dies erinnert mich an die Krankengeschichte meines Vaters, der vor mehr als zehn Jahren plötzlich unter Gallenkoliken litt. Eine Naturheilärztin verordnete ihm daraufhin einen Schöllkrautextrakt. Durch die Einnahme der galletreibenden Schöllkrauttropfen bekam er nun mehrmals täglich heftige Gallenkoliken. Also setzte ich den Extrakt ab und suchte einen Arzneikomplex mit homöopathisch verdünntem Schöllkraut (ehemals “Metahepat” von metaFackler). Daraufhin endeten die Gallenkoliken sofort, und bei den folgenden Ultraschallkontrollen wurde der Gallengrieß immer kleiner, und mein Vater blieb nach einer mehrmonatigen Kur mit diesem Komplex bis heute völlig beschwerdefrei.

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Wegbegleiter der Zivilisation

Die Tatsache, dass uns das Schöllkraut bis zur Haustür folgt, birgt eine weitere Botschaft in sich. Um es wiederum mit den Worten des Paracelsus auszudrücken: “Wo Krankheit, da Arznei, wo Arznei, da Krankheit” (Bd. I, S. 378). Weil Schöllkraut zu den Wegbegleitern der Zivilisation gehört und indem es scheinbar allen Umweltgiften trotzt, zeigt es seine Kräfte gegen sogenannte Umwelterkrankungen3. In der Signaturenlehre spielen ja meist zwei Motive eine Rolle: Entweder man sucht nach Ähnlichkeiten zwischen Krankheit und Arznei, wie wir sie bei den gelben Pflanzen und der Gelbsucht finden. Oder man will sich mit der Pflanze etwas Fehlendes einverleiben, beispielsweise möchte man mit der Einnahme von Schöllkraut auch dessen Resistenz gegenüber Umweltproblemstoffen erwerben.

Die Steinbrechende Kraft des Löwenzahns hat sich auch bei Gallensteinen bewährt – zudem liebt es gut gedüngte Felder, ein Zeichen für die Ausleitung von Umweltgiften; sein weißer und bitterer Saft zeigt auch den Bezug zur Lymphe

“Nach der Signaturenlehre ist die gelbe Färbung (des Löwenzahn) das äußere Zeichen, das auf die Brauchbarkeit bei Gelbsucht hinweist” (Rudolf Hänsel; Phytopharmaka 1991)

Das genügsame und umweltresistente Chelidonium eignet sich in der Tat, um bei Umweltbelastung die Leber offenzuhalten. Daß es einen eher öffnenden und somit sekretionsfördernden Charakter hat, läßt sich durch eine Geschmacksprobe erfahren. Die Droge schmeckt in der Regel bitter und lässt einem das Wasser im Mund zusammenfließen. Wenn man dagegen am orangegelben Milchsaft leckt, der am Rand eines zerrissenen Blattes austritt, dann überwiegt die Schärfe. Im Gegensatz zum bitter und scharf schmeckenden Schöllkraut, das spürbar die Säfte ins Fließen bringt, also öffnet, hat der Odermennig, die “Leberklette” der Volksmedizin, eher eine zusammenziehende Wirkung. Odermennig wirkt wegen der Gerbstoffe spürbar austrocknend und zeigt damit, dass dieser Gelbblüher eher für den Leberschwachen mit Durchfallneigung geeignet ist.

Nicht zuletzt blüht das Schöllkraut viele Monate, und seine Blätter sind ähnlich wie beim Salbei bis in den Winter grün, dann jedoch saftarm. Im übertragenen Sinn heilt alles, was lange währt, insbesondere die chronischen Zustände4. Gerade bei chronischen Leberleiden sind Erschöpfungszustände üblich, und die entsprechenden Heilpflanzen gehören dann entweder zu den lebenskraftspendenden Unkräutern, oder sie zeigen durch rote Farbe, Dornen oder Schärfe5, daß sie dem kraftspendenden Mars unterstellt sind, der im Menschen über die Galle regiert.

Anatomische Verwandtschaft

Schließlich zeigen Schöllkraut wie auch andere Leberheilpflanzen noch anatomische Verwandtschaft mit dem Zielorgan. Das dreilappige Blatt zeigt nämlich gewisse Ähnlichkeit zur Leber, die ebenfalls in drei Lappen unterteilt ist. Neben dem Schöllkraut weisen auch Erdbeere, Fieberklee, Leberblümchen und das fast vergessene Brunnenlebermoos diese Signatur auf. Die Blattform ist immerhin eine der ursprünglichsten Signaturen. Weltweit und zu allen Zeiten haben die Naturvölker wie auch unsere Volksmediziner an der Blattform erkannt, ob es sich um eine Heilpflanze für Leber oder Lunge handelt. Paracelsus griff diese Art der Heilmittelfindung aus der Volksmedizin auf: “(…) ich habe über 80 Bauern gekannt, die die Kräuter nur wegen ihrer Form und
Anatomie mit den Krankheiten verglichen haben, und sie haben vor meinen Augen damit wunderbar und gut geholfen” (Bd. I, S. 672). Er führte den Vergleich der Anatomien von Mensch und Pflanze immerhin als seiner sieben Erkenntniswegen auf: “Ferner sind auch die (Arznei-) Künste aus der Anatomie genommen worden, dass Form und Form zusammenfallen und dass die Form anzeigt, wozu die verschlossene Kraft gut ist, die unter der Form verborgen liegt” (Bd. II, S. 321). Wenn sich die Natur dem Menschen also wirklich mitteilen will, dann muß der Schlüssel zur Arznei auch einer sein, den bereits der Urzeitmensch zu gebrauchen wußte. Farbe zu Farbe oder Form zu Form sind also uralte und bewährte Wege der Heilmittelfindung.

Die Blätter des “Edelleberkraut” sind dreilappig und zeigen damit anatomische Verwandtschaft zur Leber, die ebenfalls in drei Lappen unterteilt ist

“Alles, was runde, doch zerteilte, oder grob zerkerbelte Blätter hat, das hat Sympathie zur Leber, als Erdbeerkraut (…) (Johann Cudrio von Tours, 1659; zitiert nach Schlegel)

Beispiele für Heilpflanzen mit Lebersignaturen und deren Anwendung

  • Benediktenkraut (Cnicus benedictus): Gelbe Blüten (= Gelbsucht) und Stacheln (= stechende Schmerzen). Als Bitterdroge in Leber-Galle-Tees sowie im Leberfunktionsmittel “Cheiranthol” von Klein.
  • Berberitze (Berberis vulgaris): Gelbe Blüten und gelber Saft (= Gelbsucht), sehr hartes Holz (= Neigung zu Verhärtung, bzw. Steinbildung); dreizählige Dornen (=stechende Schmerzen). Der Wurzeldekokt wurde von Kneipp bei Leberentzündung, Gelbsucht und Gallenleiden empfohlen. Phytotherapeutisch sowie homöopathisch gebraucht man Berberis bei hepatogener Verdauungsschwäche sowie zur Rezidivprophylaxe von Gallensteinen (z.B. “Chelidonium comp.”, Kapseln von Wala). Das gelbfärbende Alkaloid Berberin wirkt cholagog (Hänsel 1991).
  • Enzian, gelber (Gentiana lutea): Gelbe Blüten und gelbe Wurzel (= Gelbsucht). Vor allem als Amarum gebraucht. Zur Entlastung des Leberstoffwechsels bei Virusinfekten in “Metavirulent” von meta Fackler enthalten. Bei hepatogener Verdauungsschwäche zus. mit Löwenzahn und Wermut in “Gentiana Magen Globuli” von Wala.
  • Erdbeere (Fragaria vesca): Dreilappige Blätter (= Leberheilpflanze). Die Blätter sind häufiger Bestandteil von Hausteemischungen. Erdbeerblätter sind, wie Odermennig, bei Leberschwäche mit Durchfallneigung indiziert. Erdbeer- und Weinblätter sind kombiniert in “Hepatodoron” Tabl. von Weleda, das die anthroposophische Basistherapie bei chronisch-entzündlichen und degenerativen Lebererkrankungen bildet.
  • Fieberklee (Menyathes trifoliata): Dreilappige Blätter (= Leberheilpflanze). Die Blätter sind seltener Bestandteil volksmedizinischer Lebertees. Homöopathisch sind Urtinktur, bzw. Tiefpotenzen bei Kopfschmerzen indiziert (z. B. “apo-Dolor” von Pekana) und entlasten den Leberstoffwechsel bei fieberhaften Infekten.
  • Goldrute (Solidago virgaurea): Gelbe Blüten (= Gelbsucht) und Wachstum entlang von Straßen und Bahngleisen (=Toleranz gegen Umweltgifte). Bewährt ist die Einnahme von Leberarzneien in oder mit Goldrutentee. Das Kraut entlastet die Leber und enthält “Vit. P”, d. h. Flavonoide, vermindern die Gefäßpermeabilität.
  • Johanniskraut (Hypericum perforatum): Gelbe Blüten (= Gelbsucht), harter Stengel (= Neigung zu Verhärtung), perforierte Blätter (= stechende Schmerzen). Volksmedizinisch wird Rotöl bei Leberschwellung zur Einreibung gebraucht. Innerlich regen Rotölkuren die Ausscheidung von Gallengrieß an (Achtung: Kolikgefahr!) und lindern Gallenkopfschmerz (z.B. Stoßtherapie im Beginn mit “Hyperforat” Dragees von Klein). Hypericum ist den Leber-Galle-Mitteln “Cheiranthol” und “Marianon” von Klein enthalten.
  • Katzenpfötchen (Helichrysum arenarium): Gelbe Blüten (= Gelbsucht), Wachstum auf sandigem bis steinigem Boden (= Bezug zum Gallengrieß). Die Blüten finden sich als Schmuckdroge in volksmedizinischen Leber-Galle-Tees. Die Flavonoide wirken choleretisch (Wichtl 1989).
  • Leberblümchen (Hepatica nobilis): Der Name Hepatica leitet sich von hepar = Leber ab, wegen der an eine Leber erinnernden Blattform. Das Kraut wird volksmedizinisch bei Gallensteinleiden und Leberschwellung in Teemischungen getrunken. Es ist Bestandteil des spagirischen Leberfunktionsmittels “Hepatik” (Solunat 8) von Soluna.
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale): Gelbe Blüten (= Gelbsucht), Unkraut (=Vitalitätsspender), Ruderalpflanze (= Umweltresistenz), hohler Stängel (=Antidyskratikum), Überdüngungsanzeiger (=Tendenz zu Fettleber). Künzle empfahl den Wurzeldekokt zum Lösen von Gallensteinen. Die Wurzel wirkt choleretisch, verbessert aber auch die Galleproduktion in der Leber (Madaus 1938). Löwenzahn ist Bestandteil blutreinigender Frühjahrskuren (Wurzeltee, junge Blätter als Salat) sowie von Leberfunktionsmitteln wie “Hepatik” (Solunat 8) von Soluna oder “Taraxacum comp.” von Ceres. Er bewährt sich auch bei hepatogener Verdauungsschwäche (“Gentiana Magen Globuli” von Wala).
  • Mariendistel (Silybum marianum = Carduus marianus): Purpurne Blüten (= Farbe des Mars, Gallenbezug), Dornen (= stechende Beschwerden) und Kulturbegleiter (= Resistenz gegen Umweltproblemstoffe). Kardinalheilpflanze für die Leber. Bestandteil bewährter Leberfunktionsmittel (“Hepatik” Solunat 8 von Soluna, “Marianon” von Klein, “Metamarianum B12 N” von meta Fackler). Als Monopräparat zur Prophylaxe und Therapie toxischer Leberschäden indiziert (z. B. “Carduus marianus Kapseln” von Weleda), bei Leberfunktionsstörungen bei Hepatitiden, bei chronisch-degenerativen Lebererkrankungen wie Fettleber und Leberzirrhose, ferner bewährt bei hepatogenen Erschöpfungszuständen.
  • Odermennig (Agrimonia eupatoria): Gelbe Blüten (= Gelbsucht), Klettfrüchte (= Entgiftungssignatur). Heißt auch “Leberklette” und ist Bestandteil volksmedizinischer Leber-Galle-Tees sowie bewährter Leberfunktionsmittel (z. B. “Hepatik” Solunat 8) von Soluna, “Metamarianum B12N ” von meta Fackler. Wegen des Gerbstoffgehaltes empfiehlt sich der Tee bei Leberschwäche mit Durchfallneigung.
  • Ringelblume (Calendula officinalis): Gelbe Blüten (= Gelbsucht). Die Blüten schmücken Leberteemischungen. Die gelben Blütenfarbstoffe erwiesen sich als choleretisch (Wichtl 1989), und die Saponine wirken blutfettsenkend (Hänsel 1991).
  • Schöllkraut (Chelidonium majus): Gelbe Blüten und Wurzeln, orangegelber Milchsaft und dreilappige Blätter zeigen die Leberheilpflanze an (siehe Text). Der Wurzeldekokt wurde von Dioskurides bei Gelbsucht empfohlen. Paracelsus rühmte Chelidonium auch bei Gelbsucht und Gallenleiden. In der Phytotherapie wie auch in der Homöopathie ist Schöllkraut ein Kardinalmittel bei Gallenerkrankungen sowie bei Leberfunktionsstörungen. Für die choleretische Wirkung sind die gelbfärbenden Alkaloide Berberin und Chelidonin verantwortlich. Chelidonium bewährt sich bei Cholelithiasis (z.B. “Metamarianum B12N” von metaFackler), zur Gallenstein-Rezidivprophylaxe (z. B. “Choleodoron” von Weleda oder “Chelidonium comp. Kapseln” von Wala) und bei hepatogener Agrypnie o. Cephalgie (“Hepatik” von Soluna).
  • Wermut (Artemisia absinthium): Gelbe Blüten (= Gelbsucht). Als Bittermittel in Verdauungstropfen (z. B. “Abdomilon” von Redel) enthalten. Ferner Bestandteil der galletreibenden Spezialität von Klein “Marianon” sowie von “Gentiana Magen Globuli” von Wala.

Literaturempfehlungen

  • Croll, O.: Von den innerlichen Signaturn oder Zeichen aller Dinge, Johann Friedrich Weißen u. Gottfried Tampach, Frankfurt a. M. 1623
  • Hänsel, R.: Phytopharmaka, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1991
  • Madejsky, M.: Signaturlehre, NHP 11/1997
  • Madejsky, M.: Die Botschaften der Zaunkräuter, NHP 4/2001
  • Paracelsus: Sämtliche Werke (Aschner-Ausgabe), Anger Verlag Eick, 1993
  • Pelikan, W.: Heilpflanzenkunde, Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, CH-Dornach 1958
  • O. Rippe, M. Madejsky, M. Amann, P. Ochsner, Ch. Rätsch: Paracelsusmedizin, AT Verlag, CH-Aarau, 2001
  • Schlegel, E.: Religion der Arznei, Joh. Sonntag Verl., Regensburg 1987
  • Wagner, H.: Pharmazeut. Biologie, G. Fischer Verl., Stuttgart 1993
  • Weiss, R.: Lehrbuch der Phytotherapie, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1990
  • Wichtl, M.: Teedrogen, Wissenschaftl. Verlagsges., Stuttgart 1989

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Die in diesem Artikel aufgeführten Rezepte und Behandlungshinweise verstehen sich ausschließlich als Lehrbeispiele und können daher auch weder den Arztbesuch noch eine individuelle Beratung durch einen Heilpraktiker bzw. Arzt ersetzen. Sie sind nicht als Ratschläge zu einer Selbstbehandlung gedacht, sondern wollen lediglich einen Einblick in Therapiemöglichkeiten geben! Die Einnahme der genannten Heilmittel wie auch die Anwendung der Rezepturen oder das Befolgen der Therapieempfehlungen geschieht stets auf eigene Verantwortung. Sollten Sie nicht die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde haben und über eine entsprechende Erfahrung verfügen, ist es empfehlenswert, sich vor jeder Anwendung kompetenten Rat bei einem Arzt oder einer Ärztin, einem Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin einzuholen. Es ist in jedem Fall ratsam, sich vor der Anwendung eines Heilmittels über mögliche Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen zu informieren. Auch sollte die nur modellhaft angegebene Dosierung grundsätzlich überprüft und individuell angepasst werden. Bitte beachten Sie ebenso alle Warnhinweise und Anwendungsbeschränkungen der jeweiligen Beipackzettel.

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