 |
Die vier göttlichen Wurzeln der Existenz
Die antike Vier - Elementen - Lehre und ihre Bedeutung in der Kräuterheilkunde
von Olaf Rippe
mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis
"Wer sie nicht kennte, / Die Elemente,
/ Ihre Kraft / Und Eigenschaft, / Wäre kein Meister / Über die Geister",
Johann Wolfgang v. Goethe
Über zwei Jahrtausende war
die antike Lehre von den vier Elementen das beherrschende Denksystem des
Abendlands. Aber anders als in der chinesischen oder ayurvedischen Medizin,
die auf ähnlichen Vorstellungen beruhen, schenkt man in der abendländischen
Heilkunde der Elementenlehre kaum noch Beachtung, dabei ist sie die Grundlage
wichtiger Heilverfahren wie der Kräuterheilkunde, Spagirik, Astro- oder
Humoralmedizin. Auch alte Kräuterbücher, die Texte von Hildegard und Paracelsus
oder die therapeutischen Ansätze der anthroposophischen Medizin, werden
durch die Elementenlehre erst wirklich verständlich.
Bild 1: Jesus inmitten der vier Elemente. Seine Haltung zeigt die magische
Geste "Wie oben, so unten". Er steht auf der Erde, in der sich die Elemente
physisch manifestieren. Miniatur aus Bartholomaeus Anglicus: De proprietatibus
rerum, 15 Jh.
Vor allem kennt dieses alte
Weltbild einen qualitativen Zugang zur Natur, der in der stofforientierten
Heilkunde unserer Zeit fast vollständig verloren gegangen ist.
Den Unterschied zum heute vorherrschenden
materialistischen Weltbild formulierte der Anthroposoph E.M. Kranich mit
den Worten: "Die Elemente sind ein Prozeß lebendigen Zusammenwirkens
von Qualitäten, die nur geistig zu fassen sind. Wenn man sich mit
den Elementen beschäftigt, befindet man sich in einem lebendigen
Geschehen; bei den Stoffen steht man vor Objektenquot;. Somit entfremdet die
Betonung des Stofflichen im Denken den Menschen von der Natur und damit
von sich selbst.
Es ist also mit Sicherheit
ein Fehler, die eigene Tradition zu belächeln oder gar zu leugnen, denn
als ganzheitliches Weltbild ist die abendländische Elementenlehre sehr
wohl von Nutzen und dazu geeignet, die wahre Natur von Krankheitsprozeß
und Heilmittel zu erkennen.
|
 |
Von der Philosophie zur Humoralmedizin
"Denn die vier Wurzelkräfte aller Dinge höre zuerst: Zeus,
der schimmernde und Here, die lebensspendende sowie Aidoneus und Nestis,
die durch ihre Tränen fließen läßt irdischen Springquell",
Empedokles von Agrigent1.
Die Vorstellungen über das Wirken der Urkräfte gehen auf den
antiken Philosophen Empedokles von Agrigent (5 Jh. v. Chr.) zurück.
Er nannte sie Feuer, Wasser, Luft und Erde, erst Platon sprach von Elementen.
Aristoteles fügte diesem System noch
ein fünftes Element hinzu, auch Quintessenz oder Äther genannt.
Es ist die Vereinigung der vier Urkräfte sowie deren Ursprung und
Vollendung. Als geistiges Prinzip finden wir sie aber in allen Erscheinungen
wieder. Sie ist die Vereinigung der Gegensätze: Feuer und Wasser,
Sonne und Mond, männlich und weiblich, Wissen und Liebe. Die Quintessenz2
aus der Natur freizusetzen und als Heilmittel zu nutzen, ist die geheime
Kunst der Alchimie.
Aristoteles führte auch die qualitative
Unterscheidung der Elemente ein (Wärme, Kälte, Trockenheit,
Feuchtigkeit).
"Jedes Element hat zwei spezifische Eigenschaften, wovon es die erste
für sich ausschließlich besitzt, durch die zweite aber wie
durch ein Medium mit dem folgenden Element zusammenhängt. Das Feuer
ist warm und trocken, die Erde trocken und kalt, das Wasser kalt und feucht,
die Luft feucht und warm" (Agrippa v. Nettesheim).
Die jeweils erstgenannte Eigenschaft bildet die primäre Qualität
eines Elements; Feuer wäre demnach mehr warm als trocken, Erde mehr
trocken als kalt, Wasser mehr kalt als feucht und Luft mehr feucht als
warm.
Polybos, Schwiegersohn des Hippokrates,
entwickelte aus der Elementenlehre die Vier-Säfte-Lehre (humores
= Säfte) und ein darauf aufbauendes Therapiesystem, die Humoralmedizin.
Gesundheit entspricht nach diesem System einer harmonischen Verteilung
der vier Säfte (Eukrasie), beziehungsweise der Elemente: Blut (Luft),
Schleim (Wasser), schwarze Galle (Erde) und gelbe Galle (Feuer). Krankheit
ist dagegen eine falsche Säftemischung (Dyskrasie), beziehungsweise
das Überwiegen eines Safts oder eines Elements. Nach antiken Vorstellungen
erfolgt die Therapie durch Entleeren des überschüssigen Saftes
(Ausleitung der "materia pecans" = schuldige Materie).
Bild 2: Die vier Temperamente. Medizinhistorisches Museum Zürich.
Der griechische Arzt Galenos (129 bis 199 n. Chr.) wandte die Säftelehre
auch auf seelische Vorgänge an. Die falsche Säftemischung führt zur Entstehung
der vier Temperamente: Melancholiker (Erde; melanos = schwarz, chole =
Galle), Sanguiniker (Luft; sanguis = Blut), Phlegmatiker (Wasser; phlegma
= Dampf), Choleriker (Feuer; chole = Galle). Nach dem Untergang Roms entwickelten
arabische Ärzte wie Avicenna die Elementenlehre weiter. Durch die Kreuzzüge
kam das Wissen wieder zurück nach Europa und beeinflusste die Medizin
des Mittelalters erheblich. Im Spätmittelalter und in der Renaissance
erlebte die Elementenlehre ihre letzte Hochblüte. In der Neuzeit begann
schließlich ihr Niedergang, der bis heute andauert.
|
 |
Die Elemente und ihre Eigenschaften
"Dies ist die Wurzel und Grundlage aller
Körper, Naturen, Kräfte und wunderbaren Werke; wer diese Eigenschaften
der Elemente und ihre Mischungen kennt, der wird ohne Schwierigkeit wunderbare
und erstaunliche Dinge vollbringen und ein vollendeter Meister der natürlichen
Magie sein", Agrippa v. Nettesheim.
Bild 3: Die Dreiecke als Symbole der Elemente: Erde, Wasser, Luft und
Feuer.
Chymisches Lustgärtlein, Stoltzius von Stoltzenberg; 1624.
Der Charakter
der Elemente zeigt sich schon in ihrer Symbolik: Ein Dreieck nach oben
haben Feuer und Luft, dies zeigt ihre aktive männliche Kraft. Wasser
und Erde haben dagegen ein Dreieck nach unten; es verweist auf ihre passive
weibliche Kraft. Die Elemente sind damit polar geordnet, ähnlich
dem Yang-Yin-System der chinesischen Medizin. Feuer (Yang) und Wasser
(Yin) bilden die Grundpolarität der Elemente. In der Alchimie haben
sie symbolisch das gleiche Gewicht. Das Element Luft verbindet diese zwei
Grundkräfte miteinander. Das Ergebnis des Zusammenwirkens dieser
drei Kräfte sind die Manifestationen im Element Erde.
Bildhaft beschrieb Hermes Trismegistos3 das schöpferische
Zusammenwirken der Elemente: "Sein Vater ist die Sonne (Feuer), seine
Mutter der Mond (Wasser), der Wind (Luft) hat es in seinem Bauch getragen,
seine Amme ist die Erde".
Zuordnungen zu den Elementen
Neben Körpersaft und Temperament ordnet
man den Elementen und ihren Qualitäten unter anderem auch Organe,
Krankheitsprozesse und Heilmittel, insbesondere Pflanzen, zu.
Dabei unterscheidet man beispielsweise ein
trockenes Fieber (Feuer) von einem Fieber mit Schweiß (Luft). Akute
Krankheiten sind feurig/luftig, chronische dagegen erdhaft/wässrig.
Von den Organen sind zum Beispiel Herz und
Galle feurig, Leber und Lymphe wässrig, Niere und Hormonsystem luftig,
Lunge und Bewegungsapparat erdhaft.
Kräuter mit Herzwirkung stärken
Selbstwahrnehmung und Ich-Bewußtsein (Feuer), Leberheilpflanzen
regenerieren den Organismus (Wasser), Nierenmittel wirken auf unsere Gefühlssphäre
(Luft) und Lungenmittel stärken die physische Konstitution (Erde).
Die Pflanzenteile ordnete Agrippa von Nettesheim wie folgt zu: "Bei
den Pflanzen gehören der Erde an die Wurzeln wegen ihrer Dichtheit,
dem Wasser die Blätter wegen ihres Saftes, der Luft die Blüten
wegen ihrer Feinheit, dem Feuer der Same wegen seines erzeugenden Geistes."
Feuer
Das Feuer ist als erstes durch
den Weltgeist aus der Finsternis entstanden und durchflutet alles mit
Licht und Wärme. Es ist die Ordnung nach dem Urchaos der Schöpfung. Feuer
ist das aktive schöpferische Prinzip, die Intuition, Bewegung, Potenz,
Kraft und der Wille zur Existenz. Für den Menschen ist es das Bewußtsein
seiner selbst (mentaler Körper), sein Feuer der Liebe, seine Begeisterung,
Lust und Erkenntnis.
Bild 4: Mit Blitz und Donner offenbaren sich die Gottheiten des Elements
Feuer. William Blake, 1794.
Charakter: Warm - trocken; strahlend; brennend, aktiv.
Alchimie: Sulfur; alle Prozesse bei denen man Wärme verwendet.
Bewußtseinsform: Intuition.
Temperament: Cholerisch.
Organe: Herz, Arterien, Galle, Muskulatur, Abwehrprozesse.
Säfte: Gelbe Galle.
Geschmack: Scharf, brennend, bitter, warm, zusammenziehend.
Geruch: Beißend, krautig, würzig, warm, balsamisch, intensiv.
Pflanzensignatur: Reifung, Umwandlung der Blütenkraft in Samen.
Verhärtungsprinzip; Ausbildung harter Hölzer (Zimtrinde, Eiche, Berberitze).
Umwandlung des Blattprinzips in Nadeln oder Dornen (Berberitze, Schlehe,
Disteln, Nadelgehölze). Ausbildung von Bitterstoffen, Scharfstoffen (teils
auch Luft), fetten und ätherischen Ölen (Olive, Sonnenblume, Rosmarin,
Wermut). Farbausbildung: Gelb, Orange, Rot, Purpur.
Wirkung: Erhitzend und austrocknend, stimulierend, tonisierend,
abwehrsteigernd, keimtötend, häufig emmenagog und den Kreislauf anregend;
bei chronischen Leiden.
Konstitution: Luesinisch; oxygenoid, hyperton-plethorisch, athletisch.
Übermaß von Feuer = Mangel an Wasser: Überwiegen der gelben Galle
= cholerisches und extrovertiertes Temperament, häufig mit Tendenz zur
Gewalt, auch gegenüber sich selbst; Ungeduld, Jähzorn, Rücksichtslosigkeit.
Akute und heiße Erkrankungen mit gleichzeitiger
Trockenheit. Herz-Kreislauferkrankungen wie Hypertonie, Apoplexie, Sklerose
(auch Erde), entzündliche Herzleiden. Allgemein Entzündungen mit Hitze
und Rötung und wenig Sekretbildung, z.B. trockene Bronchitis. Gallenblasenentzündung
(mit Steinbildung auch Erde), Hepatitis, Gastritis (Ulcus zeigt Übergang
zu Erde). Septische Fieber; Leukozytose.
Wasser
Über das Wesen des Elements Wasser schrieb ein chinesischer Gelehrter im 11. Jahrhundert: "Von allen Elementen
sollte der Weise sich das Wasser zum Lehrer wählen. (...) Wasser
erobert durch nachgeben; es greift nie an, aber gewinnt immer die letzte
Schlacht".
Im Wasser liegt die Keimkraft aller Dinge.
Es hat die Kraft der Ernährung und des Wachstums. Es ist weiblich,
passiv und alles durchdringend. Es ist das Leben, die Gefühle, die
Liebe zur Natur, die Zärtlichkeit, das Mitgefühl. Wasser ist
das Form- und Wachstumsprinzip des Lebens, der Bildekräfteleib (=
Bild der Kraft) oder Ätherleib der Anthroposophen, mit dessen Hilfe
die Regeneration und der Energieaufbau erfolgt.
Bild 5: Mondgöttinnen verkörpern die regenerative und weibliche Kraft
des Elements Wasser. Georges Rouault, 1895.
Charakter: Feucht - Kalt, beweglich,
formend, passiv.
Alchimie: Passiver Merkur, Putrefaktion, Kondensation.
Bewußtseinsform: Imagination, Medialität, Phantasie.
Temperament: Phlegma.
Organe: Leber, Keimdrüsen, Haut, Schleimhaut, Lymphe, Körperflüssigkeiten.
Säfte: Schleim.
Geschmack: Muffig, fad, schleimig, faulig.
Geruch: Durchdringend, aashaft, faulig, muffig, schweißig, pheromonähnlich.
Pflanzensignatur: Keimung; Säftefluß der Pflanze. Weiche und saftige
Kräuter; mit fleischigen und wasserhaltigen Blättern (Agave, Aloe, Dachwurz
- Überlebensprinzip im Element Feuer). An feuchten Stellen wachsend (Weide,
Birke); Wasser- und Moorpflanzen (Seerose, Sonnentau). Nachtaktive Pflanzen
(Königin der Nacht; Nachtkerze). Ausbildung von Schleimstoffen, Feuchtigkeitsspeicher.
Farbausbildung häufig Weiß, Rosa, Hellgelb.
Wirkung: Kühlend und anfeuchtend, entzündungswidrig, regenerierend,
sedierend, häufig antiallergisch; bei akuten Leiden.
Konstitution: Lymphatisch; hydrogenoid; allergische Diathese (Anergie).
Übermaß an Wasser = Mangel an Feuer: Überwiegen von Schleim = Phlegmatisches
introvertiertes Temperament; Willensschwäche, Unentschlossenheit, unselbstständig,
ängstlich.
Ständige Müdigkeit, Schweißneigung (kalt), Kreislaufschwäche (ständiges
Frösteln), Hypotonie, Bindegewebsschwäche. Lymphatismus mit Neigung zu
Wassereinlagerungen. Alle Symptome verschlimmern sich bei feucht-kalter
Wetterlage. Neigung zur Verschleimung (chronische Sinusitis, Bronchitis).
Rezidivierende Erkrankungen, Infektneigung (oft auch Erde). Mykosen. Neigung
zu Tumorbildung und Krebs. Status nach Schock. Fettsucht.
Luft
Luft ist der Vermittler zwischen Feuer und
Wasser. Sie ist das Fluidum oder die Aura um die Dinge. Junius beschreibt
sie als "Trägerin des Samens". Die Luft ist die astrale Welt der
Träume, der Prophetie, der Psychometrie. Für den Menschen ist es seine
Fähigkeit zum Gefühlsausdruck oder die Erkenntnis durch Überwindung der
Polarität von Sympathie und Antipathie. Die Fähigkeit zur Kompensation
und Flexibilität je nach Lebensumständen. Rhythmische Funktionen wie Atmung-
und Herzschlag, Schlaf-Wachrhythmus, Monatsblutung, Hormonsystem.
Bild 6: Hermes, der Götterbote, entspricht dem Element Luft. Tiepolo Giambattista,
18 Jhd.
Charakter: warm - feucht, gasförmig,
aktiv.
Alchimie: Aktiver Merkur, Gärung,
Destillation, Potenzierung.
Bewußtseinsform: Inspiration.
Temperament: Sanguinisch.
Organ: Niere, Blase, Nebennieren, venöser Kreislauf, Hormondrüsen,
Nerven.
Säfte: Blut.
Geschmack: Scharf (auch Feuer), sauer, aromatisch, schweißig,
schwefelig, senfig.
Geruch: Flüchtig, hell, fein, krautig, Kampfer- und Zitrusnote;
Kopfnote in Parfüms.
Pflanzensignatur: Zarte Blüten (Sauerklee). Ausprägung
von Blatt und Stengel (Merkur); Formung des Blattprinzips in das Fächrige
und Gefiederte, Umformung zur Blüte mit Staubgefäßen.
Windsamer (Ulme); rankende Pflanzen (Waldrebe), schnellwüchsig; feingliedriger
schlanker Aufbau (Honigklee); Ausbildung eines hohlen Stengels (Schierling).
Pflanzen mit bizarrer Blütenform (Akelei). Ausbildung von Alkaloiden,
Cumarinen, Saponinen, ätherischen Ölen, Herzglykosiden, Senfölglykosiden
(da sehr warm, auch etwas Feuer). Farbausbildung: Pastelltöne, Blautöne,
Violett, Komplementärfarben, vielfarbig.
Wirkung: Erwärmend und anfeuchtend, Anregung geistiger Funktionen,
aktivieren Stoffwechsel bei chronischen Leiden, keimtötend, resolvierend,
häufig spasmolytisch.
Konstitution: Neurasthenisch, allergisch (Hyperergie), hypochondrisch;
Tuberkulinismus.
Übermaß an Luft = Mangel an Erde: Überwiegen von
Blut = Sanguinisches, extrovertiertes, nervöses Temperament; Hysterie,
hektisch; neurotische Charakterstruktur, nervöse Tics.
Hyperthyreose; klimakterische Schweiße
(warm). Nervöse Symptomatik wie Herzrhythmusstörungen, Cor nervosum,
Infarkttyp. Akute Schübe allergischer Erkrankungen wie Urticaria,
Heuschnupfen, Asthma (auch etwas Wasser). Entzündliche Leiden mit
Tendenz zur Schwellung wie Gicht (auch Feuer) oder Arthritis. Entzündungen
mit Sekretaustritt (Wundeiterungen). Krampfleiden, besonders periodische
(Epilepsie, Migräne, Dysmenorrhoe). Venenentzündung (Thrombose
zeigt auch Erde). Entzündliche Nieren-Blasenleiden.
Erde
Die Erde ist aus dem Zusammenwirken von Feuer,
Wasser und Luft entstanden. Sie ist der Behälter aller himmlischen
Strahlen und Einflüße.
Junius beschreibt sie als "Schatzhalterin
aller Dinge". Sie ist die sichtbare Manifestation der Idee/Feuer.
Hier entsteht Raum, Maß, Gewicht und Zeit. Es ist das Prinzip der
Erstarrung, des Verharrens, des Ruhens. Das Wesen der Erde ist weiblich
und passiv. Für den Menschen ist es seine Existenz in einer körperlichen
Form, der physische Leib der Anthroposophen. In der Gnosis ist es der
luziferische Fall in die Materie (Feuer in Erde).
Bild 7: Fruchtbarkeitsgöttinnen wie Persephone verkörpern das weibliche
Element Erde. Dante Gabriel Rossetti, 1877.
Charakter: Trocken - kalt, fest, passiv.
Alchimie: Sal, Aschezusatz in spagirischen Präparaten.
Bewußtseinsform: Intellekt.
Temperament: Melancholie.
Organ: Lunge, Knochen, Gelenke, Haut und Hautanhangsorgane.
Säfte: Schwarze Galle.
Geschmack: Süß, salzig, erdig, modrig, teils relativ geschmacklos
oder penetranter Nachgeschmack.
Geruch: Terpentinhaft, balsamisch, harzig, Fixative in der Parfümerie.
Pflanzensignatur: Wurzelbildung. Die Speicherwurzelpflanzen sind
mehr dem Wässrigen verwandt, bittere gelbe Wurzeln dem Feuer und aromatische
Wurzeln der Luft. Trockene, wasserflüchtende Pflanzen (auch oft Feuer),
Rinden (auch Feuer), kriechende Pflanzen; ausdauerende Pflanzen; Immergrüne
(oft auch Feuer); erdgeschichtlich weit zurückreichend (z.B. Farne); Pflanzen,
die ein hohes Alter erreichen. Flechten. Wenig Blütenbildung. Ausbildung
von Gerbstoffen; Betonung der Kieselsäure und anderer Mineralien. Farbausbildung
häufig unscheinbar, dunkle Farbtöne, Moosgrün, Grau, Dunkelviolett (auch
Luft). Kohle- und Aschepräparate aus Pflanzen.
Wirkung: Kühlend und austrocknend, adstringierend, sedierend, wundheilend,
blutstillend, teils antiallergisch und antibiotisch wirkend.
Konstitution: Psora, carbo-nitrogen, biliär, dyskratisch.
Übermaß an Erde = Mangel an Luft: Überwiegen der schwarzen Galle
= melancholischer, introvertierter Typ; Neurasthenie.
Ausgemergelter, trockener Typ; verträgt keinerlei Reize; Vergreisung;
senile Demenz. Sklerose (etwas Feuer), Multiple Sklerose; Neuralgien (auch
etwas Wasser). Allgemein chronische, schleichende und progressive Leiden.
Status nach Vergiftung durch Schwermetalle, Impfungen oder Chemotherapie.
Allgemein trockene Hautleiden wie Psoriasis. Arthrose. Zirrhose. Immunschwächesyndrom.
Status nach Entzündungen (Narben = Erde!). Jede Krankheit hat die Tendenz,
im chronischen Verlauf in ein Übermaß an Erde überzugehen. Der Tod ist
kalt und trocken.
|
 |
Die Zuordnung von Pflanzen zu den Elementen
Die Zuordnung einer Pflanze zu einem Element soll zeigen, daß sich
die Qualitäten dieses Elements besonders deutlich in der Pflanze
verkörpern. Die Zuordnung erfolgt durch die Signaturen einer Pflanze
(signum = Zeichen), meist nach ihrem Geschmack, aber auch nach anderen
Kriterien wie Geruch, Farbe oder Form. Hierin liegt einerseits die Stärke
des Systems, da sie den individuellen Charakter einer Pflanze betont und
sie nicht verdinglicht, andererseits ist die Auswertung der Signaturen
ausgesprochen subjektiv und von den Fähigkeiten des Anwenders abhängig.
Es erfordert viel Erfahrung im Umgang mit Pflanzen - und zwar mit allen
Sinnen -, damit die Zuordnung keiner bloßen Willkür unterliegt.
Grundsätzlich erfolgt eine Einteilung
nach den vier Grundqualitäten der Elemente. Es versteht sich von
selbst, daß eine Pflanze keine gegensätzlichen Eigenschaften
haben kann; eine Pflanze kann nicht gleichzeitig trocken und feucht oder
kalt und warm sein; dies gilt ebenso für Krankheiten.
Bild 8: Gelbe Farbe und bitterer Geschmack zeigen das feurige Wesen des
gelben Enzians. Foto: Olaf Rippe.
Die graduelle Einteilung von Pflanzen
Um die Unterschiede bei gleicher Zuordnung verschiedener Pflanzen zu
einem Element besser darzustellen, ist es seit den Zeiten Galens üblich,
die Qualitäten in verschiedene Grade einzuteilen; in der Regel werden
dazu drei Grade verwendet.
Beispiel: trocken im ersten Grad ist leicht zusammenziehend (z.B.
Frauenmantel), im zweiten Grad ist es dies stärker (z.B. Weißdorn) und
im dritten Grad ist es dies besonders intensiv (z.B. Tormentill); die
Wirkung beruht auf einem unterschiedlichen Gehalt an Gerbstoffen. Eine
ausgewogene Verkörperung eines Elements finden wir bei ausgeglichener
Zuordnung von zwei Qualitäten.
Beispiel: Galgant (Alpinia officinarum) ist im dritten Grad trocken
und warm. In der Gewürzpflanze ist das Feuer also besonders ausgeprägt;
die Wirkung ist stark erhitzend, tonisierend und austrocknend und eignet
sich beispielsweise zur Behandlung von Hypotonie und chronischen Verdauungsleiden
wie Mykosen (Überwiegen von Wasser).
Bild 9: Feuchter Standort,
weiße und weiche Rinde, milder Geschmack und hoher Wassergehalt machen
die Birke zu einer Pflanze des Elements Wasser. Foto: Olaf Rippe.
Meist liegt aber eine unterschiedliche Gewichtung vor, ein Stoff ist
zum Beispiel wärmer als trocken oder feuchter als warm. Dadurch ergeben
sich Übergänge zum verwandten Element.
Ein Beispiel ist das Immergrün (Vinca
minor), das warm im ersten und trocken im zweiten Grad ist. Immergrün
ist also wie Galgant feurig, allerdings wesentlich geringer. Die Betonung
des Trockenen gegenüber der Wärme zeigt, daß Immergrün
auch die Tendenz zum Erdhaften hat (Hauptzuordnung: Trocken). Da mit der
Erde beispielsweise Altersleiden und Sklerose korrespondieren, erklärt
sich die anregende Wirkung (Feuer) auf die Hirndurchblutung von Immergrün
bei Cerebralsklerose (Erde). Weitere Signaturen für diese Indikationen
sind: Dauerhaftes Grün (daher der Name) = chronische Prozesse, Alterleiden
oder die blaue Frühjahrsblüte = Geist anregend. Tatsächlich
hat man einen Wirkstoff (Vincamin) gefunden, der die Indikation bestätigt,
allerdings kennt die Volksmedizin diese schon seit Jahrhunderten.
Die Elementenlehre hilft aber nicht nur bei der Klassifizierung einzelner
Pflanzen und zeigt deren Wesensverwandtschaft zu anderen, sie ist auch
hilfreich bei der Auswahl von Kräutern für Mischrezepte. Es
ist zum Beispiel unsinnig, ein Rezept aus einem kalt-feuchten Mittel wie
der Taubnessel und einem warm-trockenen Mittel wie der Berberitze zu bilden,
da deren Wirkungen konträr sind. Ein weiteres Beispiel einer unsinnigen
Rezeptur wäre die Kombination des schweißtreibenden Holunders
(etwas warm und sehr feucht = Luft und etwas Wasser) mit dem schweißhemmenden
Salbei (etwas warm und sehr trocken = Feuer und etwas Erde).
Sehr wohl lassen sich dagegen Rezepte aus
Stoffen bilden, die Gemeinsamkeiten aufweisen. So läßt sich
ein wenig warmes und mäßig trockenes Mittel wie die Bartflechte,
mit relativ kalten und etwas trockenen Mitteln wie dem Schachtelhalm oder
dem Lungenkraut zur Lungentherapie (Erde) kombinieren. Die Betonung des
Rezepts liegt auf der Trockenheit und eignet sich gleichermaßen
zur Behandlung feucht-kalter (z.B. Erkältung/Wasser) oder feucht-warmer
Erkrankungen (z.B. Heuschnupfen/Luft).
Tabelle 1: Pflanzen mit
Feuercharakter
|
Name
|
Qualität
|
Kommentar
|
Berberitze,
Berberis
vulgaris
|
warm 3
trocken
3
|
Wurzel; bitter; gelb, stachelig; Leber-Galle;
Niere, Haut; chronische und kalte Leiden; bei Entzündungen
und Gallensteinen in Potenzen
|
Brechnuß,
Strychnos
nux vomica
|
warm 3
trocken
1
|
Früchte; extrem bitter und tonisierend;
rezeptfrei ab D4; als Homöopathikum bei Übermaß
an Feuer (Umkehreffekt)
|
Engelwurz, Erz-
Angelica
archangelica
|
warm 2
trocken
2
|
Wurzel; etwas süß, scharf,
bitter; Tonikum, chron. Verdauungsprobleme
|
Enzian, Gelber,
Gentiana
lutea
|
warm 2
trocken
3
|
Wurzel; bitter, austrocknend, zusammenziehend;
Amarum
|
Kamille, Echte
Matricaria
chamomilla
|
warm 1
trocken
3
|
Blüten; bitter, zusammenziehend,
krampflösend; entzündungswidrig (neigt zu Erde!)
|
Lebensbaum,
Thuja
occidentalis
|
warm 2
trocken
2
|
Triebspitzen; Immunstimulans
|
Mahonie,
Berberis
aquifolium
|
warm 2
trocken
2
|
Wurzel; bitter, zusammenziehend und
trocknend; chronische Hautleiden
|
Rosmarin,
Rosmarinus
officinalis
|
warm 2
trocken
1
|
Kraut; bitter, leicht scharf und würzig;
Kreislaufstimulans
|
Sonnenhut,
Echinacea angustifolia, E. purpurea
|
warm 2
trocken
2
|
Wurzel; leicht brennend; Immunstimulans
|
Wermut,
Artemisia
absinthium
|
warm 3
trocken
2
|
Kraut; extrem bitter und anregend;
galletreibend, emmenagog
|
Tabelle 2: Pflanzen mit Wassercharakter
|
Name
|
Qualität
|
Kommentar
|
Betonie,
Betonica
officinalis
|
kalt 1
feucht
2
|
Kraut; mild aromatisch; kühlend
|
Birke, Hänge-
Betula
pendula
|
kalt 2
feucht
1
|
Blätter, Rinde; milder, fader
Geschmack; entzündungswidrig
|
Blasentang,
Fucus
vesiculosus
|
kalt 2
feucht
3
|
Tang; salzig, kühl, regt Luft
an, stimuliert Schilddrüse (Luft)
|
Dachwurz,
Sempervivum
tectorum
|
kalt 1
feucht
2
|
Blätter, allg. entzündungswidrig;
auch bei Altershaut
(= Erde)
|
Eibisch,
Althaea
officinalis
|
kalt 2
feucht
1
|
Wurzel; süß; entzündungswidrig
|
Klebkraut,
Galium
aparine
|
kalt 3
feucht
2
|
Kraut; leicht salzig, guter Reiniger,
proteolytische Enzyme
|
Passionsblume,
Passiflora
incarnata
|
kalt 1
feucht
1
|
Kraut; stark beruhigend
|
Rose; R. centifolia
R.
damascena
|
kalt 2
feucht
1
|
Blüten, Blätter; süß,
leicht kühlend; Blätter stärker adstringierend (Erde)
|
Stiefmütterchen,
Viola
tricolor
|
kalt 1
feucht
2
|
Kraut; Kindermittel; entzündliche
Hautleiden
|
Weide, Silber-,
Salix
alba
|
kalt 2
feucht
1
|
Blätter, Rinde, sehr entzündungswidrig
|
|
Bild
10: Mit ihren eigenwilligen botanischen Merkmalen, ihrer schleimigen
Konsistenz und ihrer immunstimulierenden Wirkung, zählt die
Mistel zu den Pflanzen des Elements Luft.
Foto: Olaf Rippe.
|
Bild 11: Der hohe Mineralgehalt, die blütenlose und stark strukturierte
Gestalt sowie der milde Geschmack, deuten im Schachtelhalm (hier Equisetum
hyemale) auf das Element Erde.
Foto: Olaf Rippe.
|
Tabelle 3: Pflanzen mit Luftcharakter
|
Name
|
Qualität
|
Kommentar
|
Bittersüß,
Solanum
dulcamara
|
feucht 2
warm
1
|
Blätter, Stengel; Geschmack abwechselnd
bitter und süß; Infekte, Allergien, Rheuma
|
Brennessel,
Urtica
dioica
|
feucht 3
warm
1
|
Blätter, Samen; kühl, etwas
bitter; Universalmittel bei Allergien, Hautleiden und Rheuma
|
Brunnenkresse,
Nasturtium
officinale
|
feucht 3
warm
1
|
Blätter; senfig, schwefelig; bei
Dysbiose; als Diät wesentlich feuriger
|
Kapuzinerkresse,
Trapaeolum
majus
|
feucht 1
warm
2
|
Blätter; senfig; Antibiotikum
|
Löwenzahn,
Taraxacum
officinale
|
feucht
warm
2
|
Wurzel, Kraut; auch etwas Feuer; Anregung
der Verdauungsdrüsen
|
Meisterwurz,
Imperatoria
osthrutium
|
feucht 1
warm
3
|
Wurzel; scharf, daher nicht bei akuten
Entzündungen
|
Mistel,
Viscum
album
|
feucht 3
warm
1
|
ganze Pflanze; chronische Leiden; Krebs;
Hypertonie
|
Sarsaparilla,
Smilax
sarsaparilla
|
feucht 2
warm
1
|
Wurzel; leicht bitter, sauer; chronische
Hautleiden
|
Schöllkraut,
Chelidonium
majus
|
feucht 2
warm
2
|
Kraut, Wurzel; scharf, leicht bitter;
galletreibend
|
Steinklee,
Melilotus
officinalis
|
feucht 2
warm
1
|
Blüten; Venenleiden; potenziert
bei nervösem Kopfschmerz
|
Tabelle 4: Pflanzen mit Erdcharakter
|
Name
|
Qualität
|
Kommentar
|
Baldrian,
Valeriana
officinalis
|
kalt 1
trocken
2
|
Wurzel; kühlend mit etwas Bitterkeit;
Sedativum
|
Beinwell,
Symphytum
officinale
|
kalt 2
trocken
1
|
Wurzel, Blätter; erdig, süß;
schwarze Wurzel; Knochen- und Hautmittel
|
Ehrenpreis,
Veronica
officinalis
|
kalt 1
trocken
1
|
Kraut; erdig, leicht süß;
erklärt Wirkung bei Entzündungen und Colitis
|
Eiche,
Quercus
robur
|
trocken 3
kalt
1
|
Rinde; zusammenziehend, entzündungswidrig
|
Himbeere,
Rubus
idaeus
|
kalt 1
trocken
1
|
Blätter; leicht zusammenziehend;
ähnlich wirkt Brombeere
|
Isländisch Moos,
Lichen
islandica
|
kalt 2
trocken
1
|
Flechte; Geriatrikum; Lungenleiden,
kühlend
|
Ringelblume,
Calandula
officinalis
|
trocken 2
kalt
1
|
Blüten; mildes Feuer; leicht bitter
und scharf, kühlend; Universalmittel
|
Schachtelhalm,
Equisetum
arvense
|
kalt 2
trocken
1
|
Kraut; allg. entzündungswidrig
|
Süßholz,
Glyzyrrhiza
glabra
|
kalt 2
trocken
1
|
Wurzel; süß; allg. entzündungswidrig
|
Wegerich, Breit-, Spitz-,
Plantago major, P.
lanceolata
|
kalt 1
trocken
2
|
Blätter; leicht süß,
salzig, etwas bitter; austrocknend und kühlend
|
|
 |
Die Elementenlehre als therapeutisches Modell
"Bald sich durch Liebe alles vereinigt zu Einem, bald auch werden wieder
die einzelnen Stoffe auseinandergetragen im Hasse des Streites", Empedokles
v. Agrigent.
Durch die jeweilige Qualität der Elemente ergeben sich Polaritäten
(Antipathie) wie Gemeinsamkeiten (Sympathie). Grundsätzlich wirken
immer alle Elemente zusammen, jedoch in unterschiedlicher Intensität.
1.
Antipathie = Kontrolle und Hemmung (Kreuz)
Wegen ihrer primären Qualitäten bilden Feuer (warm) und Wasser
(kalt) sowie Erde (trocken) und Luft (feucht) polare Gegensätze.
Daraus ergibt sich das Gesetz der gegenseitigen Kontrolle und Hemmung.
Krankheiten resultieren aus dem Übermaß
eines Elements und der mangelnden Kontrolle durch den Gegenpol. Nimmt
beispielsweise das Element Feuer im Menschen überhand, dann muß
die Therapie eine Erhöhung von Wasser zum Ziel haben.
Die Therapie mittels gegensätzlicher
Elemente heißt "Antipathisches Heilen". Es führt zu einem Ausgleich
der Elemente nach dem Prinzip einer Waage (Regulationstherapie).
Die Therapie erfolgt durch Energetisierung
des schwächeren Elements sowie durch eine eventuelle Ableitung des
stärkeren.
Beispiel Hypertonie = Überwiegen von
Feuer: Ableitung von Feuer durch Aderlaß, gleichzeitig Gabe von
Mitteln der Elemente Wasser und Erde, die den Patienten vor allem kühlen,
anfeuchten und beruhigen sollen, z.B. Baldrian, Mädesüß,
Mistel, Passionsblume.
Geben wir stattdessen Mittel des Elements
Feuer, würde sich der Prozeß verschlimmern, desgleichen bei
Gabe von Luftmitteln, die ebenfalls warm sind. Mittel des Elements Luft
kämen aber in Frage, wenn sie deutlich feuchter als warm sind wie
die Mistel (Verbindung zu Wasser = feucht, als Gegenpol zu Feuer).
Wenn wir antipathisch arbeiten, muß
ein großer Reiz mit einer großen Wirkung erfolgen - liegt
ein Übermaß von Feuer vor, braucht es soviel Wasser, daß
es Feuer löschen kann. Dies ist der Grund, warum diese Methode auf
große Dosen und häufige Gaben nicht verzichten kann.
Dabei ist zu beachten, daß Feuer das
aktivste Element darstellt, danach Luft, dann Wasser und zum Schluß
Erde, als das passivste. Daher braucht es von Feuer oder Luft immer geringere
Mengen, als von Erde und Wasser.
Anders gesagt: Heilmittel von Luft und Feuer führen in größeren
Mengen schneller zu Unverträglichkeiten oder wirken toxisch.
Antipathische Therapie am Beispiel Psoriasis - Neurodermitis
1. Chronische trockene Hauterkrankungen wie Psoriasis sind ein Überwiegen
von Erde, d.h. sie sind kalt und trocken.
Wir brauchen in erster Linie Mittel des
Elements Luft (warm-feucht), also senfig/sauer schmeckende Pflanzen oder
solche von schlanker Gestalt, mit schmalen/gefiederten Blättern und
mit hohlem Stengel, eventuell mit Milchsaft, allgemein sollten die Pflanzen
saftig sein; aus der Systematik eignen sich besonders Doldenblütler,
da sie in ihrer Gestalt sehr luftig sind. Ferner eignen sich einige Mittel
des Elements Feuer, sofern sie nicht zu trocken sind.
Von Luft braucht es größere Mengen
(Polarität), von Feuer geringere (Verwandtschaft zu Erde = Trockenheit;
siehe auch Kapitel Sympathie).
Beispiele: Luft - Brennessel, Brunnenkresse,
Erdrauch, Löwenzahn, Meisterwurz, Mistel, Sarsaparilla, Schöllkraut.
Feuer: Berberitze, Engelwurz, Mahonie; die Feuermittel in geringer Dosierung
oder in Tiefpotenzen.
2. Hauterkrankungen wie Neurodermitis zeigen Symptome des Elements Luft
(Nervösität, Juckreiz, nässend), aber auch des Feuers (rot
und entzündlich). Die Krankheit kann man in ihrer Gesamtheit als
warm bezeichnen.
Als Heilmittel nach den Regeln der Antipathie
eignen sich in erster Linie Mittel des Elements Wasser, zum Teil auch
mit Übergang zum Element Luft (Feuchtigkeit sollte betont sein) sowie
in Kombination Mittel des Elements Erde (Kälte sollte betont sein).
Beispiele: Wasser - Betonie, Birke,
Bittersüß (auch etwas Luft), Brennessel (auch etwas Luft),
Klebkraut, Rose, Stiefmütterchen, Weide. Erde - Himbeer- und Brombeerblätter,
Eiche (auch etwas Feuer), Ehrenpreis, Ringelblume, Schachtelhalm, Wegerich
(auch etwas Wasser).
2. Sympathie = Gegenseitige Erhaltung (Kreis
im Uhrzeigersinn)
Die sympathische Beziehung der Elemente ergibt sich aus ihren jeweiligen
Gemeinsamkeiten: Erde - Wasser (Schwer / Passiv = Kalt, Chronisch) im
Gegensatz zu Feuer - Luft (Leicht / Aktiv = Warm, Akut); Wasser - Luft
(Feuchtigkeit) im Gegensatz zu Feuer - Erde (Trockenheit).
Eine Therapie nach den Regeln der Sympathie
erfolgt in erster Linie durch Anwendung von Mitteln, die über ihre
Qualitäten einen Ähnlichkeitsbezug zur Krankheit aufweisen.
Als Dosis sind in solchen Fällen nur geringe Mengen notwendig.
Beispiel: Behandlung einer Hypertonie (Feuer) mit Mistel (Luft)
in geringer Dosierung.
Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung
von Homöopathika. Mittel mit Wassercharakter heilen in potenzierter
Form beispielsweise Zustände von zuviel Wasser; das Mittel nimmt
also in potenzierter Form eine gegensätzliche Qualität an.
Beispiel: Die Teichrose (Nuphar luteum),
die wir dem Element Wasser zuordnen, wirkt als Tinktur dämpfend auf
die Libido (verstärkt Kälte/Wasser), in potenzierter Form ist
sie dagegen sexuell stimulierend (verstärkt Wärme).
Diese Therapie wird durch den homöopathischen
Umkehreffekt möglich, der in der Regel ab D4/6 eintritt. Ähnliches
gilt für spagirische Zubereitungen, die in ihrer Qualität mit
Homöopathika vergleichbar sind; daher erklärt sich, warum von
Spagirika meist kleinste Mengen ausreichen.
Bei der Therapie nach den Regeln der Sympathie sollte man auf folgende
Punkte achten:
1. Das Mittel entspricht in ausgeprägter Form der Elementenzuordnung
der Krankheit - es wird potenziert verabreicht.
Beispiel 1: Behandlung eines Cholerikers (Feuer) mit Strychnos
nux vomica (Brechnuß), einem extrem warmen und etwas trockenen Mittel
(Bitter, Früchte) in höheren Potenzen.
Beispiel 2: Wir behandeln eine Arthrose
mit entzündlichen Schüben = Übermaß an Erde und Tendenz
zu Feuer. Wir verwenden Wurzeln (= Erde), die aber feurige Qualitäten
in sich tragen, z.B. bitterer Geschmack, Stachelsignatur der Gesamtpflanze,
Wurzel gelb; diese Kriterien erfüllt z.B. die Berberitze. Die Dosis
braucht nicht besonders groß zu sein, es reichen wenige Tropfen
täglich oder die D4 (sympathische Beziehung von Feuer zu Erde über
trocken).
2. Wir ergänzen das Rezept durch das ähnlichere Element: Erde
/ Wasser, Feuer / Luft.
Beispiel Arthrose (Erde): Wassermittel
in größeren Dosen wie Birke, Weide oder Mädesüß
ergänzen das Rezept, da das Element Wasser der Erde am nächsten
steht.
3. Verknüpfen wir die sympathische mit der antipathischen Methode,
dann mischen wir dem Rezept einer Arthrose (Erde) noch Luftmittel in großen
Dosen zur Regulation bei, beispielsweise Brennessel.
Die gleichzeitige Verwendung antipathischer
Mittel reduziert die Gefahr der Erstverschlimmerung einer homöopathischen
Therapie, mindert aber in keiner Weise die Wirkung potenzierter Präparate.
Zusammen ergeben die drei Punkte eine Therapie,
bei der man alle Elemente in unterschiedlicher Intensität verwendet.
Sie ist damit komplexer als die antipathische Methode, aber auch wirkungsvoller
und zudem eleganter.
Anmerkungen
- Aus dem Werk: "Über
die Natur"; Zeus ist das ätherische Feuer, Here die Erde, Aidoneus die
unsichtbare Luft und Nestis das Wasser.[zurück]
- Das Hexagramm,
die
Vereinigung von Feuer und Wasser, ist das Symbol der Quintessenz. [zurück]
- Ägyptischer Eingeweihter,
der in der hermetischen Tradition mit Thot, dem Gott der Weisheit und
Schöpfer der Alchimie, gleichgesetzt wird. [zurück]
|
 |
Literaturauswahl:
- Arroyo Stephen: Astrologie, Psychologie und die vier Elemente; Hamburg 1989
- Böhme, Gernot / Böhme, Hartmut: Feuer, Wasser, Erde, Luft; München 1996
- Daems, Willem F.: Mensch und Pflanze; Schwäbisch Gmünd, 1988
- Junius, Manfred M.: Praktisches Handbuch der Pflanzen-Alchimie; Interlaken 1982
- Kranich,Ernst M.: Die Formensprache der Pflanze; Stuttgart 1976
- Madejsky, Margret / Rippe, Olaf: Heilmittel der Sonne; München 1997
- Müller, Ingo W.: Humoralmedizin; Heidelberg 1993
- Nettesheim, Agrippa von: Die magischen Werke; Wiesbaden 1983
- Paracelsus: Sämtliche Werke, Aschner Ausgabe; Anger 1993
Wichtiger Hinweis für den Leser:
Trotz sorgfältiger Überprüfung sind die in den Artikeln aufgeführten Hinweise, Rezepte, Dosierungsangaben und Applikationsformen ohne Gewähr; Die Autoren übernehmen daher keine Garantie, bzw. Haftung. Jeder Benutzer ist angehalten, durch Prüfung der Beipackzettel verwendeter Handelspräparate und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker festzustellen, ob die Empfehlungen für Dosierungen oder die angeführten Kontraindikationen gegenüber den Angaben in den Artikeln abweichen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr und muss in jedem Fall individuell abgewägt werden. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) sind nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
Sämtliche vorgeschlagenen Therapiehinweise und Rezepte haben ausschließlich einen modellhaften Charakter. Die Artikel sind im Inhalt nicht zeitlich angeglichen, sondern im Original des Erscheinungsdatums dargestellt. Das der Arzneimarkt starken Umwälzungen ausgesetzt ist, kann es sein, dass genannte Präparate nicht mehr im Handel sind oder eine andere Bezeichnung erhalten haben - bitte fragen Sie diesbezüglich bei Ihrem Apotheker nach. Sollten Sie weder Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker sein, bedenken Sie bitte bei einer Selbstmedikation, dass hierfür ausreichende Kenntnisse der Heilkunst erforderlich sind.
|
| |

|