Die Heilkraft von Knoblauch und Zwiebel

//Die Heilkraft von Knoblauch und Zwiebel

Die Heilkraft von Knoblauch und Zwiebel

Der Theriak der armen Leute

Paracelsus empfahl u.a. Myrrhe und Weihrauch als Pestprophylaxe. Dabei sollte man wissen, dass man damals unter Pest sämtliche ansteckenden Krankheiten aufführte, also auch Grippe oder Kinderkrankheiten. Mit Weihrauch sollten Kranke ihren Atem desinfizieren und sich diejenigen schützen, die sich in der Nähe dieser Kranken aufhielten (I/725). Ferner riet Paracelsus, stets ein wenig zerstoßene Myrrhe in die Speisen zu tun, um die Kinder vor der Pest zu bewahren (I/726). Doch die edlen Harze waren seinerzeit unerschwinglich teuer. Daher erteilte er den armen Leuten einen anderen Ratschlag: »Es gibt auch viele andere Schutzmittel (vor der Pest), die der gewöhnliche Mann gut gebrauchen kann, wie Knoblauch mit Essig öfters im Tage zu essen« (I/726). Überhaupt war Paracelsus der Ansicht, dass man Knoblauch und Zwiebel essen müsse, wenn man nicht an der Pest erkranken wolle (I/799).

Erfunden hatte er diese Art der Seuchenprophylaxe nicht, denn Knoblauch und Zwiebeln zählten bereits im alten Ägypten zu den gesunderhaltenden Speisen, die die Arbeiter, welche den Bau der Pyramiden bewältigen mussten, vor Amöbenruhr und zahlreichen anderen Krankheiten bewahren sollten. Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung rühmte der Arzt Galenus den Knoblauch wegen seiner guten Eigenschaften und nannte ihn »Theriak des Bauern«. Dennoch war es im antiken Rom und insbesondere in den Tempeln der Liebesgöttin Venus verpönt, nach Knoblauch zu riechen. Aus diesem Grund litt die gehobene Bevölkerungsschicht Roms zeitweise unter Fortpflanzungsproblemen. Denn im alten Rom floss das Trinkwasser durch Bleirohre und führte zu Bleivergiftungen, die unfruchtbar machten. Davon war jedoch das gemeine Volk, das weiterhin reichlich Knoblauch verspeiste, nicht betroffen, da die aromatische Zwiebel das Blut u.a. auch vom Blei zu reinigen vermag.

Im 8. Jahrhundert schätzte Karl der Große den Knoblauch als Gewürzpflanze und Arznei und ordnete seinen Anbau an. Im Klosterplan von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert wies man dem Knoblauch zusammen mit anderen Allium-Arten wie der Zwiebel unter der Bezeichnung alias einen eigenen Bereich im Klostergarten zu. Ein weiterer Befürworter des Knoblauchs war Herzog Robert I. von der Normandie, der im 11. Jahrhunderts riet: »Weil Knoblauch die Kraft hat, vom Tode zu erretten, ertrage ihn, obwohl er schlechten Atem hinterlässt« (zit. n. Koch/Hahn, 1988).

Knoblauchhändlerin in Athen

Zweifelsohne spaltet der Knoblauch die Menschheit seit Urzeiten: Die einen wissen um die außergewöhnlichen Heilkräfte der stark riechenden Zwiebel und schätzen ihr spezielles Aroma, die anderen finden sie einfach unerträglich. Doch eben der eindringliche Geruch verleiht dem Knoblauch seine Heilkräfte, wie sich herausgestellt hat. Mit ihm scheint auch die Wirksamkeit des folgenden Vorbeugungsmittels aus der Volksmedizin zusammenzuhängen, das der Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle in seinem Kräuterbüchlein Chrut und Uchrut lobte: »Vorbeugungsmittel bei auftretenden Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach, Ueberröti (Röteln), Keuchhusten. Sobald die Krankheiten in der Nähe auftreten, nähe zwei bis drei Knoblauch oder Zwiebeln oder Allermannsharnisch in ein Säcklein und häng’ es dem Kinde an den Hals; ich kenne eine Familie mit 16 Kindern, die immer so verfuhr und von allen diesen Kinderkrankheiten gänzlich verschont blieb; es ist keinerlei Aberglaube dabei, sondern einfach die natürliche Auswirkung dieser scharfen Pflanzen« (1935).

Erst im 19. Jahrhundert kam man dem wirksamen Prinzip des Knoblauchs allmählich auf die Spur, als es dem Chemiker Wertheim gelang, einen schwefelhaltigen Inhaltsstoff zu isolieren, den er als »Schwefelallyl« bezeichnete. Heute weiß man, dass Knoblauch viele Schwefelverbindungen enthält, die für Geruch, Geschmack und Heilwirkung verantwortlich sind. Einige dieser Verbindungen sind hitzeempfindlich und gehen auch beim Trocknen verloren, so dass die größte Wirksamkeit von frischem Knoblauch zu erwarten ist. Zeitweise glaubten die Wissenschaftler, dass sie im Allicin den Hauptwirkstoff gefunden hätten. Sie vermuteten, dass sich der Knoblauch mit Hilfe dieses Duftstoffs vor Bakterien- und Pilzbefall schütze, denn eine »frisch aufbereitete wässrige Lösung des Allicins erwies sich beim Test auf antimikrobielle Wirksamkeit als hochaktiv« (Koch/Hahn, 1988).

In jedem Fall erwies sich der Knoblauch in verschiedenen Untersuchungen als pflanzliches Breitbandantibiotikum. In einem Test konnte das Überimpfen mit Knoblauch sogar alle 22 getesteten Keime im Wachstum hemmen! Mit der Zeit identifizierte man viele weitere Inhaltsstoffe, z.B. Ajoene, die nachweislich der Arterienverkalkung entgegenwirken und einer Verklumpung der Blutplättchen mindestens genauso stark wie Acetylsalicylsäure vorbeugen.

Alles in allem behalten also die Alten und somit auch Paracelsus in gewissem Sinne Recht, wenn sie den Knoblauch gegen die Pestilenz und allerlei weitere Krankheiten ins Feld führen.

Allermannsharnisch (Allium victorialis), ebenfalls ein Ziebelgewächs, auf dem Brauneck;
früher sprach man diesem Gewächs magische Kräfte zu.
Weil es so wirkungsvoll gegen Infektionen hilft, nannte man es: Rüstung für Jedermann (Aller Manns Harnisch)

Rezepte mit Knoblauch und Zwiebel

Rezept: Pestprophylaxe für Seefahrer und Fernreisende

»Rec. Aquae allii ss. Traganti, fiant pillulae vel trochisci. Dies ist gut bei Pest und kein Wassertrinken schadet dann. Man soll ihn mit Zimt füllen und trocknen lassen. Mit Myrrha und Zimt gemischt und in Knoblauchwasser gelegt, hilft er besonders denen, die das Meer befahren.« (Paracelsus III/541)
So könnte man dieses Rezept heute beispielsweise für Fernreisende umsetzen: Knoblauchpulver 1 Teil, Myrrhenpulver 1 Teil, Tragantpulver 2 Teile, Zimtpulver 1 Teil mischen und in dünndarmlösliche Kapseln à 0,2 g füllen; zur unspezifischen Infektionsprophylaxe während Fernreisen 3 × täglich 1–2 Kapseln. Ergänzend kommen Okoubaka D2 für den Darm, China D2 in Malariagebieten und Blutwurzelpulver in Choleragebieten in Frage.

Volksmedizinische Knoblauch- und Zwiebelrezepte wider die Pestilenz

Wenn einen statt der Pest Grippewellen bedrohen, kann man das Übel – ganz im Sinne des Paracelsus – mit einer Knoblauch- oder Zwiebelkur abzuwenden oder die Beschwerden mit diesen beiden Breitbandantibiotika aus der Küche zu lindern versuchen. Vorsichtig muss man mit den sonst urgesunden Zwiebelgewächsen nur sein, wenn man unter einer Knoblauchallergie oder unter Niederblutdruck leidet. Außerdem sollte man für Heilzwecke nur die unbestrahlten Zwiebelgewächse aus kontrolliert biologischem Anbau verwenden.

Knoblauchschnaps: 1 Handvoll Knoblauchzehen schälen, grob zerstückeln und in einem sauberen Schraubglas mit 1⁄2 l Weinbrand oder mit einem 50-prozentigen Alkohol-Wasser-Gemisch überschütten. Je nach Geschmack mit 4–5 EL Vollrohrzucker süßen, kräftig schütteln und gut verschlossen etwa 7 Tage lang an einen sonnigen Platz stellen. Dann den Knoblauch absieben und den Schnaps in eine saubere Flasche füllen. Bei Bedarf, etwa zu Beginn von Erkältungen, kann man mehrmals täglich ein Schnapsgläschen davon zu sich nehmen.

Knoblauchbier: Dieses Rezept stammt aus der rumänischen Volksmedizin und gilt dort als Geheimtipp gegen grippale Infekte: Man stellt 1 Flasche Bier in einen Topf mit heißem Wasser, erhitzt das Bier darin und presst 1–2 Knoblauchzehen hinein. Das Knoblauchbier sollte so heiß wie möglich getrunken werden. Wenn man sich anschließend sofort ins Bett legt und gut zudeckt, schwitzt man die Erkältung aus. Das warme Bier fördert zudem den Heilschlaf.

Ayurvedischer Knoblauchdrink: In der ayurvedischen Medizin schätzt man eine Mixtur aus Zitrone und Knoblauch, die den Körper entgiftet, die Abwehrkräfte stärkt und die Lebensgeister weckt: In 1 Glas Wasser (ca. 200 ml) werden der Saft von 1 frisch gepressten Zitrone sowie 1 TL flüssiger Honig gerührt und zuletzt 1 Knoblauchzehe hineingepresst. Dieser Gesundheitsdrink kann während Grippewellen mindestens 1 × täglich zugeführt werden, er ist jedoch längerfristig angewandt auch in der Lage, so manche chronische oder gar unheilbare Krankheit positiv zu beeinflussen, weil er u.a. das Blut reinigt und die Leberfunktion unterstützt.

Zwiebelsirup bei Husten: 2–3 Zwiebeln schälen und fein hacken. Nun eine fingerdicke Zwiebelschicht in eine Schüssel geben und mit 1–2 EL Zucker bestreuen. Dann kommt die nächste Zwiebelschicht, die wiederum mit Zucker bestreut wird. So fährt man fort, bis die Zwiebeln aufgebraucht sind. Dann lässt man das Ganze zugedeckt ziehen. Schon nach 1 Stunde kann man mit einem Löffel den süßen Zwiebelsaft abschöpfen und zur Linderung von Hustenreiz dem Kranken pur verabreichen. Der Zwiebelsirup sollte täglich erneuert werden.

Knoblauchwickel bei Mittelohrentzündung: Ein beliebtes Hausmittel bei eitriger Mittelohrentzündung der Kinder ist der Knoblauchwickel: 1–2 Knoblauchzehen schälen, fein hacken und in ein Baumwoll- oder Leintuch wickeln. Das Tuch nun mit einem Schal oder mit einer Skimütze über dem betroffenen Ohr befestigen. So steigen die Knoblauchdämpfe auf und regen sanft die Durchblutung an, so dass der Eiter abgebaut wird. Übrigens: Bei juckendem Hautpilz im After oder Dammbereich hilft dieser Wickel ebenfalls, wenn der Betroffene ihn wie eine Binde trägt.

Knoblauch-Ohrentropfen: Eine Knoblauchzehe kleinhacken und in ca. 30 ml Gyzerin ca. 10 Minuten verreiben; durch einen Sieb in eine Pipettenflasche (20 ml) abseihen und 5 Tropfen Lavendelöl zugeben (überdeckt den Geruch vollständig) – fertig! Nunmehr einige Tropfen lauwarm auf einen Wattebausch geben und diesen sanft ins Ohr einführen – nicht direkt ins Ohr träufeln – es sollen nur die Dämpfe schmerzstillend und keimtötend wirken. Auc kann man etwas auf dem Knochenwulst hinter dem Ohr verreiben.

Knoblauchtamponade bei bakteriellem Ausfluss: Bei unangenehm riechendem, bakteriellem Ausfluss oder bei vaginalem Juckreiz leistet eine Knoblauchzehe oftmals gute Erste Hilfe. 1 große Knoblauchzehe vorsichtig schälen und mit Hilfe einer Nadel mit einem Rückholfaden versehen. Die Zehe wird nun über Nacht wie ein Tampon tief in die Scheide gesteckt und am nächsten Morgen mit dem Faden einfach wieder herausgezogen. Gynäkologen empfehlen 7- bis 10-tägige Kuren auch bei Scheidenpilz.

Knoblauchbrot für Grippekranke: Dies ist eine besonders schmackhafte Zubereitung des antibiotisch wirksamen Knoblauchs: Man röstet Brot auf der Herdplatte und bestreicht jede Scheibe mindestens mit 1⁄2 Knoblauchzehe. Zusammen mit etwas Butter und Schnittlauch schmeckt diese Krankenspeise köstlich und vertreibt allerhand Krankheitserreger.

 

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