Pflanzen und ihre kosmischen Heilkräfte – von Olaf Rippe

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Pflanzen und ihre kosmischen Heilkräfte – von Olaf Rippe

Von |2019-08-26T12:41:13+02:0024. August. 2019|Kategorien: Medicina magica, Naturheilkonzepte - Therapietipps, Paracelsusmedizin|Schlüsselworte: , , , |

“Nichts ist, was die Natur nicht gezeichnet habe, und durch die Zeichen kann man erkennen, was im Gezeichneten verborgen ist” (Paracelsus).

Die Sternbilder und Wandelplaneten sowie Sonne und Mond bestimmten bis vor einigen Jahrhunderten das Weltbild des Menschen. Astrologen berieten nicht nur die Mächtigen und machten Weltpolitik, sie gaben auch Auskunft über Schicksal und Gesundheit. Noch heute betrachten viele nachdenklich den Sternenhimmel, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten, und ein Gang durch die Buchhandlungen zeigt es deutlich – die Astrologie boomt. Kaum eine Betrachtungsweise der Welt hat sich durch die Jahrtausende so hartnäckig behaupten können und dies trotz aller Unkenrufe und Verleumdungen. Sie gilt neben der Magie als die älteste Wissenschaft des Menschen und blickt somit auf einen nahezu unerschöpflichen Erfahrungsschatz zurück. Adepten, die ihrer Weisheit folgten, waren z.B. Albertus Magnus, Johannes Kepler, Agrippa von Nettesheim, Paracelsus oder Rudolf Steiner. Neben der antiken Vier-Elementen-Lehre und der Signaturlehre, ist die Astrologie bis heute die tragende Säule einer hermetisch ausgerichteten Heilkunde nach abendländischer Tradition.

Kräuterbuch des Albertus Magnus mit astrologischen Zuordnungen von Pflanzen

Wie oben so unten, wie unten so oben

Der ägyptische Eingeweihte Hermes Trismegistos, den manche mit Thot vergleichen, dem ibisköpfigen Gott der Weisheit, fasste den Grundgedanken der Astrologie mit den Worten zusammen: “Wie oben so unten, wie unten so oben”. Makrokosmos und Mikrokosmos sind demnach ähnlich, oder anders gesagt: Die Erde ist ein Spiegelbild der Himmelskräfte und jedes irdische Phänomen hat sein Ebenbild im Kosmos.

In der Astrologie stehen alle Naturreiche mit den Sternbildern, den fünf Wandelplaneten (1) und den zwei Lichtern Sonne und Mond in Beziehung. Heute kommen noch die neu entdeckten Planeten Uranus, Neptun und Pluto hinzu, die man als höhere Schwingungsebene (Oktave) der Planeten Merkur, Venus und Mars versteht, so dass der Astrologe immer noch von sieben Himmelskräften spricht. Die Qualitäten, die sie verkörpern, finden sich in Pflanzen, Tieren und Mineralien, aber auch im Menschen, seinen Organen, Organfunktionen und Krankheiten wieder; dies ist die Lehre von den Entsprechungen oder Korrespondenzen.

Nach dieser Anschauung lassen sich Rezepte erstellen, die aus unterschiedlichen Naturreichen zusammengesetzt sind, dabei aber der gleichen kosmischen Kraft unterstehen, wie z.B. Gold, Johanniskraut und Biene, die eine Verknüpfung solarer Mittel darstellen. Zur Therapie eignet sich unser Beispiel unter anderem für Kreislaufprobleme, die ebenfalls der Sonne unterstehen. Man bezeichnet solche Rezepte als “goldene Ketten”, wobei sich die Einzelsubstanzen synergistisch ergänzen, bzw. im positiven Sinne verstärken. Eine goldene Kette kann selbstverständlich auch nur aus Pflanzen bestehen. Dass dies ein völlig anderes Weltbild darstellt, als das heute übliche, ist offensichtlich. Im Gegensatz zur modernen Wissenschaft, die eine Heilwirkung von Pflanzen ausschließlich auf ihre stoffliche Zusammensetzung zurückführt, geht die Astrologie von kosmischen und geistartigen Kräften aus, die durch die Pflanze wirken. Sie geben den Pflanzen ein Gesicht, Signaturen genannt, und durch Gestalt, Farbe oder Geruch lässt sich auf eine eventuelle heilkundliche Verwendung schließen. Die astrologische Signaturlehre als assoziative Vorgehensweise der Heilmittelerkenntnis, lässt das geistartige Wesen einer Pflanze erahnen, da sie keine Trennung von Oben und Unten oder von Geist und Stoff vollzieht. Die auf analytischem Wege gefundenen Wirkstoffe bilden dabei nur einen Teilbereich und sind somit nicht das Maß aller Dinge.

Die Planeten und ihre Heilpflanzen

Einige Beispiele sollen verdeutlichen, mit welchen Signaturen die Himmelskräfte die Pflanzenwelt zeichnen und welche Heilwirkungen wir davon ableiten können (siehe Übersichtstabelle). Dabei ist es wichtig zu wissen, dass sich i.d.R. mehrere Planeten in einer Pflanze verkörpern. Dies trägt vielleicht zu einer anfänglichen Verwirrung bei, aber je länger man sich mit diesem Thema beschäftigt, desto mehr schärft sich die Beobachtungsgabe und man entdeckt, dass sich fast immer die Signaturen weniger Planetenkräfte besonders deutlich hervorheben.

Mond

In der antiken Mythologie verkörpert sich der Mond in der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis. Sie ist die Ahnherrin des Lebens. Als Muttergöttin und göttliche Hebamme ist Artemis für die Fortpflanzung zuständig; entsprechend ordnet man vor allem die Keimdrüsen dem Mond zu. Wollen wir beispielsweise eine Fruchtbarkeitssteigerung bewirken, sollten Mondpflanzen wie Basilikum, Frauenmantel, Mistel oder Silberkerze nicht fehlen. Man erkennt ihre lunaren Eigenschaften beispielsweise an ihren zarten weißen Blüten, die meist schnell verblühen, an ihren silbrigen Blättern oder ihrer schleimigen und saftigen Konstistenz.

Als Emmenagogum und wegen seiner stimulierenden Wirkung auf die Hypophyse, ist der silbrig schimmernde Beifuß, eine der heiligen Pflanzen der Mondgöttin Artemis, ein weiterer wichtiger Bestandteil solcher Rezepte. Als Ergänzung eignen sich vor allem Venuspflanzen wie der rosablühende und nach Blut riechende Storchschnabel, im Volksmund auch “Kindsmacher” genannt. Das Mondmetall Silber und die Küchenschelle, runden das Fruchtbarkeitsrezept ab. Letztere untersteht wegen ihrer Komplementärfarben und ihrer zarten Blütenbildung dem Götterboten Hermes/Merkur, der für den Hormonhaushalt zuständig ist.

Viele Mondpflanzen bevorzugen feuchte Standorte, wie die saftige Birke mit ihrer weißen Rinde, der weißblühende Fieberklee und Mädesüß oder die Weide mit ihren silbrigen Blättern. Wieder andere sind saftig und kühlend wie die Vogelmiere. Ihre Wirkung erstreckt sich von Rheuma über Entzündungen bis hin zu fieberhaften Infekten.

Als Spiegel der Sonne, entspricht dem Mond auch das Unbewusste und die Fähigkeit zur Reflexion. Als Licht der Nacht erhellt er die Abgründe unserer Seele und beeinflusst unseren Schlaf sowie unser Traumbewusstsein. Bei Schlafstörungen, um Zugang zum Unbewussten zu erhalten oder um psychosomatische Beschwerden zu behandeln, sind Mondpflanzen daher unentbehrlich. Merkmale solcher Pflanzen sind z.B. ihr betäubender muffiger Geruch (Baldrian, Maiglöckchen, Patchouli), Nachtfalter die sie umschwärmen (Nachtkerze) oder ihre Blütenpracht, die sich erst nachts entfaltet (Königin der Nacht). Einige sonnenhafte Pflanzen eignen sich zur Ergänzung, wenn Menschen beispielsweise Angst vor der Dunkelheit oder Alpträume haben (Johanniskraut, Engelwurz).

Die Silberkerze, Cimicifuga racemosa, zeigt Signaturen von Mond (Farbe, Geruch, Bezug zur Fruchtbarkeit) und Merkur (Gestalt und Bezug zum Hormonsystem)

Rp. Empfängnissteigerung für Frauen (Mond, Merkur, Venus);
die Bestandteile werden eingesetzt zur Zyklusregulierung, zur Anregung der Keimdrüsen und zur Linderung prämestrueller Symptome.

  • Alchemilla vulgaris Ø
  • Argentum metallicum D6
  • Artemisia vulgaris D4
  • Geranium robertianum Ø
  • Helonias dioica D4 aa ad 100.0
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    MDS, 3 x tgl. 20 Tropfen

Rp. Schlafstörungen mit psychosomatischen Herzbeschwerden und Gedankenzudrang (Mond, Sonne, etwas Merkur, Saturn)

  • Argentum metallicum D12
  • Cactus grandiflorus D4
  • Crataegus oxyacantha Ø
  • Passiflora incarnata Ø
  • Valeriana officinalis Ø aa ad 100.0
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    MDS, abends 30 Tropfen; 1 Stunde vor dem Schlafengehen und bei nächtlichem Aufwachen wiederholen.
    Bei hartnäckiger Schlaflosigkeit zusätzlich: Bryophyllum Argento cultum Rh Dil D3 (Weleda), vor dem Schlafen und bei nächtlichem Erwachen je 10 Tropfen.

Merkur

Dem geflügelten Götterboten Merkur/Hermes entspricht das Prinzip des Informationsaustausches, damit alle Stoffwechselprozesse (= Umwandlungsprozesse), die Atmung und das Hormonsystem (Hormon = Hermes). Merkurpflanzen erkennt man an ihrer schlanken und aufrechten Gestalt (Spitzwegerich); auch rankende Pflanzen zeigen Merkuraspekte (Bittersüß, Efeu, Hopfen). Die Blätter sind meist schmal und lanzettförmig (Eucalyptus, Lavendel, Oleander) oder zart gefiedert (Dill, Fenchel). Bei den Blütenfarben dominieren Blautöne (Lavendel, Lungenkraut) oder die Komplementärfarben Gelb und Violett (Akelei, Bittersüß); auch Schirmblüten zeigen den Merkur (Doldenblütler). Mit seinen Signaturen entspricht der Götterbote dem Element Luft. Merkurpflanzen stärken zum Beispiel die Atmungsorgane bei Infektanfälligkeit oder Allergien; sie eignen sich auch allgemein zur Behandlung von Haut- und Schleimhauterkrankungen (Grenzflächen = Merkur, Saturn).

Die Idee der Kommunikation wie sie Merkur als Götterbote verkörpert, weist darauf hin, dass man seine Pflanzen häufig verwenden sollte. Sie dienen vor allem zur Abrundung von Rezepten. In seinen Eigenschaften ist Merkur ambivalent. Er harmoniert mit nahezu jeder anderen Planetenkraft. Dies ist wichtig, denn wie im täglichen Leben, so spielt auch unter den Planeten Antipathie und Sympathie eine Rolle, man denke nur an die Liebeleien und Animositäten im olympischen Götterhimmel (siehe Übersichtstabelle). Dass Pflanzen befreundeter Planeten auch in Rezepten harmonieren, ist selbstverständlich. Aber gerade Mischungen aus Mitteln feindlich gesinnter Planeten zeigen oft besondere Wirkungen, dies aber nur, wenn man einen “Friedensstifter”, z.B. Merkurpflanzen, in das Rezept einbaut.

Die violette Farbe, die Feinheit der Formen und die Wirkung auf die Hormone zeigen einen Bezug zu Merkur, wie hier bei der Küchenschelle

Rp. Lungenschwäche mit Infektanfälligkeit der Atemwege; auch bei asthmatoiden Erscheinungen (Merkur, etwas Venus, Sonne, Saturn)

  • Betonica officinalis Ø
  • Lavandula officinalis Ø
  • Tilia cordata Ø
  • Plantago lanceolata Ø
  • Pulmonaria officinalis Ø aa ad 100.0
    MDS, 3 x tgl. 20 Tropfen
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    Zusätzlich: Flechtenhonig Hustensaft (Weleda); enthält vier Flechten (antibiotisch wirkende Flechtensäuren; Merkur-Mond-Saturn)

Venus

Die Schönste im olympischen Götterhimmel ist Venus/Aphrodite, die Göttin der Liebe. Ihre Geburtsstätte ist das Meer (Gefühle), daher der Name “Schaumgeborene”. Ihr sind vor allem Kräuter geweiht, die die Lust und die Lebensfreude steigern (Aphrodisiaka). Astrologisch ist ihr Einfluss  mild und wohltätig. Venuspflanzen runden daher Rezepte aus stark wirkenden Mitteln ab und schwächen deren Nebenwirkungen.

Die Schönheit der Venus zeigt sich auch in ihren Pflanzen. Sie verleiht ihnen harmonische weiche Formen, verwöhnt das Auge mit einer üppigen und bunten Blütenpracht und die Nase mit betörend sinnlichen Düften (oft auch Mond). Venuspflanzen sind die wichtigsten Bestandteile von Liebestränken (Damiana), Parfüms (Ylang-Ylang), erotischen Körperölen (Rose) und kosmetischen Präparaten (Dachwurz, Gänseblümchen). Aber auch in Venen- (Venen = Venus; z.B. Hamamelis) und Nierenrezepten (Bärentraube) oder in Lebenselixieren (Melisse) sind sie enthalten. In der Psychotherapie sind sie unentbehrlich, da sie die Gefühlswelt von seelischem Ballast reinigen (das Venusorgan Niere ist das Organ der Angst), sozial verträglicher machen (Prinzip der Harmonie) und Selbstsicherheit vermitteln.

Die Rose ist Sinnbild der Liebe und Symbolpflanze der Venus

Rp. Die Bestandteile werden eingesetzt als Aphrodisiajum, zur Entspannung, zur Anregung der lebenslust und um Zuversicht und Selbstsicherheit zu vermitteln (Venus, etwas Mond und Sonne)

  • Nux moschata D4
  • Sumbulus moschatus D2
  • Verbena officinalis Ø
  • Daminana Ø
  • Rosa centifolia Ø aa ad 100.0
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    MDS, 3 x tgl. 30 Tropfen und bei Bedarf einen Teelöffel, vorzugsweise in Rotwein.

Sonne

Ebenso wohltätig wie die Venus ist die Sonne, die mit ihrer Wärme alles belebt. Im Menschen verkörpert sie sich daher in allen Wärmeprozessen. Im Blut und im Herz-Kreislaufsystem finden sich weitere Entsprechungen.

Heilpflanzen mit sonnenhafter Natur sind vor allem Bestandteile von Lebenselixieren die den Lebensfunken im Menschen wachhalten, z.B. Theriak (Engelwurz), Aquavit (Johanniskraut, Rosmarin), Frenette (Esche), Melissengeist (Engelwurz, Koriander). Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß die meisten Gewürzpflanzen der Sonne unterstehen. Ein gut gewürztes Essen schmeckt eben nicht nur gut, es erhält vor allem die Lebenskraft bis ins hohe Alter.

Wegen ihrer leuchtend-gelben Farbe oder ihrer majestätischen Gestalt (Sonnenblume, Ringelblume, Johanniskraut) sind Sonnenpflanzen in der Natur leicht zu finden. Ihr warmer balsamischer Geschmack hinterlässt auf der Zunge ein sanftes Glühen (Engelwurz, Gelbwurz), eine Signatur ihrer wärmenden Eigenschaften.

Einige der Lichtgeschöpfe aus der Pflanzenwelt eignen sich auch zur Herztherapie (Adonis, Rosmarin). “Wie die Sonne auf die Erde wirkt, so wirkt das Herz auf den Leib” (Paracelsus). Als Sonnenorgan ist das Herz der Mittelpunkt im Mikrokosmos Mensch. Entsprechend der astrologischen Bedeutung der Sonne, wird das Herz auch als “Ich-Organ” bezeichnet. Es erkrankt, wenn die äußere Lebensweise nicht mit der inneren Wahrheit übereinstimmt. Sonnenpflanzen eignen sich daher besonders gut, um Folgen einer disharmonischen Lebensweise zu beheben, vor allem wenn zusätzlich Kälte den Krankheitsprozess beherrscht; dies beschränkt sich nicht nur auf eine Schwäche von Herz und Kreislauf, sondern beinhaltet auch die seelische Kälte. Mit ihrer sonnenhaften Natur durchlichten und erwärmen die Heilmittel der Sonne die frierende und verdunkelte Seele (Johanniskraut, Engelwurz). Sie verbessern auch das Selbstwertgefühl (zusammen mit Venus) und helfen bei Selbstzerknirschung sowie Angstzuständen.

Mit dem Ich-Bewusstsein ist untrennbar die Selbsterkenntnis verbunden. “Erkenne Dich selbst” stand auf den Toren Delphis geschrieben, der Orakelstätte des Sonnengottes Apollon. Besonders der sonnenhafte Lorbeer spielte im Apollonkult eine Rolle. So bestand der Tempel aus Lorbeerholz und die Orakelpriesterinnen ruhten auf Lorbeerblättern und zerkauten sie als Hilfsmittel, um ihre Sehergabe zu stärken; im Griechischen nannte man das Sonnengewürz “Mantikos”, das Hellsehkraut. Auch die Priesterinnen des Heilgottes Asklepios, ein Sohn des Apollon, benutzten die aromatische Pflanze, um den Krankheitsgeist besser wahrzunehmen. Zur Stärkung der Seherkraft wurde Lorbeer auch geräuchert.

Sonnenpflanzen sich lichtvolle Wesen und strahlen eine freundliche Wärme aus, wie hier die Schlüsselblume

Rp. Lebenselixier “Danziger Goldwasser” (aus dem Buch “Heilmittel der Sonne”, AT Verlag); Sonne, etwas Merkur und Venus

  • Je ein Teelöffel Kardamom, Koriander und Sternanis, zusammen mit einer handvoll Rosenblüten, einer Stange Zimt, fünf Gewürznelken, einigen Wacholderbeeren, einer Prise Macis sowie einigen Zitronen und Pomeranzenschalen, in 0,7 Liter Doppelkorn mit 170 g braunem Zucker ansetzen.
  • Das Gemisch stellt man für sechs bis acht Wochen in die Sonne; täglich schütteln, anschließend abfiltrieren und umfüllen.
  • Anschließend etwas Blattgold hinzufügen, das bei Zusatz von Speisestärke sogar schwebt. Anstelle von Blattgold, kann man auch 20 ml Aurum colloidale D6 (Spagyra) verwenden. Der ästhetische Reiz geht dem Rezept dann aber verloren.

Rp. Sonnenweihrauch zum Hellsehen (nach Leo Vinci aus “Die magischen Werke” von A. v. Nettesheim); das Rezept beinhaltet die zwei Lichter Sonne und Mond sowie den Götterboten Merkur.

  • Johanniskraut, Wermut, Anis, Baldrian, Salomonssiegel, Safran und Lorbeerblätter
  • zerkleinern und zu gleichen Teilen mischen.
  • Während einer Meditation oder einer Orakelbefragung wird die Kräutermischung auf glühende Räucherkohle gestreut.

Mars

Mars verkörpert Willensstärke, Widerstandskraft sowie Triebhaftigkeit und Aggression als Willensimpuls zum Überleben. In der Antike verehrte man ihn als Kriegsgott Mars/Ares; auch die Göttin Athene und Helden wie Herakles oder Siegfried der Drachentöter zeigen marsianische Elemente.

Entsprechend ihrem himmlischen Abbild sind viele Pflanzen des Mars mit ihren Stacheln, Dornen oder Brennhaaren ebenfalls recht wehrhaft (Disteln, Weißdorn, Brennnessel). Einige sind dagegen hautreizend oder blasenziehend (Bärenklau, Giftsumach, Seidelbast). Brennend und scharf ist die Geschmacksrichtug vieler Marspflanzen (Rettich, Knoblauch, Meisterwurz); Rottöne dominieren (Aronstab, Gauchheil, Kaffeebohne). Da auch Giftstoffe Pflanzen zur Abwehr dienen, sind diese häufig dem Mars unterstellt (Eisenhut; vor Entdeckung der transsaturnalen Planeten unterstanden alle Giftpflanzen Mars und/oder Saturn). Nicht alle Marspflanzen sind also wohltätig und Vorsicht ist bei manchen daher angebracht.

Dennoch sind die meisten Pflanzen des Kriegsgottes relativ ungiftig und ihre Anwendungsgebiete gehören zu den wichtigsten in der Heilkunde: Einerseits stärken viele die Abwehr und die Lebens- bzw. Willensenergie (Schlehe, Eleutherokokkus, Echinacea); manche Marspflanzen fördern auch die Gallentätigkeit (Galle ist das Organ des Willens; Disteln, Schöllkraut). Andererseits schützen sie den Körper vor Toxinwirkungen, bzw. leiten diese aus dem Körper aus (allg. Stachelsignatur zur Entgiftung), daher die Anwendungen bei chronischen Stoffwechselerkrankungen mit Erschöpfung, Rheuma, Gicht, Allergien oder Hautleiden. Ergänzend eignen sich für Entgiftungsrezepte Pflanzen der Venus und Sonne oder des Merkurs.

Manche Marspflanzen hängt man noch heute als schutzmagisches Amulett gegen Verhexung und Seuchen über die Tür, beispielsweise die Silberdistel, die mit ihrem animalischen Geruch (heißt auch Eberwurz) und ihrem Dornenkranz die Vitalität des Mars verkörpert. Sie enthält antibiotisch wirkende Stoffe (Carlinaoxyd) – die volkstümliche Verwendung als Schutzamulett ist also durchaus begründet.

Die rote Farbe, der brennende Geschmack der Tinktur und die immunstimulierende Wirkung zeigen beim Sonnenhut einen Bezug zu Mars

Rp. Abwehrstärke (Immunstimulans) und Willenskraft; Mars, etwas Sonne, Venus

  • Prunus spinosa Ø
  • Rosa centifolia D4
  • Urtica dioica Ø
  • Echinacea angustifolia Ø
  • Eleutherococcus Ø aa ad 100.0
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    MDS, 3 bis 5 x tgl. 20 Tropfen

Jupiter

Zusammen mit Venus und Sonne verkörpert Jupiter das Prinzip der Harmonie und Wohltätigkeit. Er ist der große Gönner in der Astrologie. Glück, Einfluss und Reichtum sind dem beschert, der eine gute Jupiterstellung im Horoskop hat. Jovialität (Jovis = Jupiter) zeichnet den Jupitermenschen aus.

Jupiterpflanzen sind so wohltätig wie ihr himmlisches Vorbild. Zusammen mit Venus und Sonne unterstehen dem Regenten des Olymp Bäume mit essbaren Früchten sowie Kornfrüchte. Viele weitere Laubbäume sind ebenfalls jupiterhaft (Kastanie). Dies gilt besonders für die Eiche (Quercus robur), in deren mächtiger Gestalt sich der kraftvolle Geist von Zeus/Jupiter verkörpert (robur = Kraft). In der Tat ist die Eiche nicht nur tonisierend und kräftigend, sondern auch ein wichtiges Mittel bei Vergiftungen (bindet Alkaloide und Schwermetalle), Entzündungen und Hautallergien. Eine Reihe weiterer Jupiterpflanzen eignen sich ebenfalls zur Behandlung von Haut- und Bindegewebsleiden (Beinwell, Borretsch, Dachwurz, Kastanie, Klette).

Bei der Betrachtung der Signaturen zeigen auffallend viele Pflanzen Gemeinsamkeiten mit der Sonne, z.B. die majestätische Gestalt, der leicht bittere und würzige Geschmack, leuchtende Farben, besonders Gelb (Artischocke, Engelwurz, Gelber Enzian). Viele dieser Pflanzen zeigen eine leberspezifische Wirkung. Da das Jupiterorgan Leber nicht nur ein Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan ist, sondern auch für unser Temperament verantwortlich ist, dienen solche Pflanzen, neben der Behandlung von Leberleiden, auch zur Therapie seelischer Störungen (Melancholie, Cholerik; siehe auch “Die Laus auf der Leber”; Naturheilpraxis 12/1995).

Jupiterpflanzen sind oft groß und stattlich, wie der Alant; viele ordnet man auch der Sonne zu

Rp. Leberschwäche und -depression (Jupiter mit Sonne, etwas Mars)

  • Agrimonia eupatoria Ø
  • Cichorium intybus Ø
  • Cnicus benedictus Ø
  • Taraxacum officinale Ø
  • Carduus marianus Ø aa ad 100.0
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    MDS, 3 x tgl. 30 Tropfen zum Essen

Saturn

Bis zur Entdeckung der transsaturnalen Planeten, war Saturn die zwielichtigste unter den sieben kosmischen Grundkräften. Er ist der Herr der Einschränkungen und Prüfungen, aber auch der Metaphysik. In diesem Sinne entspricht er der Berufung, der wir zu folgen haben, um Unglück zu vermeiden. Erst wenn wir uns dem verweigern, wird sein Einfluß wirklich unangenehm. Einerseits verkörpert Saturn den luziferischen Fall des Geistes in die Materie, andererseits heisst er auch “Lichtbringer”. Die Entsprechung ist unsere Fähigkeit zur Erkenntnis, mit deren Hilfe wir unsere materiellen Grenzen überwinden können.

Eine Reihe saturnaler Pflanzen können uns durch ihre psychoaktive Wirkung bei unserem Bemühen um Bewusstheit helfen (Fliegenpilz, Peyotl). Saturn ist der “Hüter der Schwelle” zur Welt kosmischen Bewusstseins und viele seiner Pflanzen dienen noch heute Schamanen auf der ganzen Welt zur Schau verborgener Wahrheiten jenseits von Raum und Zeit (Saturn ist der Hüter der Zeit; bis in die Neuzeit unterstanden alle halluzinogenen Stoffe Saturn und/oder Merkur).

Dem Saturn entspricht auch das Alter, der Tod (dito der Initiationstod) und alles Dauerhafte; damit unterstehen ihm im Menschen vor allem die Milz (Todesprozesse), die Knochen, alle chronischen Krankheiten sowie alle mineralisierenden oder verhärtenden Krankheiten (MS, Sklerose, Steinbildung).

Dieses saturnale mineralische Prinzip finden wir in Pflanzen mit hohem Kieselsäuregehalt wieder (Schachtelhalm, Bambus, Hafer, Rauhblattgewächse wie Beinwell). Kieselsäure stimuliert die Abwehr, strukturiert bei entzündlichen Haut- und Schleimhauterkrankungen, strafft und reinigt das Bindegewebe und verbessert den Lichtstoffwechsel zwischen Zellen. Ferner ist Kieselsäure für die Aufrichtekraft von Pflanzen notwendig (Streben zum Licht); therapeutisch wird sie deshalb vor allem bei Wirbelsäulen- und Knochenleiden genutzt, aber auch bei psychischen Leiden, denn Kieselsäure ist eine regelrechte Nervennahrung bei Erschöpfung und Depression (mit solaren Mitteln ergänzen).

Als Verkörperung der Winters und der Unterwelt, ist Saturn mit Totenkulten verknüpft. Friedhofspflanzen wie Efeu, Wacholder, Eibe oder Zypresse sind allesamt saturnal. Ihre Gemeinsamkeit ist, neben ihrer Düsterkeit, daß sie alle Immergrün sind, also dauerhaft der dunklen Jahreszeit trotzen. Dies ist auch ein Kennzeichen für ihre solare Natur, denn sie zeugen davon, dass die Tore der Unterwelt niemals ganz verschlossen sind. Immerhin findet im Zeichen Steinbock, das Saturn regiert, die Geburt der Sonne statt, die wir noch heute als Weihnachten feiern; immergrüne Pflanzen als Weihnachtsschmuck zeugen also von der Unsterblichkeit der Sonne.

Als Heilmittel dienen immergrüne Pflanzen ausnahmslos zur Behandlung von Altersleiden sowie chronischen und/oder kalten Erkrankungen. Für wurzelbetonte Heilpflanzen gilt ähnliches, denn der unterirdische mineralische Pol der Pflanze untersteht ebenfalls dem Saturn.

Schachtelhalm ordnet man dem Saturn zu – Signaturen sind z.B. die Gestalt, der Wachstumsort und der hohe Kieselsäuregehalt

Rp. Osteoporose; Saturn und Mond, etwas Jupiter, Sonne

  • Alchemilla vulgaris Ø
  • Calcium phosphoricum D6
  • Equisetum arvense Ø
  • Inula helenium Ø
  • Symphytum officinale Ø aa 10.0
    MDS, 3 x tgl. 30 Tropfen
    (Von Spagyra über eine Apotheke, z.B. Lindenapotheke Pfaffenhofen, mischen lassen)
    Zusätzlich: Aufbaukalk I und II (Weleda), tgl. jeweils eine Messerspitze

Jenseits der Schwelle – Uranus, Neptun und Pluto

Mit Saturn verlassen wir die sieben kosmischen Grundkräfte und stoßen “jenseits der Schwelle” in den Bereich kosmischen Bewusstseins vor. Mit der Entdeckung von Uranus, Neptun und Pluto begann ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte. “In alter Zeit, mit sieben Planeten am Himmel, verkehrte der Mensch mit den Göttern und Naturwesen wie mit seinesgleichen. Dann kam der Fall in das Weltsystem des hasserfüllten Eingottes. Das finstere Mittelalter endet erst jetzt, im Zeitalter der neuen Planeten, die der Mensch als Manisfestationen einer neuen Zeit entdeckt hat. Über die neuen Planeten ist wieder eine Beziehung zum Übernatürlichen möglich. Wir sind damit in das Zeitalter des Lichts und der Gnade eingetreten, allerdings muss jeder selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will” (A. Crowley).

Obwohl man die neuen Planeten als “kollektiv wirkende” bezeichnet, ist jeder in dieser Zeit dazu aufgerufen, seinen wahren und einzigartigen Weg zu finden, jenseits aller Institutionen und Glaubensvorstellungen. Die Wirkung dieser Kräfte ist auflösend auf verkrustete soziale Strukturen. Astrale Kräfte, Spontanität (Uranus), Mystik (Neptun) und der Zugang zu den archaischen Wurzeln des Bewusstseins (Pluto) bestimmen den Zeitgeist. Wie schwierig dieser Weg für den Menschen ist, zeigt die Zunahme an Herzleiden, viralen Erkrankungen, Allergien, Krebs, Nervenleiden, Psychosen und Drogensucht, die alle auf die Wirkung dieser Planeten zurückzuführen sind. Die Leiden sind ein Ausdruck für den Konflikt des Individuums, die alten Hüllen abzustreifen.

Betrachten wir die Pflanzen dieser Planeten, so zeigen einige Gemeinsamkeiten: Der Wachstumsort ist häufig geopathisch (Wasseradern, Erdverwerfungen); Ausbildung von Giftstoffen (Rauschpflanzen); bizarre Wachstumsformen, die an Naturgeister erinnern – die neuen Planeten verkörpern die “Anderswelt”.

Schwarzes Bilsenkraut

Die Transaturnalen Planeten zeichnen vor allem die Giftpflanzen wie hier das Bilsenkraut, das von Fred Weidmann künstlerisch etwas verfremdet wurde

Pflanzen des Uranus zeigen viele Gemeinsamkeiten mit Merkur (Oktave). Sie eignen sich vor allem dazu, das kreative Potential des Bewußtseins zu steigern (Channeling: Akelei, Immergrün, Natternkopf, Wahrsagesalbei). Andere zeigen ihre Heilwirkung bei Leiden durch plötzliche Einflüsse oder nach Strahlungen (Wasserdost, Beifuß, Arnika, Eleutherokokkus).

Pflanzen des Neptun wirken dagegen eher betäubend und lähmend; in homöopathischer Zubereitung zeigen sie dagegen einen stimulierenden oder harmonisierenden Effekt (Schlafmohn, Bilsenkraut, Teichrose). Manche führen bei Missbrauch schnell zu Suchterscheinungen oder Wahnsinn (Schlafmohn, Heroin, Stechapfel). Einige Pflanzen des Uranus und des Neptun sind in geeigneter Dosierung krebsfeindlich (Eleutherokokkus, Mistel).

Im Pluto verkörpert sich die “andere” Welt besonders eindrucksvoll. Als Herr der Unterwelt (= Erde) sind seine Pflanzen meist düster. Manche Plutopflanzen wie Lebensbaum oder Zypresse sind zudem beliebte Friedhofspflanzen, die, richtig dosiert, zu den besten Immunstimulantien und lebensverlängernden Mittel gehören. Die Eibe zeigt den Pluto in besonders reiner Form. Unter ihr trafen sich Druiden zum Rat und im Totenkult der Gallier galt sie als Opfergabe und Symbol des ewigen Lebens; vielleicht war sie sogar der Weltenbaum, der bekanntlich immergrün gewesen sein soll. Auch Bilsenkraut zeigt plutonische Kräfte. Herakles brachte es aus der Unterwelt mit ans Tageslicht und im Orakelkult vieler Völker spielte es eine wichtige Rolle, da es die Augen für eine Welt jenseits aller Vorstellung öffnet.

Wenn man die Pflanzenliste der drei Planeten genauer anschaut, fällt auf, dass viele rezeptpflichtig sind, oder der Genuss durch das Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Dies ist nicht unbedingt ein Verdienst zum Wohle der Menschheit, sondern eher ein Indiz dafür, wie sehr sich unser Leben von jeglicher Spiritualität entfernt hat. Die Zukunft wird es zeigen, ob wir dazu bereit sind, den “Pflanzen der Götter” wieder einen festen Platz in unserem Kulturkreis einzuräumen. Vielleicht können wir dann besser das transzendente Potential der neuen Planeten für unsere Bewusstseinsentwicklung nutzen.

Efeugesicht

Pluto zeigt sich den Sinnen als Blick in die Anderswelt; Baumgesicht im Eibenwald bei Paterzell

Anmerkungen

1. Nach antiker Vorstellung: Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn.

Literatur

  • Olaf Rippe/Margret Madejsky: “Heilmittel der Sonne” (AT Verlag)
  • Agrippa von Nettesheim: “Die magischen Werke” (Marix Verlag)
  • Akron: “Das Astrologie-Handbuch” (Kailash Verlag)
  • Viktor Bott: “Anthroposophische Medizin” (Haug Verlag)
  • Surya: “Astrologie und Medizin” (Rohm Verlag)

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