Regelmäßige Bewegung und gemäßigter Breitensport gehören zur Basis unserer Gesundheit. Nicht umsonst sprechen wir von einem Bewegungsapparat. Spätestens ab dem 40ten Lebensjahr ist gezieltes leichtes Krafttraining unabdingbar um allerhand Alterserscheinungen vorzubeugen.

Jede Sportart birgt jedoch auch das Risiko von Verletzungen aller Art. So kommt es nicht selten zu Bänder- oder Sehnenverletzungen oder gar Knochenbrüchen. Auch in solchen Fällen liefert uns die Naturheilkunde Strategien, die den Heilungsprozess günstig beeinflussen.

Allgemeine Erste Hilfe bei Sportverletzungen

Zeitlos behält die PECH-Regel ihre Gültigkeit für die erste Hilfe: Kommt es im Sport zu einer Verletzung sollte eine Pause eingelegt werden, der verletzte Körperteil mit Eis gekühlt werden (die Kältewirkung sollte dabei durch Tücher haut- und gewebeverträglich abgemildert werden) und durch Kompression und Hochlagern entlastet werden. Um Schwellungen und Blutergüsse zu vermeiden oder zu lindern kommen in der naturheilkundlichen Praxis zusätzlich Wickel und therapeutische Tapes infrage.

Unterstützung durch Therapeutisches Taping

Therapeutische und kinesiologische Tapes erfreuen sich in den letzten Jahrzenten immer größerer Beliebtheit und sind auch im Spitzensport weit verbreitet. Die wirkweise der Tapes ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Es gibt jedoch einige Erklärungsansätze:

Die Kinesiotapes bestehen aus Baumwolle, die mit einem Acrylkleber beschichtet ist und in der Länge um bis zu 150% dehnbar ist. Durch das richtige Anlegen der Tapes entsteht zwischen der Haut und dem Pflasterstreifen ein Spannungseffekt, der Einfluss nimmt auf die Weitstellung der Kapillar-  und Lymphgefäße in der Haut. Durch die „Öffnung“ dieser Gefäße werden Durchblutung und Stoffwechsel lokal angeregt. Dadurch können Hämatome und Schwellungen schneller abgebaut werden. Die Erfahrung zeigt, dass durch das Aufbringen der Tapes unmittelbar nach der Verletzung bereits die Entstehung von Schwellungen oder Hämatomen verhindert werden kann.

Ein weiterer Erklärungsansatz hängt mit der Reizleitungsgeschwindigkeit der Schmerz- und Berührungsnerven zusammen (Fist-Gate-Effekt). Schmerz entsteht erst bei der Verschaltung im Gehirn. Sein weg dorthin ist derselbe wie der der Berührungssensoren. Offensichtlich ist die Geschwindigkeit der Berührungssensorik jedoch höher, so dass der Schmerz sich nicht mehr voll entfalten kann, weil der Rezeptor im Gehirn nicht mehr voll „empfangsbereit“ ist. Diesen Effekt machen sich bereits kleine Kinder zu nutze, die schon früh lernen, die Hand auf den schmerzenden Kopf zu pressen, nachdem sie sich angestossen haben. Tatsächlich kann man beobachten, dass der Schmerz durch die Verwendung von Kinesiotapes unmittelbar gelindert werden kann. Je akuter der Schmerz-Zustand, desto besser der Effekt.

Um die beiden erwähnten Effekte nach einer Sportverletzung unmittelbar zu nutzen, werden Tape-Streifen in entsprechender Länge vorgeschnitten. Die Ecken werden abgerundet um die Haltbarkeit auf der Haut zu erhöhen. Der Klebeschutz wird in der Mitte des Streifens aufgerissen und der Mittelteil des Tapes mit starkem Zug über dem Hauptschmerzbereich, bzw. dem Areal an dem ein stumpfes Trauma stattgefunden hat aufgebracht. Zu den Enden hin wird das Pflaster ohne Zug auf der Haut ausgestrichen. Will man die Farbwirkung der bunten Bänder mit berücksichtigen, wird bei akuten Verletzungen und für den abschwellenden Effekt mit blauen Tape-Streifen gearbeitet. In der Praxis erweist sich jedoch auch die Verwendung anderer Farben oder hautfarbiger Tapes als wirksam.

Wickeltherapie bei Sportverletzungen

Eine weitere Sofortmaßnahme zur Schmerzlinderung und Reduktion von Schwellungen und etwaigen Hämatomen, ist das Aufbringen von Quarkwickeln. Der klassische Quarkwickel kann zu dem noch ergänzt werden durch Pulver von Weidenrinde und Beinwellwurzel.

Die Weidenrinde gilt als das wirkungsvollste Analgetikum der Pflanzenwelt. Sie wirkt schmerzlindernd, antientzündlich, fiebersenkend, antirheumatisch, antioxidativ. Die signifikante Wirkung beruht nicht ausschließlich auf dem Gehalt von großen Mengen an Salicylalkoholderivaten, wie beispielsweise Salicin, das im Körper zu Salicylsäure umgebaut werden kann und als Hauptwirkstoff gilt, sondern auch auf der Zusammenwirkung mit Saponinen, Flavonoiden und anderen.

Der Beinwell erhielt eine Positiv-Monografie für die äußerliche Anwendung bei Prellungen, Zerrungen, und Stauchungen. Traditionell wird er auch bei Knochenbrüchen und Wunden verwendet, sowie bei Arthritiden, Gichtknoten, Sehnenscheid- oder Schleimbeutelentzündungen.

Er wirkt antiphlogistisch, analgetisch, antioxidativ, antiödematös und lokal reizmildernd. Außerdem fördert er die Kallusbildung und das Abströmen von Flüssigkeit (z.B. Hämatom-resorption), sowie die regenerative Zellneubildung.

Zusätzlich kann ein solcher Wickel ergänzt werden durch ätherische Öle, wie beispielsweise Immortelle, Cistrose und Lavendel. Immortelle gilt als das SOS-Öl bei stumpfen Traumen und Hämatomen, da es aufgrund des hohen Gehaltes an Sesquiterpenen bis in tiefe Schichten auflösend und antientzündlich wirkt. Ergänzt durch das stark wundheilende Öl der Cistrose und schmerzlinderndes Lavendelöl kann somit eine deutlich abschwellende Wirkung erreicht werden.

Zum Anlegen eines Wickels bzw. einer Kompresse benötigt man zudem ein glattes Innentextil, z.B. aus Leinen, und ein etwas stärkeres Außentextil, beispielsweise ein Stück Molton oder ein Baumwoll-Frottee-Handtuch. Für die richtige Temperatur sollte der Quark (Halbfettstufe ist sehr gut geeignet) bereits 30 bis 45 Minuten vor der Anwendung aus dem Kühlschrank genommen werden.

In etwa 100g des temperierten Quarkes werden jeweils ein Esslöffel Weidenrinde und Beinwellwurzel gerührt. Außerdem können 3 Tropfen Immortellenöl und jeweils 1 Tropfen ätherisches Öl von Cistrose und Lavendel zugefügt werden.

Der entstandene Brei wird nun ca. 5mm dick auf das zuvor in mehrere Lagen gefaltete Innentextil aufgetragen und mit der Brei-Seite auf die entsprechende Körperregion aufgebracht. Durch die Faltung in mehrere Lagen saugt das Textil Flüssigkeit gut auf, so dass hierbei auch keine Verschmutzung entstehen sollte. Im Anschluss wird das Körperteil, auf dem die Kompresse aufliegt mit dem Außentextil vollständig umwickelt, wobei das Textil möglichst festgezogen werden sollte um Lufteinschlüsse zu vermeiden.

Der Wickel verbleibt so lange auf der Haut, wie er sich kühlend anfühlt, so dass ggf. nach 20 Minuten gewechselt und eine frische Kompresse aufgetragen werden sollte. Der Patient kann dies zu Hause bis zu zweimal täglich wiederholen. Zuvor aufgebrachte Kinesiotapes werden einfach „über-wickelt“, der Kontakt mit dem Quarkgemisch stört die Haltbarkeit in der Regel nicht.

Lokale Anwendung von Salben

Als zusätzliche Lokaltherapie helfen Salben, die im Wechsel zum Einsatz kommen können. Allgemein hat sich bei stumpfen Traumen Traumeel-Salbe (Heel) bewährt. Bei Band- oder Knochenverletzungen eignet sich auch Arnica / Symphytum comp. Salbe (Weleda) aus der anthroposophisch erweiterten Medizin hervorragend zur Erstbehandlung. Sie enthält unter anderem den Korbblütler Arnica montana, der laut H. Vogel Krankheitszustände therapiert, „die darauf beruhen, dass sich im venösen Kapillargebiet das Blut staut, der Flüssigkeitsprozess im Bindegewebe zwischen interstitieller Flüssigkeit und Blutprozess gestört ist und es zu venösen Stasen kommt“. Zweiter Namensgeber ist der der bereits oben beschriebene Beinwell (Symphytum officinale). Ein weiterer Bestandteil ist die Alraune (Mandragora off.), die in der anthroposophischen Medizin zur Behandlung von Schäden an Knorpeln und anderen bindegewebigen Strukturen zum Einsatz kommt.

Will man die Haltbarkeit von Kinesiotapes nicht durch fetthaltige Salben stören, werden diese in den tapefreien Zwischenräumen aufgetragen oder man greift zu Gelen oder Gelees, wie beispielsweise Arnika-Gelee (Weleda) oder Gelum Sportgel (Dreluso). Prinzipiell können Salben und Gels auch als Wickelanwendung aufgetragen werden. Hierbei wird durch die Erzeugung einer Dunstatmosphäre innerhalb des Wickels eine stärkere Öffnung der Hautporen und dadurch eine intensivere Wirkung der Salben erreicht.

Arnika, die Königin unter den Pflanzen für den Bewegungsapparat

Begleitung durch Injektionen

Zusätzlich zu Taping und Wickelanwendungen kommen in der Lokaltherapie begleitend Injektionen in Frage. Da Traumeel (Heel) auch in Ampullen-Form zur Verfügung steht, kann es sehr gut zur Behandlung von Ergüssen, Schwellungen, Schmerzbereichen oder Hämatomen verwendet werden. Hierzu wird es in der Nähe des betroffenen Körperteils subkutan oder direkt rund um den Traumabereich intrakutan injiziert.

Bei Muskel-, Band- und Sehnenverletzungen bewährt sich zudem das rezeptpflichtige Mittel Plantago-Primula cum Hyoscyamo (Weleda), das ausschließlich in Ampullenform zur Verfügung steht. Dieses Mittel sollte ursprünglich den Namen „Myodoron“ – „Das Geschenk an die Muskulatur“ erhalten und ist in der heutigen Therapie beinahe in Vergessenheit geraten. In der Praxis wirkt es zuverlässig bei genannten Sportverletzungen, ebenso wie bei Verspannungen und Hexenschuss. Die angegebene Indikation für die Ampullen lautet „Anregung des Aufbaustoffwechsels bei Muskelerkrankungen, Störungen des Stoffwechsels und des Spannungszustandes der Muskulatur“.

Im Falle von Stauchungen oder Knochenverletzungen sei noch das Injektionspräparat „Symphytum comp.“ der Firma Wala erwähnt, das neben den beiden bereits genannten Komponenten Arnika und Beinwell auch die abschwellende und entzündungswidrige Zwiebel enthält. Anwendungsgebiete sind beispielsweise Knochenbrüche und Knochenhautentzündungen, aber auch Tendopathien.

Zur leichten Betäubung des Areals können vor der Quaddelung mit den beschriebenen Mitteln einige intrakutane Injektionen mit Procain (z.B. Hewedolor 2% Ampullen – Hevert) erfolgen. Im weitesten Sinne stellt dies zugleich eine Entstörung des Traumabereiches ähnlich der Vorgehensweise aus der Neuraltherapie dar.

Innerliche Einnahme zur Behandlung von Sportverletzungen

In der Nachbehandlung von Sportverletzungen kommen diverse naturheilkundliche Mittel zur oralen Einnahme infrage. Als Akutmittel hat sich Arnika C30 in Form von Globuli oder Dilution  als Einmalgabe bei stumpfen Traumen aller Art bewährt. Traumeel als abschwellendes und schmerzstillendes Mittel kann über den gesamten Heilungsprozess in Form von Tropfen oder Tabletten eingenommen werden. In den ersten Tagen werden hierfür bis zu stündlich 15 Tropfen, später dann 3-5 x tägl. 15-25 Tropfen verabreicht. Bei Knochenbrüchen unterstützen Symphytum comp. Globuli von Wala die Kallusbildung. Als Dosierungsbeispiel werden 3x tägl. 10 Kügelchen auf der Zuge zergehend eingegeben.

Zur beschleunigten Heilung von bindegewebigen Strukturen, also Sehnen, Bänder, Knorpel oder Bandscheiben, benötigt der Körper große Mengen an Kieselsäure. Diese kann als Nahrungsergänzung eingenommen werden, z.B. Silicea Balsam (Reformhaus) oder über Nahrungsmittel, die einen besonders hohen Gehalt aufweisen, wie beispielsweise Hirse oder Hafer. Auch Vitamin C trägt zur Kollagenbildung nach Verletzungen am Bewegungsapparat bei, so dass auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse zu achten ist. Sobald Heilungsverlauf und Schmerzsymptomatik es zulassen sollte außerdem vorsichtige Belastung wieder erfolgen. Generell heilen Verletzungen am Bewegungsapparat deutlich schneller und besser in Bewegung. Eine Struktur, die der Körper nicht braucht wird er weniger zielgerichtet regenerieren. Daher sollte das Ziel der Behandlung immer sein, die Bewegungsfähigkeit in kurzer Zeit wieder herzustellen. Selbstverständlich ist beim Wiedereinstieg in die sportliche Betätigung darauf zu achten, dass Folgeverletzungen oder Rückfälle vermieden werden.

Hier helfen neben bewusstem, sinnvollem Aufwärmtraining und einer generellen Anpassung des Trainingsplans therapeutische Tapes, die die zuvor verletzen Strukturen mild stabilisieren und die Aufmerksamkeit des Sportlers für die noch empfindlichen Partien fördern. Unter der Beachtung dieser Punkte und vor allem der eigenen Schmerzgrenze sollte nach der Freigabe durch den Therapeuten der erneuten Freude an der Bewegung nichts mehr im Wege stehen.

 

Verfasserin:

Christine Baumann

Heilpraktikerin, München

www.jump-on.eu