Wegwarte – Himmelblauer Sonnenwirbel

Wegwarte – Himmelblauer Sonnenwirbel

Die Wegwarte (Cichorium intybus) säumt unsere Wegränder und blüht derart bezaubernd, dass sie alle Blicke auf sich zieht. Beinamen wie »Sonnenbraut«, »Sonnenwende«, »Sonnenwirbel« oder »Wegeleuchte« deuten an, dass es sich um eine Lichtpflanze handelt. Wie so viele blaue Blumen hat man einst auch die Wegwarte gegen Melancholie gebraucht. In der Volksmedizin gilt der Wurzeltee heute noch als Geheimmittel gegen den Kummerspeck, den sich manche vor lauter Liebeskummer zulegen. Vor allem aber ist die Wegwarte die Symbolpflanze der Sehnsucht – ein altes  Märchen erzählt warum: Es war einmal eine Prinzessin, die hatte sich in einen armen Ritter verliebt. Doch den Ritter zog es fort, denn er musste auf Kreuzzug gehen. Zum Abschied begleitete ihn die Prinzessin noch ein Stück des Weges. Bevor er davonritt, hüllte der Ritter das Mädchen in seinen himmelblauen Mantel. Fortan harrte sie sehnsüchtig am Wegrand auf seine Rückkehr. Da wollte das Volk die Prinzessin überzeugen, sie möge doch wieder ins Königreich zurückkehren. Doch sie entgegnete nur: »Eh als ich lass das Weinen stehn, will ich lieber auf die Wegscheidt gehn, ein Feldblum dort zu werden.« Seither entfaltet die verwandelte Prinzessin ab der Sonnenwende jeden Morgen noch vor Sonnenaufgang ihre himmelblauen Blüten.

Ihrer Symbolik entsprechend diente die Wurzel zeitweilig sogar zum Liebeszauber. Dazu wickelten die Frauen mancherorts eine ganze Pflanze in eine Männerhose und benutzten diese als Kopfkissen. Im Traum sollte ihnen dann der künftige Mann erscheinen. Daher lautet einer ihrer vielen Beinamen »Bräutigamsaug« (vergleiche Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Seite 990). Doch die Wegwarte galt keineswegs nur im Volksglauben als Orakelblume. Sogar Paracelsus hat behauptet, dass sich die Wurzel nach sieben Jahren in einen Vogel verwandelt. Mit dem Vogel meinte er vermutlich die geistige Botschaft, welche diese blaue Traumblume, wenn man sie in der richtigen Art und Weise gebraucht, übermitteln kann.

Wer seinen Geist für die Botschaften der Schicksalsgötter öffnen will, sollte die blauen Blüten noch vor Sonnenaufgang sammeln und zu einer Mondtinktur verarbeiten (Auszung unter Mondlicht), auch um ihre empfindlichen Farbstoffe (Anthocyane) zu erhalten. Abends, bevor man ins Bett geht, kann man dann einige Tropfen von diesem Blütenauszug einnehmen oder auf das Dritte Auge tupfen. Manchmal erhält man auf diese Weise im Schlaf entsprechende Hinweise.

Der blaublühende Korbblütler verfügt jedoch gleichermaßen über beachtliche Heilkräfte. Wie der Name sagt, gedeiht er bevorzugt entlang von Bahntrassen, Straßen oder Wegrändern. Feinstaub, Reifen- oder Schienenabrieb, Autoabgase oder Herbizide können ihm kaum etwas anhaben. Er beweist große Toleranz gegenüber Umweltgiften, und eben darin offenbaren sich seine Heilkräfte speziell bei Umwelterkrankungen. Wegwarte entzieht belasteten Böden die Metalle und reinigt auch unseren Körper tiefgreifend (siehe Rezept).

Die Hauptwirkung konzentriert sich auf den gesamten Magen-Darm-Trakt und insbesondere auf die Leber sowie auf die Bauchspeicheldrüse, welche sie von abgelagerten Metallen oder Pestiziden reinigt. Vor allem wer unter diversen Nahrungsunverträglichkeiten leidet, nach dem Essen häufig müde ist, Blähungen und klebrigen Stuhl hat, sollte die Wegwarte rege gebrauchen (z. B. Cichorium/Pancreas comp. Globuli von Wala).

Rezept: Schwermetallentgiftung mit Wurzeln

Diese Teekur sollte man bei Schwermetallbelastung, z. B. nach Entfernen von Zahnamalgam, zwei Monate lang durchführen. Die Wurzeln mobilisieren die Problemstoffe aus ihren Depots und begünstigen die Ausscheidung von Metallen (z. B. Quecksilber) über Harn, Schweiß und Stuhl. Auch wer sich keine Zahnsanierung leisten kann, sollte sich mit dieser Kur zweimal jährlich je vier bis sechs Wochen lang entgiften.

Angelikawurzel, Eberwurz, Klettenwurzel, Liebstockwurzel, Meisterwurz und Wegwartenwurzel zu gleichen Teilen mischen.
Zwei gehäufte Esslöffel der Mischung mit 500 ml kochendem Wasser überbrühen und zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen, zunächst zwei bis sechs Wochen lang täglich ½ Liter über den Tag verteilt trinken.
Hinweis: Teemuffel können die Wurzeln auch vier Wochen lang in Weinbrand ausziehen und von diesem Extrakt 2-mal täglich einen Teelöffel in einem Glas Wasser einnehmen.
Der Tee (wie auch der Alkoholauszug) ist jedoch nicht für Schwangere geeignet, auch bei Neigung zu Gallensteinkolik und bei starker Lichtexposition sollte man auf Angelikawurzel verzichten.

Quelle und Buchtipp