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Die hermetischen Schlüssel zur Heilkunst

von Olaf Rippe
mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Naturheilpraxis



Viele namhafte Persönlichkeiten füllen die Geschichte der Medizin. Einer der bedeutendsten unter ihnen ist der ägyptische Eingeweihte Hermes Trismegistos1.

In okkulten Kreisen ist er mit Thot identisch, dem Gott der Weisheit mit dem Ibiskopf. Seine Insignien sind das Ankh, Symbol des ewigen Lebens, und die Barke, auf der er die Toten in die jenseitige Welt geleitet. Die Reise in die Unterwelt ist gleichbedeutend mit dem todesähnlichen Zustand während der Initiation. Deshalb gilt Thot auch als Hüter aller Weisheitssuchenden. Die Griechen nannten ihn Hermes, die Römer Merkur. Der geflügelte Götterbote brachte den Menschen die Schrift und lehrte sie Philosophie, Musik, Dichtung, Astrologie, Alchimie und Heilkunst.

Bild 1: Hermes Trismegistos wird mit Thot gleichgesetzt, dem ägyptischen Gott der Weisheit.

  Als Eingeweihter ist Hermes Trismegistos mit den Geheimnissen der drei Sphären der Existenz vertraut, der seelischen, körperlichen und geistigen; in der Alchimie sind dies die drei Prinzipien: Sulphur (das Brennende), Sal (das Feste), Merkur (das Flüchtige). Er durchblickt die drei Zeiten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sein Denken ist dialektisch (These, Antithese, Synthese). Er kennt die drei Seinszustände des Menschen (Jugend, Reife, Alter) und er weiß um die Wege des Heilens, die von der Krankheit zur Gesundheit über die Heilung führen. Da sich alles in drei Grundzustände aufteilen läßt, deren Meister Hermes Trismegistos ist, nennt man ihn den "Dreifachen an Weisheit".

Seine Lehrsätze schrieb er auf Tafeln aus Smaragd, dem Stein der mystischen Liebe und der Gralsritter. Die "Tabula Smaragdina2" ist bis heute der Schlüssel zu einer hermetisch orientierten Heilkunde nach abendländischer Tradition.


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Die vier Säulen der Heilkunst

Von Natur aus ist die Hermetik rätselhaft, heißt der Begriff doch übersetzt soviel wie "das geheime Wissen" oder "das Verschlossene".

Was die Schüler des Hermes in ihren Schatztruhen vor den Augen Uneingeweihter verborgen halten, bezeichnete Paracelsus als die vier Säulen der Heilkunst: Philosophie, Astrologie, Alchimie und Virtus.
     Unter Philosophie versteht Paracelsus die Liebe zur Schöpfung und das Wissen über die Geheimnisse der Natur. Die Astrologie erklärt die Kräfte des Kosmos und deren Wirkung auf alles Irdische. Die Alchimie lehrt die Herstellung der Arzneimittel durch Veredelung der Ausgangsstoffe und Verstärkung des Geistartigen in der Arznei, das die eigentliche Heilwirkung hervorruft. Paracelsus nannte diese wahrhaft heilenden Arzneien "Arkana". Das größte Arkanum ist seiner Meinung nach die Liebe. Sie ist gleichbedeutend mit der Virtus, der moralischen Integrität, der Hingabe und den Fertigkeiten des Heilers, ohne die alles Erreichte vergeblich wäre.

Die geistigen Grundlagen dieser vier Säulen bilden die sieben hermetischen Prinzipien.


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Das Prinzip der Geistigkeit

"Das All ist Geist, das Universum ist geistig. Allem Existierenden liegt eine geistige Kraft zu Grunde."

Im Tao heißt der Ursprung der Schöpfung das "Namenlose", da der Name immer nur einen Teil und nie das Ganze darstellt, das in seiner wahren Natur unbegreifbar und unbeschreibbar ist.

In der jüdischen Mystik besteht der Geist aus drei Bereichen, aus der Leere (Ain) und der Unendlichkeit (Soph), die zusammen das Chaos (= prima materia) bilden, aus dem als Drittes das Licht (Aur) entsteht.

In der Alchimie entspricht der schöpferische Geist den vier Elementen, die als Ursprung der Existenz gelten: "Sein Vater ist die Sonne (Feuer) / Seine Mutter ist der Mond (Wasser) / Der Wind hat es in seinem Bauch getragen (Luft) / Seine Amme ist die Erde" (Hermes Trismegistos).

Bild 2: "Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter ist der Mond"; William Blake, "Jerusalem" (1804 - 20).

  Alles Existierende ist ein Spiegelbild des Geistigen und trägt dessen Samen in sich. In der mystischen Versenkung und Naturbetrachtung versucht der Adept, durch die Aufhebung der Trennung von Subjekt und Objekt, diesen Samen in seiner Seele zum Keinem zu bringen, um als neuer Mensch die geistige Wiedergeburt auf einer höheren Ebene zu erfahren. Dazu muß er den luziferischen Fall in die Materie überwinden, der das Stoffliche zum Träger des Geistartigen machte, wodurch die Möglichkeit zur Krankheit entstand.

Auch bei der Herstellung von Arzneien nach hermetischen Gesichtspunkten ist es Ziel, das Geistartige aus der Materie durch Auflösung seiner Wesensglieder zu befreien, es anschließend in einem Reinigungsprozeß zu läutern, um es danach auf höherer Ebene erneut zu vereinigen.

Da alles das Geistartige in sich trägt, muß dies auch für alle Heilmittel gelten. Paracelsus formulierte es mit den Worten: "Das ist kein Arzt, der das Unsichtbare nicht weiß, das keinen Namen trägt, keine Materie hat und doch seine Wirkung."

Bild 3: "Der Wind hat es in seinem Bauch getragen", Atalanta fugiens, 1618

Bild 4: "Seine Amme ist die Erde", Atalanta fugiens, 1618


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Das Prinzip der Entsprechung

"Das Untere ist gleich dem Oberen und das Obere ist gleich dem Unteren zu vollenden die Wunder des Einen."

Dieser bekannteste der hermetischen Lehrsätze postuliert die Einheit der Polaritäten, ob wir sie nun als Licht und Dunkelheit, Ober- und Unterwelt, Mann und Frau oder Yang und Yin bezeichnen. Er besagt auch, daß die kosmische geistige Welt im wesentlichen mit der irdischen materiellen Welt identisch ist. Damit ist dieses Prinzip auch der Schlüssel zur Astrologie.

Die obere Welt bilden die zwölf Tierkreiszeichen und die sieben Planetenkräfte, die untere besteht dagegen aus den fünf Naturreichen: Geistwesen, Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien. Bildhaft wird diese Idee häufig durch einen Baum dargestellt, der mit seinem Stamm zwischen Krone und Wurzeln eine Brücke zwischen Himmel und Erde bildet.

Nach den Vorstellungen der Astrologie spiegeln sich die kosmischen Kräfte in allen Naturreichen wider. Alle Planeten wirken in allem und die Sonne wirkt durch alle. Alles Existierende ist daher eine Mischung aus den Kräften des Kosmos, bis auf die "Planetenmetalle", die als reine Verkörperung gelten: Mond - Silber, Merkur - Quecksilber, Venus - Kupfer, Mars - Eisen, Jupiter - Zinn, Saturn - Blei und Sonne - Gold. Die Metalle sind somit potentiell die wirkungsvollsten Arzneimittel, von denen wiederum das Sonnenmetall Gold die stärkste Heilkraft besitzt.

Bild 5: Das Bild stellt die Metalle als Gottheiten in der Erde dar; in ihrer Mitte sitzt der Sonnengott Apollon mit seiner Leier, dem man das Gold zuordnet. Umgeben ist die Szenerie von den Vier Elementen. Feuer und Luft bilden den oberen lichten Pol, Wasser und Erde dagegen den unteren dunklen. Die fünf Sterne sowie Sonne und Mond verkörpern die sieben kosmischen Urkräfte, die sich in den Naturreichen widerspiegeln. Die Figuren auf dem Berg stellen die Herstellung des Arkanums dar, das durch die Vereinigung von Feuer und Wasser entsteht. Der Brunnen verkörpert den Schoß von Mutter Erde, aus dem das Wasser des Lebens geboren wird. Musaeum Hermeticum, 1749.

  Auch die Krankheiten haben ihre kosmischen Entsprechungen. Je nach Anschauung der Planeten oder ihrer Stellung in den Tierkreiszeichen ergibt sich ein Mangel oder Übermaß der Planetenkräfte, die sich im Menschen als Krankheiten manifestieren. Die Arzneimittel, die wir zur Beeinflussung dieser Zustände verwenden, sind ebenfalls kosmischer Natur und müssen in ihren Eigenschaften der jeweiligen Planetenkraft und damit dem Krankheitsgeschehen entsprechen.

Doch noch sind die Heilmittel nur von stofflicher Natur. Wie man das Geistartige aus der Materie freisetzen kann, wie also aus einem Stoff ein Arkanum wird, beinhaltet der dritte Lehrsatz, der die geistige Grundlage der Alchimie bildet.


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Das Prinzip der Schwingung

"Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist Schwingung."

Schwingung und Arznei

Die Herstellung homöopathischer und anthroposophischer Präparate hat eine Erhöhung der Schwingungsebene der Ausgangssubstanz zum Ziel.

Nach den Vorstellungen Samuel Hahnemanns erfolgt durch eine schrittweise Verdünnung mit gleichzeitiger Verschüttelung die Potenzierung (Veränderung der Schwingung), wobei das Geistartige freigesetzt und an eine Matrix (bspw. Alkohol oder Milchzucker) gebunden wird. Je höher die Potenz, desto höher ist auch die Schwingung. Beim Potenzieren schlägt man die Substanz auf eine feste Unterlage. Beobachten wir das Verhalten der Flüssigkeit, so bewegt sie sich zunächst nach oben (Aufstieg zum Himmel). Beim anschließenden Schlagen steigt sie zur Erde hernieder.

Die Technik der Potenzierung bei anthroposophischen Firmen ist unterschiedlich: In der Firma Wala schleudert man die Flüssigkeit aus dem Handgelenk himmelwärts, so daß sich beim Herabströmen ein spiraliger Wirbel bildet; dabei steht der Potenzierer mit dem Gesicht nach Osten. In der Firma Weleda schaukelt man die Flüssigkeit dagegen aus dem Handgelenk, so daß sich eine Lemniskate bildet.

Grundsätzlich wird bei der Herstellung anthroposophischer Arzneien auf den richtigen kosmologischen Zeitpunkt und auf die Eigenschaften des Raums und der Person geachtet, da alles die Schwingung der Arznei beeinflussen kann.

Dieser Lehrsatz offenbart das Geheimnis, wie sich das Obere dem Unteren mitteilt.

Bewegung ist Leben, Ruhe der Tod. Da sich aber alles bewegt, ist der Tod ein Trugbild. Er ist nur ein Wandel in der Art der Schwingung. Auch in anorganischen Substanzen findet sich das Lebensprinzip der Bewegung, das man entweder als Od, Orgon, Äther, Chi, Prana oder Pneuma bezeichnet.

In allen Naturreichen ist das Geistartige als Schwingung in unterschiedlicher Intensität an die Materie gebunden. Diese Schwingung aus der Materie zu befreien, ist gleichbedeutend mit der Wandlung eines Stoffs zu einem Heilmittel. Je höher die Schwingung, desto geistartiger ist der Stoff und umso mehr ist er dem schöpferischen Prinzip ähnlich, dem er entstammt.

Den entsprechenden Vorgang formulierte Hermes Trismegistos mit den Worten: "Scheide die Erde vom Feuer, das Feine vom Groben, sanft und mit Spürsinn. Es steigt von der Erde zum Himmel und wieder hernieder zur Erde, zu empfangen die Kraft des Oberen und des Unteren."

Damit ist unter anderem der Destillationsprozeß während der spagirischen Arzneimittelherstellung beschrieben. Das Wort Spagirik setzt sich aus den Begriffen spen (trennen) und ageirein (vereinen) zusammen. Während der Destillation trennen sich die flüchtigen Substanzen von den nichtflüchtigen - "es steigt von der Erde zum Himmel". Durch Abkühlung kondensieren die flüchtigen Stoffe und schlagen sich als Destillat nieder. Auf diese Weise löst sich das Geistartige aus dem Stofflichen (Befreiung des Merkur). Die nichtflüchtigen Stoffe werden in der Regel verascht und die Asche so weit möglich mit dem Destillat vereint. Jede Firma, die spagirische Präparate herstellt, variiert diesen Vorgang, doch alle verfolgen das gleiche Ziel, die Veränderung der Schwingung der Ausgangssubstanz.

Bild 6: Die Destillation (hier in der Firma "Staufen-Pharma", Göppingen) scheidet die Erde vom Feuer und trennt das Feine vom Groben. © Margret Madejsky.

  Auch die Arzneiherstellung nach den Regeln der Homöopathie und nach den Vorstellungen der Anthroposophie (siehe Kasten) richtet sich nach diesem Prinzip. Ein Beispiel ist die Herstellung der "präparierten Metalle" durch die Firma Weleda: Indem man das Metall bis zum Verdampfen erhitzt, wird es aus seinem festen Zustand in einen flüchtigen gebracht. Auf einer kalten Oberfläche abgeschreckt, schlägt sich der Dampf als Spiegel nieder. Das Metall erhält dabei etwas von seiner kosmischen Natur zurück und ist energiereicher als gewöhnlich.

Vor allem auf diese Weise gewonnene Arzneien haben die Kraft, die Schwingungsebenen in uns Menschen derart zu erhöhen, daß sich Krankheit in Gesundheit wandelt. Aber auch Atemtechniken, Körperübungen, Tanz, Ernährungsweisen, Räucherungen oder der Aufenthalt an sakralen Plätzen können die Schwingungen im Menschen erhöhen und sind daher heilend.

Mit diesem Wissen befreit sich der Mensch aus der Knechtschaft der Materie, denn "derjenige, der das Prinzip der Schwingung versteht, hat das Zepter der Macht ergriffen" (Kybalion).

Bild 7: Gold, Silber und Kupfer als Metallspiegel. © Margret Madejsky.


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Das Prinzip der Polarität

"Alles hat sein Paar von Gegensätzlichkeiten. Gegensätze sind identisch in ihrer Wesensart, nur verschieden im Grad. Extreme berühren sich; alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten."

Dieser Lehrsatz beschreibt die dialektische Natur der Hermetik. Zum Verständnis der Wahrheit ist es wichtig, möglichst alle Blickwinkel zu berücksichtigen. Nur so läßt sich das Problem der Zwietracht und des Dogmatismus vermeiden, die immer versuchen, die halbe Wahrheit zur ganzen zu erheben.

Bild 8: Das Prinzip der Polaritäten als Einheit und rhythmischer Kreislauf; Holzschnitt um 1760.

  Die dialektische Betrachtungsweise bringt Widersprüche miteinander in Einklang, indem sie nach dem verbindenden Dritten sucht. Nur so wird man auch frei von der Anhaftung an Antipathie oder Sympathie. Diese Freiheit ist eine wichtige Voraussetzung, um die Schwingungsebenen von Körper, Seele und Geist zu erhöhen. "So wirst Du das ruhmreiche Licht der Welt besitzen und alle Dunkelheit wird von Dir weichen" (Kybalion).

Mit der Dunkelheit sind auch alle Krankheiten gemeint, die ihren Ursprung im luziferischen Fall des Geistes in die Materie und ihren Gegenpol in der lichten Kraft der Gesundheit haben. Das verbindende Dritte ist die Heilung oder die Wandlung, die eine Veredelung der Schwingung bedeutet. Sie ist verbunden mit der Erkenntnis über die wahre Natur der Erscheinungen.



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Das Prinzip des Rhythmus

"Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten. Alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem, das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links. Rhythmus kompensiert."
Arzneimittelherstellung im Rhythmus von Licht und Wärme

Auf Anregung von Rudolf Steiner, entwickelte die Firma Wala unter der Leitung von Rudolf Hauschka ein besonderes Verfahren zur Herstellung von Pflanzenpräparaten. Bei der "Rhythmisierung" unter dem Einfluß von Licht und Wärme, wird gänzlich auf Alkohol verzichtet, da das Verfahren sich am Lebensrhythmus der Pflanze orientiert. Das geistartige Wesen der Pflanze bleibt dadurch weitgehend erhalten.
1. Anbau, Sammeln und Verarbeitung der Ausgangssubstanzen erfolgen nur zu astrologisch günstigen Zeiten.
2.Die Pflanzen werden bei Sonnenaufgang geerntet und unmittelbar danach verarbeitet (Verlesen, Reinigen, Zerkleinern sowie das Ansetzen mit destilliertem Quellwasser).
3.Während der folgenden sieben Tage wird die Pflanze jeweils zum Sonnenaufgang und -untergang für eine kurze Zeit in einen "Lichthof" gestellt, rhythmisch bewegt und dabei stark abgekühlt. Während der dazwischen liegenden Ruhezeiten erfolgt in einer vom Licht abgeschirmten Position eine Erwärmung auf 37°C. Die Pflanze erfährt also über alle Planetentage hinweg einen rhythmischen Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung, Licht und Dunkelheit sowie Kälte und Wärme.
4.Der nach der Abfiltration verbleibende Rückstand wird verascht und ein Teil der Asche im Filtrat gelöst. Danach reift die Urtinktur in der Regel ein Jahr, bevor man sie potenziert. Somit wirken während der Reifung auch die Rhythmen der Jahreszeiten auf das Präparat ein.

Das Wesen aller Bewegung und damit auch des Geistes und der Materie, ist rhythmische Schwingung. "Gemäß der Entstehung der großen Welt entsteht die kleine Welt und das ist mein Ruhm" (Hermes Trismegistos).

Die Eigenschaften von Rhythmen versteht man am besten durch die Betrachtung der Gegenpole. Auf der einen Seite ist dies der Takt, der eine gleichförmige monotone Bewegung darstellt und den man daher auch als Zwang bezeichnen kann. Auf der anderen Seite ist es die Arrhythmie, die chaotische unberechenbare Bewegungsmuster beschreibt. Dazwischen steht der Rhythmus, der als Schwingung das Wesen der Naturreiche ausmacht. Seine Eigenschaften sind flexibel, denn er kann sich den jeweiligen Anforderungen durch Veränderung der Schwingung anpassen. Rhythmus bedeutet also Kompensation, Harmonie und Freiheit von Zwängen. Um sich dies zu verdeutlichen, studiert man am besten die Herzfunktion oder andere Regulationsmechanismen des Körpers wie Schlafen und Wachen, die ihrem Wesen nach rhythmisch sind.

"Alles hat seine Gezeiten", entspricht auch den Vorstellungen der Chronobiologie oder der chinesischen Organuhr. Ebenso rhythmisch verläuft der Wechsel von Tag und Nacht oder die Jahreszeiten mit ihrem Wechsel von Kälte und Wärme. Die zwei sich in den Schwanz beißenden Drachen stellen dieses rhythmische Prinzip symbolisch dar. Rhythmen spielen auch bei Herstellung eines Arkanums eine wichtige Rolle (siehe Kasten).

Für die Anwendung von Heilmitteln ist es ebenfalls bedeutsam, daß man eine Schwingungsebene im Menschen nur dann verändern kann, wenn der Stoff, der dazu verwendet wird, eine ähnliche rhythmische Qualität besitzt, wie der Zustand, der verändert werden soll.

Stellen wir uns dazu vor, wir würden laufen und wollten einen Schlafenden motivieren, dies ebenfalls zu tun. Hätte es Sinn ihm unsere Aufforderung im Vorbeilaufen einfach zuzurufen? Nein! Wir sollten uns am besten auf seine Ebene begeben, uns zu ihm legen, ihn sanft wecken und ihn ebenso sanft davon überzeugen, wie schön das Laufen ist.

Dies entspricht dem homöopathischen Lehrsatz: "Similia similibus curantur" (Ähnliches wird mit ähnlichem geheilt). Dabei hat sich auch gezeigt, daß Arzneien mit einer geringen Schwingung auf das Körperliche, solche mit mittlerer Schwingung auf das Seelische und solche mit hoher Schwingung auf das Geistige im Menschen wirken.



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Lichtrhythmus durch Gold und Silber

"Sol - öffne die Augen und Du siehst das Licht. Luna - schließe die Augen und das Licht ist bei Dir" (Marino Lazzeroni).

Um rhythmische Prinzipien zu erfahren, ist es am einfachsten, ein Experiment zu wagen.
     Besonders stark wirken auf den Menschen die Rhythmen von Sonne und Mond, die ihre Entsprechung in den Metallen Gold und Silber haben.
     Am besten eignen sich für unser Experiment mittlere Potenzen (D12) der Metalle, da sie auf die seelischen Eigenschaften des Menschen ausgleichend wirken. Die Mittel sollte man einen Mondzyklus lang einnehmen.
     Bei Sonnenuntergang und Vollmond beginnt die Reise zu den tieferen Schichten unseres Bewußtsein mit "Argentum metallicum praeparatum" D12 (Silberspiegel von Weleda, ca. 5 Tropfen). Das Silberpräparat "Cerebretik" (Soluna) eignet sich ebenfalls.
     So wie der Mond das Sonnenlicht reflektiert, verbessert Silber unser Reflektions- und Erinnerungsvermögen. Wir schließen die Augen, und entdecken das Licht in unserem Inneren. Silber erhöht das Traumbewußtsein und verstärkt den Kontakt zu den unendlichen Weiten des Kosmos. Es fördert auch die nächtliche Regeneration des Körpers.
     Morgens bei Sonnenaufgang nehmen wir "Aurum metallicum praeparatum" D12 (Goldspiegel von Weleda, ca. 5 Tropfen). Das Sonnenmetall öffnet uns die Augen für das Licht der äußeren Welt. Einerseits können wir durch Gold unser Ich und unsere Umwelt bewußter erleben, andererseits ermöglicht es uns, die Erlebnisse der Nacht besser zu verarbeiten. Auch die verschlüsselten Botschaften unserer Träume lassen sich durch Gold leichter enträtseln.
     Als Ergänzungsmittel für Silber oder "Cerebretik" eignen sich z.B. Baldrian und potenziertes Meerwasser, für Gold dagegen Johanniskraut und potenzierte Phosphorsäure oder "Aquavit" (Soluna).

Eine solche Anwendung der zwei Metalle eignet sich zudem zur Stabilisierung von Heilergebnissen, besonders wenn die Krankheit seelischer Natur war.



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Das Prinzip von Ursache und Wirkung

"Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig. Zufall ist nur ein Name für ein unbekanntes Gesetz."

Dieser Lehrsatz ist der Schlüssel zur Virtus, der letzten und wichtigsten Säule der Heilkunst nach Paracelsus.

Aleister Crowley hat einmal geschrieben, daß der größte Magier der ist, der die meisten Zusammenhänge von Ursache und Wirkung erkennt. Die Erkenntnis der Zusammenhänge macht einem bewußt, daß jeder Gedanke wahr werden will, also die Ursache für eine Wirkung darstellt. Deshalb ist es ratsam, nach der Reinheit des Geistes zu streben. Daher sollte man auch um die Beherrschung seiner Leidenschaften bemüht sein, deren polare Eigenschaften sich in der Liebe vereinen.

Die Vollkommenheit des Bemühens ist abhängig davon, wie gründlich man Philosophie, Astrologie und Alchimie studiert, durch die man lernt, wie man seine Schwingungsebenen erhöhen kann.

Ziel ist es, nach der Übereinstimmung des persönlichen Willens mit den kosmischen Gesetzen zu suchen. Während der normale Mensch Sklave des Zufalls ist, versteht der Magier die Zusammenhänge und erlebt sie bewußt als Synchronizität. Mit Hilfe von Divinationstechniken ist es möglich, den Willen der Götter zu erforschen, dem man sich fügen sollte, denn ein Verstoß dagegen bedeutet Leid. Der Eingeweihte sucht sich daher nur das Beste aus dem Reich der Möglichkeiten aus, doch hütet er sich, das Reich selbst zu verändern. Da er mit den Schicksalsmächten vertraut ist, weiß er, daß man niemals versuchen sollte, dem Weltgeist die Zügel vollständig aus der Hand zu nehmen. Er lebt nach der Maxime: "Tun was nötig ist und warten was kommt" (Chinesisches Sprichwort). Die letzte Gefahr auf dem Weg ist der Hochmut. Um den siebten Schlüssel zu erhalten muß man Demut in sich entwickeln. Nur so findet man Einlaß in den Tempel, um das große Mysterium zu erfahren.

 


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Das Prinzip des Geschlechts

"Geschlecht ist in allem, alles hat männliche und weibliche Prinzipien. Geschlecht offenbart sich auf allen Ebenen."

Der Mensch erkannte sein Geschlecht, als er die Frucht vom Baum der Erkenntnis aß. Er erfuhr dadurch die Trennung von Oben und Unten, Geist und Materie, Ich und Du. Das Geheimnis der Geschlechtlichkeit ist aber nicht nur die Trennung, sondern auch die Fortpflanzung oder die Neuschöpfung. In der Alchimie ist dies die "Chymische Hochzeit", die Vermählung von König (Sonne) und Königin (Mond), die zur Geburt des "göttlichen Kindes" führt, den man auch als Hermaphrodit bezeichnet. Er ist die Vereinigung von Wissen (Hermes - Männlich) und Liebe (Aphrodite - Weiblich). Nur gemeinsam können Mann und Frau den Drachen besiegen, der die Gebundenheit des Geistes an die Materie verkörpert.

Bild 10: Ziel hermetischen Arbeitens ist der Hermaphrodit, die Vereinigung von Wissen (Hermes) und Liebe (Aphrodite). Aurora Consurgens, 14. Jh.

  Für die Geburt sind drei Schritte erforderlich: Erstens die Trennung der Wesensglieder. Zweitens die Reinigung und Läuterung durch Veränderung der rhythmischen Schwingung. Drittens die Vereinigung des Getrennten und Geläuterten zu einer neuen vollkommeneren Einheit.

Ein alchimistisches Gedicht beschreibt diesen Wandel mit den Worten:

"Erstlich steckt alles in vierdter Zahl der Elemente überall
Daraus die Drey Anfäng entspringen
Welche zwey Geschlechter herfürbringen
Männlich, weiblich, von Sonn und Mond
Daraus wächset der Kayserliche Sohn
Dem auf der Welt gar nichts gleich
Und übertrifft all Königreich."


Bild 11: Mann und Frau jagen und erschlagen gemeinsam den Drachen, um den Geist aus der Materie zu befreien. Atalanta fugiens, 1618.

Anmerkungen

  1. Historisch ist das Leben des Hermes Trismegistos umstritten. Wahrscheinlich stammen die meisten ihm zugeschriebenen Texte aus dem ausgehenden Mittelalter. In der Hermetik spielt dies allerdings keine Rolle, da die Texte einen Wahrheitsanspruch haben, der zeitlos ist. [zurück]
  2. Apollonius von Tyana soll im 1. Jh. n. Chr. die "Tabula Smaragdina" entdeckt haben. Auch dies ist wahrscheinlich nur Fiktion. [zurück]

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Literatur:

Bernus Alexander von: "Alchymie und Heilkunst" (Rudolf Geering Verlag)
Evola Julius: "Die Hermetische Tradition" (Ansata Verlag)
Frick Karl R.H.: "Die Erleuchteten" (ADVA Verlag)
Gebelein Helmut: "Alchemie" (Diederichs Verlag)
Klossowski de Rola Stanislas: "The Golden Game" (Thames and Hudson)
"Kybalion" (Akasha Verlagsgesellschaft)
Madejsky Margret, Rippe Olaf: "Heilmittel der Sonne" (Peter Erd Verlag)
Paracelsus: "Sämtliche Werke" (Anger - Verlag)
Roob Alexander: "Alchemie und Mystik" (Taschen Verlag)
Szepes Mària: "Der rote Löwe" (Heyne Verlag)

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