Post-Pill-Syndrom – von Margret Madejsky

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Post-Pill-Syndrom – von Margret Madejsky

Anregungen zur Behandlung von Folgeschäden der Antibabypille

Der Siegeszug der Antibabypille

Der erste Ovulationshemmer, “Anovular”, eroberte Anfang der siebziger Jahre den europäischen Markt und führte trotz der damals noch weitreichenden Nebenwirkungen zu einer wahren Reformation der Kontrazeptionspraxis. Die Frau, die vor der “Pillen-Ära” noch die Folgen von vorehelichem Geschlechtsverkehr weitgehend alleine tragen musste, hatte nun ein Kontrazeptivum an der Hand, das sie mit großer Sicherheit vor ungewollter Schwangerschaft und vor dem damit verbundenen sozialen Abstieg oder den gesundheitlichen Risiken einer Abtreibung bewahrte. In wenigen Jahrzehnten verdrängte die Pille zunehmend die anderen, bis dahin üblichen Verhütungsmethoden. Bereits 1984 haben in der ehemaligen BRD schätzungsweise vier Millionen Frauen, d.h. ca. 32% aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter die Pille eingenommen und heute geht man von knapp 50% aus.

Der Preis der Freiheit

Dass die hormonellen Kontrazeptiva mit Nebenwirkungen behaftet sind, wusste man schon immer. Die Antibabypille wurde daher stetig weiterentwickelt. Durch geringere Dosierungen und zyklusgerechtere Zusammensetzung wurden Pillenpausen, die dem Hormonsystem eine Regeneration von den hochdosierten synthetischen Hormonen ermöglichen sollten, schließlich scheinbar überflüssig. Doch trotz aller Bemühungen ist die Liste der Nebenwirkungen lang geblieben. Aber selbst auf den zwei DIN A 4 Seiten, die diese in der “Roten Liste” (O 10) in Anspruch nimmt, bleiben Folgeschäden, die auch nach Absetzen der Pille noch weiterbestehen könnten, unerwähnt.

Nach Absetzen der modernen Ovulationshemmer kommt es laut den Statistiken nur noch in 1-2 Prozent (= von vielen Millionen Frauen!) zu einer länger als sechs Monate dauernden Amenorrhoe und diese soll auch nur bei entsprechender Disposition mit der Pille in Verbindung gebracht werden können. Als prädisponiert für eine sogenannte “Post-pill-Amenorrhoe” (=Over-Suppression-Syndrom) gelten vor allem Frauen mit verzögerter Menarche, Oligomenorrhoe, Corpus-luteum-Insuffizienz, anovulatorischen Zyklen und untergewichtige Frauen oder solche, die unter Anorexia nervosa leiden.

Gewiss ist die monatelange Amenorrhoe nach Pillen-Abusus als besonders schwerwiegende Folgeerscheinung relativ selten. Bei einer gesunden Frau normalisiert sich der Zyklus nach Absetzen der Pille im Allgemeinen nach ein bis drei Monaten wieder. Da aber der höchste Prozentsatz der Pillenkonsumentinnen mit bis zu 75% in der Altersgruppe unter 20 Jahren liegt, sind entsprechend viele “für Folgeschäden Prädisponierte” darunter. Die meisten Fälle von Anorexia nervosa treten in der Altersgruppe unter 20 Jahren auf. Und viele junge Frauen steigen schon im 16. Lebensjahr in den “hormonellen Teufelskreis” ein, ohne bis dahin einen eingespielten Zyklus zu haben.

Am häufigsten suchen Frauen naturheilkundliche Hilfe, die nach Pillenabusus ungewollt kinderlos bleiben oder unter Zyklusstörungen (bspw. A-, Hypo-, Oligomenorrhoe oder prämenstruelles Syndrom) leiden. Gerade bei der ungewollten Kinderlosigkeit – bei der es sich meist um ein multifaktorielles Geschehen handelt – taucht erstaunlich häufig der frühzeitige und oft langfristige Pillen-Abusus als eine mögliche Ursache in der Anamnese auf. Nach Döring (s. Literaturverzeichnis) werden rund 80% der Frauen mit Kinderwunsch innerhalb von sechs Monaten nach Absetzen der Pille schwanger. Allerdings werden ca. 10% auch ein Jahr nach Absetzen der Pille noch nicht schwanger und die Frauen, die zu diesen 10% gehören, berichten dann nicht selten, dass sich ihr Zyklus nach der Pille nie wieder richtig erholt habe.

Ein ganzheitliches Behandlungskonzept

Wenn das weibliche Hormonsystem nach der Pille wieder aus dem Tiefschlaf erweckt werden soll, dann muss die kausale Therapie genau dort angreifen, wo die Pille den Organismus beeinflusst hat: auf allen Ebenen gleichzeitig! Nicht alle Patientinnen zeigen das Vollbild des Post-pill-Syndroms mit hypophysär bedingten Zyklusschwankungen, prämenstruellen Beschwerden, geschädigter Leber und chronisch-rezidivierenden Schleimhautinfektionen (Soor, Trichomoniasis). Daher müssen auch nicht alle Frauen mit allen Mitteln behandelt werden. Aber es lohnt sich, für einige chronische Fälle ein umfassendes Therapieprogramm zu erstellen, das im Einzelfall dem individuellen Beschwerdebild angepasst werden kann.

Ehemals – und heute?

Isopathie: “Gleiches mit Gleichem”

Nach diesem isopathischen Grundsatz erfolgt die Verordnung von krankheitsauslösenden Erregern oder auch Stoffen. In unserem Fall ist die Antibabypille, die sich aus synthetischen Östrogenen und Gestagenen zusammensetzt, die Ursache und die Nosode “Oestro/Gesta.-Comb.” (von Spagyra) folglich das Mittel der Wahl. Ähnlich wie in der Homöopathie wird also eine Arznei verabreicht, die in “größeren Mengen” die Beschwerden verursachen könnte, die sie in “homöopathischen Dosen” beheben soll. Man sollte aber unbedingt beachten, daß die physiologischen Hormonkonzentrationen im Körper sich im Bereich einer zwölften Dezimalpotenz bewegen, so dass nur die Hochpotenzen für die Behandlung von Folgeschäden der Antibabypille von Interesse sein können.

Am häufigsten habe ich die D30 über mehrere Wochen hinweg verordnet und je nach Reaktionslage der Patientin ein bis drei Mal pro Woche eine Dosis verabreicht. Die Nosode Oestro-Gesta ist in ihrer Wirkung ein sanftes Hormonregulans, das man prinzipiell bei allen Beschwerden versuchen kann, die sich auf die Pille zurückführen lassen. Zum Beispiel empfiehlt Schlüren (s. Literaturverzeichnis) bei “Frigidität durch Antibabypille” alle 14 Tage eine Injektion von Oestro-Gesta D30. Aber auch bei vaginaler Candidose wird es von einigen Gynäkologen neben der antibiotischen Lokaltherapie mit Knoblauchzehen verordnet.

In mittleren Potenzen und häufigeren Gaben hat sich Östro-Gesta auch bei klimakterischen Hitzewallungen bewährt. Auch das verfrühte oder erschwerte Klimakterium ist ein Problem, das unter den Frauen, die jahrelang mit der Pille verhütet haben, häufiger zu sein scheint. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Fall eines Heilpraktikers (!), der, als er unter nervösen Schweißausbrüchen litt, die Nosode Östro-Gesta sozusagen als “Simile” einnahm. Eine einmalige Dosis der Hochpotenz verschaffte ihm sofortige und anhaltende Erleichterung! Es bleibt abzuwarten, ob nicht gerade diese Nosode noch einmal zu einem Konstitutionsmittel avancieren wird. Noch ist die Antibabypille mit 35 Jahren relativ “jung” und es existieren folglich auch keine Studien über Langzeitfolgen, die auch die “Post-pill-Generation” erfassen würden. Die meisten Studien erstrecken sich nur über einige Jahre, so daß wir es im Grunde mit einem der größten laufenden Arzneiversuche zu tun haben, dessen endgültige Ergebnisse noch ausstehen.

Homöopathie: “Ähnliches mit Ähnlichem”

Wenn Frauen nach Absetzen der Pille Zyklusstörungen haben und ungewollt kinderlos bleiben, dann werden ihnen meist Präparate mit Mönchspfefferfrüchten (= Keuschlamm, Agnus castus) verordnet. Bei der Verordnung von Agnus castus sollte man aber sein genaues Wirkungsbild beachten! Der Mönchspfeffer wurde Jahrhunderte lang von Mönchen zur Dämpfung ihres Geschlechtstriebes gebraucht, denn er machte sie “keusch” wie ein “Lamm”. Diese geschlechtstriebdämpfende Wirkung haben die meist recht hochdosierten Mönchspfeffer-Präparate allerdings auch auf die Frau, was als unerwünschte Nebenwirkung insbesondere bei unerfülltem Kinderwunsch ein zusätzliches Hindernis darstellen kann.

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Mönchspfeffer eine der am stärksten die Menstruation verzögernden Pflanzen ist. Nach Madaus (s.Literaturverzeichnis) kann es durch Mönchspfeffer zu einer Verzögerung der Menstruation um bis zu fünf Tage kommen. Mit der üblichen phytotherapeutischen Anwendung kann eine Zyklusregulierung folglich nur bei der Polymenorrhoe erreicht werden, wohingegen die nach der Pille häufiger zu beobachtende Oligomenorrhoe eine Kontraindikation darstellt. Beim Post-pill-Syndrom wird die Verordnung homöopathischer Tiefpotenzen, die bereits einen gewissen Umkehreffekt zeigen, daher zweifelsohne erfolgreicher sein.

Mit der sechsten Dezimalpotenz konnte ich eine schnellere und deutlichere Zyklusregulierung erreichen, als sie mit der in einigen Fällen vorangegangenen Einnahme der üblichen Mönchspfefferextrakte zu erzielen war. Auf diese Weise ließen sich auch die Nebenwirkungen (Libidoverlust, Urtikaria) vermeiden. Erfahrungsgemäß zeigt auch Agnus castus D6 noch die zyklusregulierende Wirkung, so dass sich die Verordnung beim Prämenstruellen Syndrom mit Brustschwellung, Depression und Akne vor der Periode bewährt hat.

Ein ebenso wertvolles und viel gebrauchtes Homöopathikum ist auch Pulsatilla, die Kuhschelle. Den meisten dürfte Pulsatilla als Polychrest bei Frauenleiden mit starken Stimmungsschwankungen bekannt sein. Die Launen und die Beschwerden der Frau, für die Pulsatilla als Konstitutionsmittel in Frage kommt, wechseln entsprechend ihrer Blütezeit so, wie man es vom typischen Aprilwetter erwartet. Pulsatilla hat dieselbe Macht wie die Pille, denn sie kann unfruchtbar machen. Schon der Volksmund sagte von ihr, man dürfe sie nicht über die Schwelle ins  Haus bringen, weil sonst die Hühner keine Eier mehr legen würden und das, obwohl sie zu den ansonsten im Volke hochverehrten allerersten Blütenpflanzen des Frühlings gehört. Nach Rhighetti (s. Literaturverzeichnis) wurde Pulsatilla C1000 an trächtigen Albinoratten als Interzeptivum, d.h. als homöopathische “Morning-After-Pille” getestet. Das Ergebnis der Untersuchung lässt auf eine Revolutionierung der Geburtenregelung hoffen: ausnahmslos bei allen Ratten, die ihre Dosis rechtzeitig bekamen, wurden die Embryonen von der Schleimhaut resorbiert. Die homöopathische Pulsatilla ist vor allem in den Fällen von Unfruchtbarkeit angezeigt, wo eine ausgeprägte Verschlimmerung der meisten Beschwerden vor der Regel imponiert, also meist eine Gelbköperinsuffizienz vorliegt. Man hat in wissenschaftlichen Untersuchungen Pulsatilla C30 oder C200 mit einem allopathischen Progesteronpräparat verglichen und konnte bei der Pulsatilla-Gruppe ähnliche Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und an den Eierstöcken der getesteten Ratten registrieren, wie sie unter der Medikation von dem Gelbkörperhormon beobachtet worden war.

Darüberhinaus ist sie ein wichtiges Emmenagogum. Im homöopathischen Arzneimittelbild finden sich A-, Hypo- und Oligomenorrhoe, die in den meisten Fällen von “Steingefühl” im Unterleib und “Drang, als ob die Regel kommen wolle” begleitet wird. Vor allem die Tiefpotenzen sind menstruationsfördernd und werden in der Geburtshilfe auch zur Wehenförderung gebraucht. Stauffer empfiehlt zur Menstruationsförderung die Hochpotenz, doch dann muß die Konstitution unbedingt übereinstimmen. Aber auch, wenn das richtige Simile gewählt wurde, kann man nach der Antibabypille oft eine außerordentliche hormonelle Reaktionsstarre beobachten. Hier führen, wie so oft, mehrere Wege zum Ziel.

Zum einen wirken die subkutan injizierten Homöopathika weit intensiver als die oral verabreichten, weshalb die Eingangsbehandlung eines Post-Pill-Syndroms in der Regel mit topographischen Injektionen beginnt. Der gesamte Beckenbereich bietet sich als Reflexzone für den Unterleib an, aber wirksamer ist die gezielte Injektion in bestimmte Akupunkturpunkte: KG 4, KG 6, KG 7; B 24, B 32, B 31. Wenn sich die geschulte Patientin die Spritzen selbst verabreichen will, dann kann sie den gesamten KG vom Nabel bis zur Schamhaargrenze gut selbst erreichen. Zum anderen kann man die bestehende Blockaden mit Phytotherapie lösen.

Unterstützung aus dem Pflanzenreich

Da die meisten Frauen, die nach Absetzen der Pille die Praxis aufsuchen, eine zu schwache und/oder zu seltene Menstruation haben, ist man versucht, diese Störung mit den üblichen Emmenagoga, wie z.B. Aloe, Liebstöckel, Petersilie, Poleiminze oder Senna zu behandeln. Doch die meisten der genannten Pflanzen fördern die Menstruation vor allem durch eine Steigerung der Beckendurchblutung. Aloe und Senna können darüberhinaus den Darm reizen und bei Überdosierung zu Darmblutungen führen. Aber die Ursache der Zyklusstörung wäre mit diesen Pflanzen nicht behoben und der Erfolg einer solchen Behandlung ist dann meist nur von kurzer Dauer. Als die wichtigsten Adjuvantien seien hier daher Basilicum (Ocimum basilicum), Beifuß (Artemisia vulgaris), und Rosmarin (Rosmarinus officinalis) genannt.

Basilikum: Das Prämenstruelle Syndrom, meist von einer schmerzhaften Brustschwellung begleitet, ist wohl eine der häufigsten Leiden, über die nach der Pille geklagt wird. Das volksmedizinisch als Galaktagogum verwendete Basilikum kann vor allem in Form der homöopathischen Tiefpotenz eben diese Brustschwellung lindern, den Zyklus regulieren und die Stimmung aufhellen. Auch soll Basilikum das berühmte Aphrodisiakum der Mme Pompadour gewesen sein. Sie hat angeblich vor jedem Schäferstündchen ein Blatt davon zu sich genommen und soll – ohne Basilikum versteht sich – sonst so frigide wie eine Trauerente gewesen sein. Basilikum ist als mildes Emmenagogum und Aphrodisiakum ein bedeutsames Begleitmittel für die sexuell eher unterkühlten “Graphites-, Natrium muriaticum- und Sepia-Damen”. Das Prämenstruelle Syndrom ist meines Wissens nach die bedeutendste Ursache für die sogenannte Frigidität. Daß die Luststeigerung der Frau – ein östrogenähnlicher Effekt – auch für ihre Fruchtbarkeit wichtig ist, wußten alle bedeutenden Heilkundigen, so dass sie nie versäumten, jeder Rezeptur ein Aphrodisiakum hinzuzufügen! Schon Paracelsus soll Frauen zur Fruchtbarkeitssteigerung Basilikum verordnet haben. Ich persönlich verabreiche vom 5. Zyklustag bis zum Eisprung Basilicum Urtinktur und nach demselben Basilicum D4, weil das erstere die Lust und die Fruchtbarkeit auf östrogen-ähnliche Weise fördert und Basilicum D4 die Gelbkörper-Phase eher reguliert.

Beifuß: Eine der wichtigsten Pflanzen zur Anregung des Zyklus ist der Beifuß. Er ist nach der griech. Göttin Artemis benannt, die als Hebamme und “Große Mutter” verehrt wurde. Der Beifuß hat als Heilpflanze eine Jahrtausende lange Tradition und ist heute noch für die die Menstruationsförderung unentbehrlich. In der Französischen Literatur findet man Hinweise darauf, dass Beifuß die Hypophyse anregt und gerade das ist das Ziel unseres Bestrebens, wenn wir Folgeschäden der Pille beheben wollen. Bei einer hartnäckigen Amenorrhoe wird die Teekur allerdings zu sanft sein, so dass Tinkturen oder Fluidextrakte vorzuziehen sind. Aber auch ein Beifuß-Wein kann eine angenehme Applikationsform sein. Schon Tabernaemontanus schreibt: “Wann ein Weibsperson ihre Zeit nicht recht hat / die nehm ein Handvoll Beyfuß / laß den in einer halben Elsasser Maßs Weins den dritten Theil einsieden / und trinke davon Abends und Morgens / jedesmal ein guten Becher voll warm / …”

Rosmarin: Auch Rosmarin hat einen guten Ruf als Frauenpflanze und ist oft Bestandteil von sog. “Frauentees”. Sein Name soll sich auch von der keltischen “Rosmerta” ableiten, die als weiblicher Hermes gesehen wurde. Der Begriff Hormon leitet sich von Hermes ab, denn Hermes hatte in der Götterwelt eine ähnliche Funktion wie die Hormone im Körper: beide sind “Boten” oder “Antreiber”. Rosmarin, der eine von Pfarrer Kneipps Lieblingspflanzen gewesen sein soll, ist nicht nur ein allgemeines Tonikum, sondern auch ein Frauentonikum, da es die Eierstöcke anregt. Madaus führt Rosmarin daher als eine wichtiges Emmenagogum auf. Die Kombination der Fluidextrakte von Beifuß und Rosmarin sind bei der Therapie von der Post-pill-Amenorrhoe unschlagbar, wenn man sie lange genug gibt und je nach Patientin eine ausreichende Dosis (2-3x tägl. 20-50 gtt). Wenn der Rosmarin wegen Bluthochdruck oder Nervosität umgangen werden soll, kann die ebenfalls menstruationsfördernde Melisse (Melissa officinalis) eine Alternative sein.

Unerlässlich ist es, die geschädigten Organe direkt zu erreichen

Die Hypophyse (HVL) und die Eierstöcke waren während der Pilleneinnahme in einem hormonellen Zwangskorsett und müssen erst wieder zur eigenständigen Hormonproduktion angeregt werden. Neben der hormonellen Aktivierung durch Homöopathie und Phytotherapie hat sich auch die Organtherapie bewährt. Schon Hildegard von Bingen (s. Literaturverzeichnis) hat sie gewissermaßen empfohlen, in dem sie unfruchtbaren Frauen riet, “die Gebärmutter eines Schafes oder einer Kuh” zu kochen und zu essen. Wenn wir heute die homöopathischen Zubereitungen von Hypophysis oder Ovarium verordnen, gehen wir nicht viel anders vor, nur etwas fortschrittlicher. Wir zeigen dem Körper auf sanfte Weise, welches Organ er regulieren, bzw. anregen soll. Die tiefpotenzierten Organpräparate (D4-6) gehören hierbei noch in den Bereich der Substitutionstherapie, während die mittleren Potenzen (D12) regulierend in den Zyklus eingreifen und das betreffende Organ anregen. Nach der Pille wird in den meisten Fällen Hypophysis D12 benötigt, das auch eines der besten Begleitmittel für Pulsatilla und Graphites darstellt, die nach der Pille oft das Bild einer hypophysär bedingten Fettsucht und Amenorrhoe zeigen.

Hepar, eine weitere Organzubereitung, in diesem Falle aus der Schweineleber, soll aber auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Die künstlichen Hormone der Pille wurden während der Einnahme von der Leber abgebaut und belasteten die Leber auch, weshalb die Pille bei Leberschäden kontraindiziert ist. Nach jahrelangem Pillen-Abusus ist daher häufig eine regenerierende Lebertherapie angezeigt, die man unter anderem mit Zubereitungen aus den Mariendistelsamen (Tinct. Cardui Mariae / “Rademacher” Stechkörnertinktur EB 6 von Caelo) und Hepar D6 gestalten kann.

Soll man Prophylaxe betreiben?

Eine Frage, die mir oft gestellt wird, ist die, was man tun kann, um sofort nach Absetzen der Pille einen regulären Zyklus zu erhalten. Natürlich kann sich die gezielte Behandlung nur am individuellen Symptomenbild der Patientin orientieren. Bevor die Menstruation mit allen Mitteln gefördert wird, sollte man daher einen Zyklus nur beobachten, um zu sehen wie der Körper von selbst reagiert. Oft fehlt den Patientinnen nach jahrelanger Pilleneinnahme die Erinnerung an ihre ursprüngliche Menstruation, so dass man im Voraus nur schlecht einschätzen kann, mit welchen Folgeschäden konkret gerechnet werden muß. Wenn die Patientinnen dennoch das dringende Bedürfnis nach einer vorbeugenden Therapie verspüren, verordne ich für gewöhnlich Oestro-Gesta-Comb. D30 gemeinsam mit Hypophysis D12 und einem individuell erstellten Teerezept.

Tabelle: Einige bewährte Firmenpräparate

  • “Melissa / Phosphorus comp. amp. oder Dil. v. Weleda: Agn. cast. D2 (3), Corp. lut. D2, Majorana D3, Melissa D3, Mucilago levistici D2 (3), Phosph. D6, Puls. D6 aa
    Gelbkörperinsuffizienz. Bewährt bei prämenstruellen Beschwerden
  • “Mastodynon N Tropfen” v. Bionorica: Agnus Castus D1, Caulophyllum D4, Cyclamen D4, Ignatia D6, Iris D2, Lilium tigrinum D3
    Gelbkörperinsuffizienz, PMS. Bewährt bei Mastodynie und prämenstruellen Kopfschmerzen
  • “Glandulae – F – Gastreu Tropfen” v. Reckeweg: Gll. suprarenalis D12, Gll. thymi D12, Hypophysis D12, Ovaria D12, Pancreas D12, Thyreoidinum D12
    Hypophysäre Dysfunktion (bspw. Fettsucht, Amenorrhoe). Gute Begleitung zu Calc., Graph., Puls.

Literatur:

  • Döring: “Empfängnisverhütung” vom Thieme-Verlag, ISBN 3 13 326508 3
  • Schlüren: “Homöopathie in der Frauenheilkunde” vom Haug-Verlag, ISBN 3-7760-1276-5
  • Madaus: “Lehrbuch der Biologischen Heilmittel” v. Mediamed Verlag / Fa. Madaus
  • Righetti: “Forschung in der Homöopathie” v. Burgdorf-Verlag, ISBN 3-922345-39-5

 

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